Die Möglichkeiten, dem eigenen Unternehmen als Manager:in, Geschäftsführer:in oder Vorstand:in große finanzielle Schäden zuzufügen, sind vielseitig, in ihrer Komplexität zunehmend und durch neue Gesetze und Regelungen ständigen Neuerungen unterworfen. Die Gefahr: Geschäftsführer:innen und andere Unternehmensleiter:innen haften bei Fehlern unbeschränkt und mit dem eigenen Privatvermögen. Wie die D&O-Versicherung hilft, dass berufliche Risiken nicht zur persönlichen Katastrophe werden, erklären wir Ihnen im Folgenden.

Wo liegt der Ursprung der D&O-Versicherung?

D&O_Versicherung_ Schutz für Manager

Die Abkürzung D&O steht für Directors & Officers. Ins Deutsche lässt sich die D&O-Versicherung also als Organ- und Managerhaftpflichtversicherung übersetzen. Sie ist eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung (Berufshaftpflichtversicherung) für Geschäftsführer, welche ihre Ursprünge im angloamerikanischen Rechtraum hat und dort bereits seit den 1970er Jahren eine Standardabsicherung darstellt. Da die Directors-and-Officers-Versicherung in Deutschland erst seit den 1980er Jahren angeboten wird, gehört sie hierzulande somit zu den relativ neuen Versicherungen unternehmerischer Risiken.

Für wen ist eine D&O-Versicherung sinnvoll?

Die Geschäftsführer:innen, Vorstände und Manager (im Folgenden Manager) haften u.a. nach §43 GmbH-Gesetz (GmbHG) bzw. nach §93 Aktien-Gesetz für Schäden, welche die Gesellschaft aufgrund einer Pflichtverletzung des bzw. der Manager erleidet.

Typische Manager-Pflichten sind u. a.:

  • Sorgfalts- und Treuepflichten (§43 GmbHG)
  • (Stamm-)Kapitalerhaltung (§30 Abs. 1 GmbHG)
  • Liquidität und Verschuldung („Insolvenzgründe“) permanent überwachen und bei Bedarf Insolvenzantragspflicht (§15a InsO)
  • Führung des Geschäftsbetriebs, Organisationspflichten und Risikomanagement um den Fortbestand der Gesellschaft nicht zu gefährden (dies meint auch den Abschluss von z.B. Berufs-, Betriebs- und Cyber-Versicherungen als Risikotransfer)
  • Pflichten gegenüber Finanzamt (u.a. steuerliche Haftung der Geschäftsführer gem. §34 AO), Krankenversicherung, Rentenversicherung, Agentur für Arbeit, usw.
  • Wahrnehmung der Interessen der Gesellschaft
  • Verschwiegenheit (Geschäftsgeheimnisse)
  • Buchführungspflicht/ Rechnungslegungspflicht (Bilanzierung, Steuererklärung, etc.)
  • Mitteilungspflichten/Handelsregister
  • Pflichten gegenüber Beschäftigten (z.B. Einhaltung vom Arbeitsschutz, Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), etc.)
  • Pflicht zur Einberufung der Gesellschafterversammlung
  • Kooperations-, Auskunfts- und Informationspflichten gegenüber den Gesellschaftern

Änderungen des Unternehmensumfelds, wie etwa die zunehmende Gefahr von Cyber-Vorfällen oder Pandemie-ähnliche Lagen (Corona), stellen das Management überdies vor laufend neue Herausforderungen. Sie bergen großes Potential für Fehlentscheidungen und können der Gesellschaft folglich enorme Schäden zufügen.

Die Haftung des einzelnen Managers wird umso mehr verschärft, als dass die Organmitglieder gesamtschuldnerisch und somit auch für das Fehlverhalten anderer Organmitglieder haftet. Da außerdem die Beweislast bei den Organmitgliedern und nicht beim Anspruchsteller selbst liegt, bewirkt bereits der Vorwurf einer Pflichtverletzung eine notwendige Verteidigung des Organmitglieds. Da nicht jede Entscheidung der Manager detailliert dokumentiert wird und da entsprechende Dokumente zum Zeitpunkt der Verteidigung für den Manager nicht verfügbar sein könnten (z.B. aufgrund Ausscheidens aus der Gesellschaft), wird die Verteidigung des Managers in der Praxis weiter erschwert.

Kann eine Entlastung nicht erbracht werden, haften die Manager persönlich, d.h. mit dem privaten Vermögen – abhängig von der verursachten Schadenhöhe kann ein Fehler somit schnell zu einer Privatinsolvenz führen.

Ansprüche gegen das Management können aus einem Außen- und einem Innenverhältnis resultieren – die möglichen Anspruchsteller unterscheiden sich entsprechend:

Innenverhältnis:

  • Gesellschafter
  • Beirat
  • Insolvenzverwalter

Außenverhältnis

  • Finanzamt
  • Gläubiger
  • Behörden
  • Kunden

Was deckt die D&O-Versicherung ab?

Die Versicherung für Geschäftsführer bietet Versicherungsschutz für versicherte Personen (u.a. Geschäftsführer und Vorstände, aber auch Prokuristen und leitende Angestellte), die wegen einer bei Ausübung der Leitungstätigkeiten begangenen Pflichtverletzung und aufgrund der o.g. gesetzlichen Haftpflichtbestimmungen für einen Vermögensschaden auf Schadenersatz in Anspruch genommen werden. Die Directors-and-Officers-Versicherung  leistet dabei Abwehr von unberechtigten Ansprüchen (passiver Rechtsschutz) sowie die Freistellung von berechtigten Ansprüchen (d.h. der Versicherer zahlt den Schadenersatz) und schützt somit das Privatvermögen des betroffenen Managers.

Beispiel: So hilft eine Versicherung für Geschäftsführer

Der Geschäftsführer eines Unternehmens schließt einen langfristig angelegten Leasing- und Wartungsvertrag mit einem IT-Systemdienstleister. Als ein Jahr später gegen das Unternehmen das Insolvenzverfahren eröffnet wird, werden die Verträge analog Insolvenzordnung (§ 109 InsO) gekündigt. Der IT-Systemdienstleister fordert Schadenersatz und argumentiert, dass der Geschäftsführer die Überschuldung bereits bei Vertragsschluss gekannt, aber nicht mitgeteilt habe – mit dieser Information hätte der Dienstleister den Vertrag nicht geschlossen. Die D-und-O-Versicherung gewährt im Schadenfall passiven Rechtsschutz und hilft somit dem Geschäftsführer, die Schadenersatzforderung in Höhe von 140.000 Euro abzuwehren.

Sonderrolle Insolvenzverwalter

Der Insolvenzverwalter nimmt für die Haftung von Managern eine nicht zu vernachlässigender Rolle ein. Könnte dem Management seitens der Gesellschafter eine Inanspruchnahme erspart bleiben – z.B. aufgrund eines sehr guten und langjährigen Verhältnisses oder aufgrund Personalidentität zwischen Manager und Gesellschafter (Gesellschafter-Geschäftsführer) – geht bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens das Recht zur Verwaltung der Insolvenzmasse und des dazugehörigen Vermögens auf den Insolvenzverwalter über (§80a InsO). Dies hat regelmäßig eine Inanspruchnahme des Managements zur Folge – eine Verschonung des Managements wäre mit den Aufgaben und Pflichten des Insolvenzverwalters dagegen nicht vereinbar.

Besonderheiten der D&O-Versicherung

Anders als die andere Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen (Berufshaftpflichtversicherungen) basiert die D&O-Versicherung auf dem Anspruchserhebungsprinzip (engl. „Claims-Made“). Dieses definiert den Versicherungsfall als die erste schriftliche Inanspruchnahme einer versicherten Person. Folglich kommt es nicht auf den tatsächlichen Zeitpunkt der Pflichtverletzung an und es besteht somit auch für Pflichtverletzungen Versicherungsschutz, die vor dem Beginn des Versicherungsvertrag begangen wurden. Eine weitere Besonderheit ist die Personenverschiedenheit von Versicherungsnehmer und versicherter Person – Versicherungsnehmer und auch Prämienschuldner ist jeweils die Gesellschaft, während die Organe als versicherte Personen die Leistung aus dem Vertrag beziehen können (Versicherung für fremder Rechte).

Checkliste: Was zeichnet eine gute D&O-Versicherung aus?

  • Unbegrenzte Nachmeldefrist von Ansprüchen
  • Keine Anrechnung von Abwehrkosten auf die Versicherungssumme
  • Abwehrkosten auch für Personen- und Sachschäden
  • Transparente Bedingungen
  • Wenige Ausschlüsse
  • Wiederauffüllung der Versicherungssumme
  • Expertise im Underwriting und der Schadenbearbeitung
  • Optionen für Mehrfachmaximierung
  • Kombination mit Strafrechtsschutz

Wann sollte eine D&O-Versicherung abgeschlossen werden?

Wie alle anderen Deckungen auch sollte der Abschluss einer Directors-and-Officers-Versicherung möglichst frühzeitig getätigt werden. Neben jederzeit möglicherweise erhobenen Ansprüchen begründet sich dies jedoch außerdem in der Art der Risikoprüfung, die durch die D&O-Versicherer vor Vertragsschluss erfolgt. Diese zielt regelmäßig nicht nur auf die ausgeübte Tätigkeiten, Mitarbeiteranzahl und Umsatz ab, sondern hat vielmehr das wirtschaftliche Fortbestehen des Unternehmens im Fokus der Prüfung. Entsprechend vorteilhaft ist ein Abschluss der Versicherung zu einem Zeitpunkt wirtschaftlicher Stärke.

Was kostet eine D&O-Versicherung?

Als Spezialversicherer bietet Hiscox für viele Unternehmen einen passgenauen Schutz, der sich schnell, komfortabel und direkt online  über Ihren Versicherungsmakler abschließen lässt. Im Schadenfall profitieren Sie von unserem außergewöhnlichen Schadenservice, den 99% unserer Kunden mit „sehr gut“ oder „gut“ bewerten (Umfrage 2020).

Sie sind auf der Suche nach einem Versicherungsmakler in Ihrer Nähe?Dann nutzen Sie unsere Maklersuche!

Sie sind Versicherungsmakler und wollen mehr zu unserer D-and-O-Versicherung wissen? In unserem Maklerportal finden Sie weitere Informationen rund um die Geschäftsführer-Haftpflichtversicherung.

Zum Maklerportal

Autor: Bastian Lutz

ist seit 2009 in der Versicherungsbranche und seit 2018 für Hiscox tätig. Als Underwriter für gewerbliche Risiken ist er besonders auf Cyber-, Technology- und D&O-Risiken spezialisiert. Für den Business Blog schreibt er unter anderem über die Herausforderungen der Digitalisierung für Unternehmen und erklärt, was genau hinter der D&O-Versicherung steckt.