Der Zweitjob liegt im Trend. Immer mehr Arbeitnehmer gehen einer weiteren Tätigkeit nach, etwa um eine Erwerbsquelle nebenbei anzuzapfen oder den Sprung in die komplette Selbständigkeit vorzubereiten. Hier einige grundsätzliche Hinweise, was es bei einer nebenberuflichen Tätigkeit zu beachten gilt:

Was sagt der Arbeitgeber?

Grundsätzlich darf ihr Arbeitgeber Ihnen eine nebenberufliche Tätigkeit nicht untersagen. Entsprechende Passagen im Arbeitsvertrag sind nichtig. Allerdings gibt es zwei wichtige Punkte zu beachten:

  1. Sie dürfen ihrem Arbeitgeber keine Konkurrenz machen: Wenn Sie beispielsweise in einer Agentur für Webdesign beschäftigt sind, dürfen Sie nicht in ihrer Freizeit gegen Geld Webseiten bauen. Vielleicht überlässt ihr Arbeitgeber ihnen jedoch Aufträge, die für ihn selbst viel zu klein sind.
  1. Sie schulden ihre Arbeitskraft dem Arbeitgeber: Falls Sie jeden Tag nach Feierabend noch bis zwei Uhr nachts kellnern gehen, wird darunter zwangsläufig der Hauptjob leiden. Als Kopfarbeiter werden Sie sich zumindest körperlich nicht auspowern und das Problem stellt sich in dieser Form nicht.

Grundsätzlich sollten Sie jedoch beachten, dass laut Arbeitszeitgesetz normalerweise acht Stunden Arbeit an sechs Wochentagen erlaubt sind. Bei einem 40-Stunden-Job bleiben Ihnen also acht Stunden pro Woche, in denen Sie nebenberuflich tätig sein dürfen. Falls es mehr Stunden sind, verletzten Sie im Grunde genommen ihren Arbeitsvertrag.

Das Finanzamt ruft

Natürlich interessiert sich besonders das Finanzamt für ihr Treiben. Fordern Sie dort den Vordruck „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ aus. Diesen erhalten Sie automatisch, sofern Sie ein Gewerbe angemeldet haben. In diesem Formular haben Sie auch die die Möglichkeit zu wählen, ob Sie Umsatzsteuer erheben wollen, oder nicht.

Freiberuflich oder nicht

Sobald Sie bei Ihrem zuständigen Amt ein Gewerbe angemeldet haben, meldet sich bei innerhalb kürzester Zeit die Handwerkskammer (HWK) oder die Industrie- und Handelskammer (IHK). Um die Zwangsmitgliedschaft bei der jeweils zuständigen Interessenvertretung kommen Sie als auch als nebenberuflich Gewerbetreibender nicht herum. Immerhin ist bei vielen Kammern der Mitgliedsbeitrag in den ersten Jahren reduziert.

Vielleicht gehören Sie jedoch auch zu den Freiberuflern. Wer dieses Privileg – keine IHK oder HWK-Mitgliedschaft, keine Gewerbesteuer – in Anspruch nehmen darf, ist in § 18 EStG eher schwammig geregelt1. Dort finden Sie Berufe wie Journalisten, Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten oder Steuerberater. „Modernere“ Berufe wie Designer, Entwickler und IT-Berater sind dort nicht aufgelistet. In der Regel wird bei diesen jedoch von einer gewerblichen Tätigkeit ausgegangen2.

Umsatzsteuer oder nicht?

Bis zu einem Umsatz von 17.500 Euro im Vorjahr und 50.000 im aktuellen Jahr haben Sie die Wahl, ob Sie Umsatzsteuer erheben wollen – und natürlich auch abführen müssen – oder darauf verzichten. Beim Verzicht nehmen Sie die Kleinunternehmerregelung für sich in Anspruch und kreuzen den entsprechenden Punkt bei der oben beschriebenen Meldung für das Finanzamt an3. Diese Wahl gilt für die nächsten fünf Jahre und sollte deshalb wohlüberlegt geschehen. Die einbehaltene Umsatzsteuer muss – je nach Höhe – monatlich, vierteljährlich oder jährlich an das Finanzamt gemeldet und abgeführt werden. Sie können die auf Ihren Rechnungen ausgewiesene und eingenommene Umsatzsteuer jedoch mit der ausgegebenen Umsatzsteuer verrechnen. Dieser Vorteil überwiegt in vielen Fällen den Nachteil des erhöhten Bürokratieaufwands. 

Versicherung

Ihre private Haftpflichtversicherung wird kaum für Schäden aufkommen, die Sie als Selbständiger verursachen, daher ist es sinnvoll für den Nebenberuf eine Berufshaftpflicht abzuschließen, die nicht teurer ist als eine Monatsflatrate fürs Handy. Egal ob Sie als IT-Dienstleister, Designer, Fotograf oder Berater arbeiten: Missgeschicke passieren und finanzielle Schadenerstatzforderungen der Gegenseite oder Ihres Kunden können schenll existenzbedrohend sein, vor allem wenn Sie nur einen Haupkunden haben. Berufsspezifische Risiken, wie die Verletzung von Schutz- und Urheberrechten, Persönlichkeitsrechten, Geheimhaltungspflichten, Fehlberatung oder ungewollte Virenübertragung im Bereich IT oder Fehlberatungen und Fehlsteuerung von Projekten bei Marketing- und Werbeagenturen können mit dem richtigen Schutz abgesichert werden. Auf dieser Seite finden Sie eine Reihe von maßgeschneiderten Berufshaftpflichtversicherungen für weitere Berufsgruppen, die nebenberuflich genauso abschließbar sind.

[1] Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, Einkommensteuergesetz (EStG), http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__18.html

[2] Kopp K. 2011, Webdesigner, Webentwickler, Programmierer: Gewerbe oder freier Beruf? Digitalrecht.net, http://www.digitalrecht.net/2011/04/webdesigner-webentwickler-programmierer-gewerbe-oder-freier-beruf/comment-page-1/

[3] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Sog. Kleinunternehmerregelung, http://www.existenzgruender.de/DE/Weg-in-die-Selbstaendigkeit/Vorbereitung/Gruendungswissen/Steuern/Kleinunternehmerregelung/inhalt.html