Freiberufliche Arbeit macht richtig Spaß. Auch wenn man manchmal sehr viel und lange arbeitet. 50 oder mehr Stunden sind gar nicht mal so selten. Da muss man als Freiberufler sehr auch auf sich selbst achten. Es passt keiner auf einen auf. Ungeregelte Arbeitszeiten sind die Regel. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile.

Warum haben wir uns selbstständig gemacht? Weil wir die Freiheit genießen. Weil wir unabhängig sein möchten. Weil wir ein Projekt im Kopf haben, das wir nur auf „eigene Faust“ so gestalten können wie wir uns das vorstellen. Weil wir eine Nische bei Dienstleistungen gefunden haben, die nachgefragt ist. Oder weil wir in einem Markt mit großer Nachfrage die besten Konditionen und Leistungen bieten können. Weil wir flexibler mit unserem Geschäftsmodell sein können.

Innovation, Flexibilität, Kundenorientierung sollten Treiber der Freiberufler sein, um sich von schwerfälligen Agenturen oder Unternehmen zu unterscheiden. Am Ende zählt nur eins: Kann ich mit meinem Umsatz meinen Lebensunterhalt bestreiten?

Meist fängt man ja klein an. Wir Freiberufler müssen uns erstmal bekannt machen, müssen kommunizieren, dass es uns gibt und wir einen guten Job machen. Wir müssen überlegen, welche Dienstleistungen wir zu welchen Konditionen anbieten. Das kostet zumindest phasenweise ähnlich viel Zeit und Kraft wie die eigentliche Arbeit für Kunden.

Ganz interessant finde ich vor diesem Hintergrund eine neue Entwicklung auf dem Markt: Abonnement-Modelle. Bei ihnen wird nicht nach Stundensatz oder Projekt-Pauschale abgerechnet, sondern zu monatlich festgeschriebenen Abo-Pauschalen.

Dienstleistungen im Abonnement können den Umsatz positiv beeinflussen

Freiberufler kennen die Problematik der fairen Abrechnung. Vereinbaren wir mit dem Kunden einen Pauschalpreis für ein komplettes Projekt, kann nur einer gewinnen. Entweder der Freiberufler: weil er schneller fertig ist als geplant. Oder der Kunde: wenn er keinen Aufpreis zahlen muss obwohl der Freiberufler viel länger braucht. Wenn die angefallene Arbeitszeit des Freiberuflers weit über den kalkulierten Wert hinauswächst, dann kann der Kunde sich zurücklehnen und auf Einhaltung des Pauschalpreises bestehen. Beides ist zumindest für eine Seite recht unerfreulich.

Die Abrechnung nach Zeitaufwand ist für den gewissenhaften Freiberufler die faire Alternative. Der Kunde mag das öfter nicht so gern, weil er nicht abschätzen kann, wie lange etwas dauert. Klare und kontinuierliche Kommunikation ist hier hilfreich, sowohl im Vorfeld als auch bei der Abrechnung. Hier hilft es sehr, bei der Zeiterfassung ein gutes Tool zu nutzen.

Wie ist es nun, wenn ein Kunde über längere Zeiträume stets ähnliche Leistungen wünscht? Könnte man da nicht überlegen, ob man in solchen Fällen Abo-Preismodelle anbietet? Ich finde die Idee reizvoll. Abonnement-Modelle sind gut geeignet, wenn man den Kunden oder das Leistungspaket schon bestens kennt – und weiß, welchen Aufwand die Umsetzung im Durchschnitt mit sich bringt. Ich finde es perfekt, wenn man definierte Pakete schnüren kann. Wenn drin ist, was drauf steht, der monatliche Abo-Preis und die Leistungen klar definiert sind – dann sind am Ende alle zufrieden. Das Vertragsverhältnis ist kalkulierbar und fair. Althergebracht kennt man das Abo-Modell unter dem Begriff „Servicevertrag“. Doch darunter laufen meistens reine IT-Wartungsverträge oder Dienstleistungen wie Webhosting.

Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Warum sollten sich Abo-Modelle auf die IT-Welt beschränken? Man könnte so beispielsweise auch Leistungen im Online Marketing anbieten, etwa das Betreuen von Unternehmens-Auftritten auf Facebook, Twitter oder Instagram. Solche Kommunikations-Dienstleistungen lassen sich meines Erachtens durchaus als Abonnement anbieten. Oder die Nutzung eines Tools (Cloud-Dienst oder App), bei dem vielleicht noch weitere Dienstleistungen immer wieder kehrend sind. Oder, oder, oder…

Der Kunde hat den Vorteil, dass er nicht monatlich neu entscheiden muss, Budget immer wieder in unterschiedlicher Höhe genehmigen lassen muss. Kostenkontrolle und Verlässlichkeit sind die Vorteile, je nachdem, wie man das Abonnement vereinbart. Für kleine und mittelständische Unternehmen kann es auch eine niedrige Einstiegshürde sein. Wenn jährliche Kosten verteilt werden können, stärkt das die Liquidität, beziehungsweise die Belastung erscheint nicht auf einmal, sondern besser verträglich über das Jahr verteilt.

Für den Freiberufler sehe ich ebenso Vorteile. Man kann zeitlich besser disponieren, hat regelmäßige Einnahmen, stärkt im Idealfall die Kundenbindung. Die wird sozusagen „selbstverständlich“ und ist nicht die Ausnahme wie bei einer lediglich projektweisen Zusammenarbeit. Eine Kontinuität in der Kundenbeziehung dürfte die meisten Freiberufler sehr motivieren, sich gut um den Stammkunden zu kümmern.

Umsatz und Risiko bei Abonnements

Bei vielen Abonnements sind die Umsätze kleiner, denn sie kommen regelmäßig. Auf der anderen Seite ist die Kundenbeziehung permanent aktiv – das bringt Verpflichtungen mit sich. Deren Dauer ist bei Abo-Modellen nicht auf eine eng begrenzte Projektphase begrenzt. Heißt in meinen Augen: Freiberufler, die Abo-Modelle anbieten, müssen ganz schön aufpassen – steigt die Zahl der Abo-Kunden, so droht schnell die Gefahr der Verzettelung. Pflichtverletzungen können die Folge sein. Hier muss man als Freiberufler darauf achten, dass man die Fülle von Verpflichtungen und Risiken korrekt abschätzt, die man automatisch eingeht.

Denn ein Abo-Kunde erwartet guten Service an 365 Tagen im Jahr. Was ist, wenn wir als Freiberufler parallel plötzlich ein großes, zeitlich anspruchsvolles Projekt übernehmen? Was, wenn wir in den Urlaub fahren möchten und denken „wird schon nebenher klappen“? Oder wenn wir von Erkältung, Unfall, Überschwemmung oder sonstigem Unheil überrascht werden? Das muss alles vorab bedacht werden – bei jeder Form der Freiberuflichkeit, aber bei Abo-Modellen ganz besonders sorgfältig.

Bei aller Vorteilhaftigkeit, die Abo-Modelle haben, bringen sie meines Erachtens spezielle Risiken mit sich. Durch die permanente Verpflichtung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass in der Zusammenarbeit mit Kunden etwas passiert, was zu Schadenersatzforderungen führen könnte.

Wenn ich nun mein Freiberufler-Geschäftsmodell auf viele Kunden mit jeweils wenig Umsatz aufbaue, dann ist mein Risiko mit steigender Kundenzahl unter Umständen höher als zuvor. Das wird bereits ab dem ersten Abo-Kunden relevant. Gerade in der Anfangszeit sollte man verstärkt Wert darauf legen, sich abzusichern. Denn auch wenn ich nur wenig Umsatz habe, können die Forderungen zum Schadenersatz exorbitant hoch werden.

Realitäts-Check ist wichtig für Freiberufler

Freiberufler Versicherungen muss man prüfen

So wie man beim Auto und auch im privaten Bereich eine Haftpflichtversicherung zur Absicherung von Schäden Dritter hat, sollte an eine berufliche Absicherung ab dem ersten Gründungstag gedacht werden. Sobald das „Risiko Kunde“ auf dem Plan steht, nimmt man sich am besten die Zeit und schaut sich auf dem Versicherungsmarkt um. Hilfe zur Bedeutung der Versicherungsbezeichnungen gibt es hier: Betriebshaftpflicht oder Berufshaftpflicht? Oder beides?

Gründer, Startups, aber auch langjährige Freiberufler mit – anfangs oder regelmäßig – nur kleinen Umsätzen sollten unbedingt versichert sein. Nur so lässt sich das Risiko, zu Schadenersatz „verdonnert“ zu werden, im Griff behalten. Denn Forderungen wegen Fehlern oder Pflichtverletzungen können durchaus Höhen von mehreren Monats- oder gar Jahresumsätzen erreichen. Das stemmt kein Freiberufler aus (oft nur überschaubaren) Rücklagen.

Das Argument, dass die Zeit für Versicherungsthemen fehlt, verstehe ich. Doch Vieles kann man heute bereits direkt online abschließen. Da lohnt ein Blick in meinen Artikel zum Online-Abschluss; konkrete Tipps gibt es am Ende, unter dem Punkt: Diese Versicherungen sind bei Hiscox direkt online abschließbar.

Bei vielen Freiberuflern (Rechtsanwälten, Steuerberatern, Versicherungsvermittlern, …) ist eine Berufshaftpflicht obligatorisch. Aus gutem Grund, denn das Risiko ist stets präsent. Vielen anderen Freiberuflern ist der Abschluss freigestellt. Diese Wahlfreiheit sollte man jedoch nicht als Freibrief zum „Nichthaben“ verstehen. Jeder sollte sein Risiko selbst und verantwortlich abschätzen und sich dann vernünftig entscheiden können.

Das böse Wort Insolvenz schwebt schnell über einem Freiberufler, wenn eine geschäftliche Forderung nach Schadenersatz nicht aus den vorhandenen Mitteln beglichen werden kann. Man sollte dafür sorgen, dass man das Risiko minimiert oder gar ausschließt. Mit der richtigen Versicherung, die die eigene Existenz schützt. Dann hat man auch unbeschwert Spaß daran, genau die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu genießen, die das Freiberuflertum mit sich bringt.

Nicole Y. JodeleitAutorin dieses Beitrags:

Nicole Y. Jodeleit ist Freiberuflerin für Online-Kommunikation und schreibt auf verschiedenen Corporate Blogs über unterschiedliche Themen. Auf dem eigenen Blog Auto-Diva hat sie ihr Interesse für Autos und Technik zur Passion gemacht.