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Welche Marketing-Leistungen haben das grĂ¶ĂŸte Haftungsrisiko?

Eine fehlende Bildlizenz oder ein nicht funktionierendes Kontaktformular können Schadenersatzforderungen auslösen. Entscheidend ist dabei weniger die Berufsbezeichnung als die konkrete Verantwortung, die Freelancer oder Agenturen im Projekt ĂŒbernehmen.

Besonders haftungsrelevant sind Leistungen, die Budgets, technische Systeme, Veröffentlichungen oder den GeschÀftserfolg des Kunden unmittelbar beeinflussen.

Von Marc Thamm

15 Min. Lesezeit04.09.2026
Media-Haftpflichtversicherung von Hiscox: Kreative arbeiten zusammen

Kurz zusammengefasst:

  • Thema: Haftungsrisiken verschiedener Marketing-Leistungen
  • Relevante Faktoren: Verantwortung fĂŒr Budgets, Veröffentlichungen, Technik, Rechte und strategische Entscheidungen
  • Ziel: Das eigene Leistungsportfolio realistisch einschĂ€tzen und typische Haftungsquellen erkennen
  • Orientierung: Je direkter eine Leistung Umsatz, Systeme oder die öffentliche Wahrnehmung des Kunden beeinflusst, desto grĂ¶ĂŸer kann das Haftungsrisiko sein.

Wovon hÀngt das Haftungsrisiko einer Marketing-Leistung ab?

Das Haftungsrisiko hÀngt vor allem davon ab, wie stark eine Marketing-Leistung in Entscheidungen, Budgets, Veröffentlichungen, technische Systeme oder den GeschÀftserfolg des Kunden eingreift.

Verantwortung fĂŒr Entscheidungen und Budgets

Je mehr Verantwortung eine Agentur oder ein Freelancer ĂŒbernimmt, desto grĂ¶ĂŸer kann das Haftungsrisiko werden. Das gilt besonders, wenn Sie selbststĂ€ndig:

  • Kampagnenbudgets steuern
  • Zielgruppen auswĂ€hlen
  • Gebote und Ausspielungsstrategien festlegen, etwa bei Google Ads oder Microsoft Ads
  • strategische Empfehlungen aussprechen

Ein Unterschied besteht zum Beispiel zwischen der reinen Gestaltung einer Anzeige und der vollstĂ€ndigen Steuerung einer Performance-Kampagne. Mit der Verantwortung fĂŒr Strategie, Budget und Optimierung steigt in der Regel auch das Haftungsrisiko.

Wer eine Agentur neu aufbaut, sollte Haftungsrisiken von Anfang an in die geschĂ€ftliche Planung einbeziehen. Welche rechtlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Fragen dabei zusĂ€tzlich relevant sind, zeigt der Beitrag „Agentur grĂŒnden: Welche Risiken kommen auf mich zu?“

Einfluss auf Umsatz und GeschÀftsbetrieb

Marketing-Leistungen können direkt in den GeschÀftserfolg eines Kunden eingreifen. Das betrifft etwa SEO, SEA, E-Mail-Marketing, Website-Relaunches oder Conversion-Optimierung.

FĂŒhrt eine fehlerhafte Umsetzung dazu, dass dem Kunden Umsatz entgeht, kann er den daraus entstandenen finanziellen Schaden geltend machen. Entscheidend ist deshalb, welchen Einfluss die Leistung auf Vertrieb, Umsatz oder betriebliche AblĂ€ufe hat.

Veröffentlichungs- und Rechtsrisiken

Sobald Inhalte veröffentlicht werden, entstehen zusĂ€tzliche rechtliche Anforderungen. Texte, Bilder, Videos, Logos, Musik oder Marken dĂŒrfen nur im vereinbarten und rechtlich zulĂ€ssigen Umfang verwendet werden.

Infografik zu typischen Risikofeldern im Marketing und in der Werbung: Urheberrechte, Markenrechte, Persönlichkeitsrechte, Bildrechte, Lizenzbedingungen sowie Pflichtangaben und Werbeaussagen.

Je stĂ€rker eine Leistung mit Veröffentlichung, Reichweite oder öffentlicher Wahrnehmung verbunden ist, desto sorgfĂ€ltiger mĂŒssen Rechte, Freigaben und Quellen geprĂŒft werden.

Technische Eingriffe und AbhÀngigkeiten

Auch der technische Umfang einer Leistung beeinflusst das Haftungsrisiko. Wer nicht nur gestaltet, sondern direkt in Websites, Shops, Tracking oder andere Systeme eingreift, ĂŒbernimmt mehr Verantwortung fĂŒr deren Funktion, weil Fehler unmittelbar zu AusfĂ€llen, Datenproblemen oder fehlerhaften AblĂ€ufen fĂŒhren können.

FĂŒr die Risikoeinordnung zĂ€hlt deshalb nicht nur, welche Leistung angeboten wird. Entscheidend ist, welche Verantwortung damit verbunden ist und welche Folgen ein Fehler fĂŒr den Kunden haben kann.

Marc Thamm, Product Head Technology & General Liability bei Hiscox
Eine realistische EinschĂ€tzung des eigenen Leistungsportfolios schafft die Grundlage fĂŒr einen passenden Versicherungsschutz. Entscheidend ist, welche Leistungen Sie tatsĂ€chlich anbieten und welche Verantwortung Sie dabei ĂŒbernehmen. Nutzen Sie unsere Checkliste in diesem Beitrag. In wenigen Minuten erhalten Sie eine erste EinschĂ€tzung, welche Leistungen in Ihrem Portfolio mit einem erhöhten Haftungsrisiko verbunden sind.
Marc ThammProduct Head Technology & General Liability

Welche Risiken entstehen bei SEO, SEA und Performance Marketing?

SEO, SEA und Performance Marketing können VermögensschÀden verursachen, wenn Fehler Sichtbarkeit, Werbebudgets, Leads oder Umsatz des Kunden beeintrÀchtigen. Besonders relevant sind Leistungen, bei denen Agenturen oder Freelancer Kampagnen aktiv steuern und messbare GeschÀftsergebnisse beeinflussen.

SEO: Fehler beeintrÀchtigen Sichtbarkeit und organischen Traffic

SEO-Maßnahmen greifen hĂ€ufig in URL-Strukturen, Weiterleitungen, interne Verlinkungen oder die Indexierung einer Website ein. Fehler können Rankings und die Auffindbarkeit wichtiger Seiten unmittelbar beeintrĂ€chtigen.

Praxisbeispiel: Bei einem Website-Relaunch richtet ein SEO-Freelancer die Weiterleitungen fehlerhaft ein. Zahlreiche Unterseiten sind nach dem Livegang nicht mehr erreichbar oder verlieren ihre Rankings in den Suchmaschinen.

Mögliche Folge: Der Kunde erhĂ€lt deutlich weniger organischen Traffic, verliert Anfragen und macht den daraus entstandenen Vermögensschaden gegenĂŒber dem Freelancer geltend.

SEA und Performance Marketing: Fehler belasten Budget und Kampagnenerfolg

SEA- und Performance-Kampagnen werden laufend anhand von Budgets, Gebotsstrategien, Zielgruppen und Conversion-Daten optimiert. Fehler wirken sich deshalb hÀufig unmittelbar auf Werbekosten, Reichweite und Kampagnenerfolg aus.

Praxisbeispiel: Eine Agentur hinterlegt bei einer Google-Ads-Kampagne fehlerhafte Gebots- und Zielgruppeneinstellungen. Das Tagesbudget wird innerhalb weniger Stunden verbraucht, ohne die gewĂŒnschten Interessenten zu erreichen.

Mögliche Folge: Das Werbebudget ist aufgebraucht, die Kampagnenziele werden deutlich verfehlt und der Kunde fordert Ersatz fĂŒr den entstandenen Vermögensschaden.

Affiliate- und Referral-Marketing: Fehler bei Tracking und VergĂŒtung

Beim Affiliate- und Referral-Marketing mĂŒssen Klicks, Leads oder KĂ€ufe eindeutig einem Vertriebspartner zugeordnet werden, damit Provisionen korrekt abgerechnet und ausgezahlt werden können. Fehler beim Tracking oder bei der Zuordnung von Conversions können zu fehlerhaften VergĂŒtungen und finanziellen SchĂ€den fĂŒhren.

Praxisbeispiel: Eine Agentur richtet ein Affiliate-Programm fĂŒr einen Onlineshop ein. Aufgrund einer fehlerhaften Tracking-Konfiguration werden zahlreiche VerkĂ€ufe mehreren Vertriebspartnern gleichzeitig zugeordnet. Dadurch werden Provisionen mehrfach abgerechnet und ausgezahlt.

Mögliche Folge: Dem Shopbetreiber entstehen VermögensschĂ€den durch fehlerhaft ausgezahlte Provisionen sowie den Aufwand fĂŒr die Korrektur der Abrechnung. Diese Kosten macht er gegenĂŒber der Agentur geltend.

SEO, SEA und Performance Marketing können VermögensschÀden verursachen, wenn Fehler Sichtbarkeit, Werbebudgets, Leads oder Umsatz des Kunden beeintrÀchtigen. Besonders relevant sind Leistungen, bei denen Agenturen oder Freelancer Kampagnen aktiv steuern und messbare GeschÀftsergebnisse beeinflussen.

SEO: Fehler beeintrÀchtigen Sichtbarkeit und organischen Traffic

SEO-Maßnahmen greifen hĂ€ufig in URL-Strukturen, Weiterleitungen, interne Verlinkungen oder die Indexierung einer Website ein. Fehler können Rankings und die Auffindbarkeit wichtiger Seiten unmittelbar beeintrĂ€chtigen.

Praxisbeispiel: Bei einem Website-Relaunch richtet ein SEO-Freelancer die Weiterleitungen fehlerhaft ein. Zahlreiche Unterseiten sind nach dem Livegang nicht mehr erreichbar oder verlieren ihre Rankings in den Suchmaschinen.

Mögliche Folge: Der Kunde erhĂ€lt deutlich weniger organischen Traffic, verliert Anfragen und macht den daraus entstandenen Vermögensschaden gegenĂŒber dem Freelancer geltend.

SEA und Performance Marketing: Fehler belasten Budget und Kampagnenerfolg

SEA- und Performance-Kampagnen werden laufend anhand von Budgets, Gebotsstrategien, Zielgruppen und Conversion-Daten optimiert. Fehler wirken sich deshalb hÀufig unmittelbar auf Werbekosten, Reichweite und Kampagnenerfolg aus.

Praxisbeispiel: Eine Agentur hinterlegt bei einer Google-Ads-Kampagne fehlerhafte Gebots- und Zielgruppeneinstellungen. Das Tagesbudget wird innerhalb weniger Stunden verbraucht, ohne die gewĂŒnschten Interessenten zu erreichen.

Mögliche Folge: Das Werbebudget ist aufgebraucht, die Kampagnenziele werden deutlich verfehlt und der Kunde fordert Ersatz fĂŒr den entstandenen Vermögensschaden.

Affiliate- und Referral-Marketing: Fehler bei Tracking und VergĂŒtung

Beim Affiliate- und Referral-Marketing mĂŒssen Klicks, Leads oder KĂ€ufe eindeutig einem Vertriebspartner zugeordnet werden, damit Provisionen korrekt abgerechnet und ausgezahlt werden können. Fehler beim Tracking oder bei der Zuordnung von Conversions können zu fehlerhaften VergĂŒtungen und finanziellen SchĂ€den fĂŒhren.

Praxisbeispiel: Eine Agentur richtet ein Affiliate-Programm fĂŒr einen Onlineshop ein. Aufgrund einer fehlerhaften Tracking-Konfiguration werden zahlreiche VerkĂ€ufe mehreren Vertriebspartnern gleichzeitig zugeordnet. Dadurch werden Provisionen mehrfach abgerechnet und ausgezahlt.

Mögliche Folge: Dem Shopbetreiber entstehen VermögensschĂ€den durch fehlerhaft ausgezahlte Provisionen sowie den Aufwand fĂŒr die Korrektur der Abrechnung. Diese Kosten macht er gegenĂŒber der Agentur geltend.

Passender Versicherungsschutz

Eine Berufshaftpflichtversicherung (Vermögensschadenhaftpflicht) deckt je nach Vertrag SchadenersatzansprĂŒche ab, wenn fehlerhafte SEO-Maßnahmen oder eine falsche Kampagnensteuerung zu Traffic-, Umsatz- oder Budgetverlusten fĂŒhren.

Welche Risiken bestehen bei Social Media, Content und Design?

Bei Social Media, Content und Design entstehen Haftungsrisiken vor allem durch Rechtsverletzungen, fehlerhafte Kennzeichnungen und unzureichend geregelte Nutzungsrechte. Dokumentierte Freigaben helfen zusÀtzlich, Verantwortlichkeiten im Projekt nachvollziehbar festzuhalten.

Social Media, Content und Design: Rechte und Freigaben sorgfĂ€ltig prĂŒfen

Social Media Freelancer, Content Marketing Freelancer und Designer erstellen oder veröffentlichen Inhalte, die Urheberrechte, Markenrechte, Bildrechte oder Persönlichkeitsrechte berĂŒhren können. Auch die Werbekennzeichnung und der vereinbarte Nutzungsumfang mĂŒssen zum jeweiligen Einsatz passen.

ZusĂ€tzliche Fragen entstehen, wenn Texte, Bilder oder Designs mithilfe generativer KI erstellt werden. Welche Haftungsrisiken bei ChatGPT, Midjourney und automatisierter Content-Erstellung zu beachten sind, zeigt der Beitrag „KI im Agenturalltag“.

Praxisbeispiel: Eine Agentur verwendet fĂŒr das Corporate Design eines Kunden eine lizenzpflichtige Illustration. Die erworbene Lizenz umfasst jedoch nicht alle vorgesehenen Medien.

Mögliche Folge: Der Rechteinhaber untersagt die weitere Nutzung und fordert Schadenersatz. Der Kunde muss bereits produzierte Werbemittel ĂŒberarbeiten und verlangt Ersatz der dadurch entstandenen Kosten.

Passender Versicherungsschutz

Eine Berufshaftpflichtversicherung kann je nach Vertrag SchadenersatzansprĂŒche absichern, die aus beruflichen Fehlern oder Rechtsverletzungen entstehen. Dazu können beispielsweise unzureichende Nutzungsrechte, eine fehlende Werbekennzeichnung oder fehlerhaft veröffentlichte Inhalte gehören.

Schon gewusst?

  • Barrierefreiheit

    Seit dem 28. Juni 2025 gelten fĂŒr viele digitale Produkte und Dienstleistungen neue gesetzliche Anforderungen an die Barrierefreiheit. Wer Websites, Onlineshops oder digitale Anwendungen entwickelt, sollte Barrierefreiheit deshalb bereits bei Konzeption und Umsetzung berĂŒcksichtigen. Fehler können nicht nur die Nutzerfreundlichkeit beeintrĂ€chtigen, sondern je nach Projekt auch rechtliche Risiken mit sich bringen. Mehr zum BarrierefreiheitsstĂ€rkungsgesetz (BFSG):

Welche Haftungsrisiken entstehen bei Foto- und Videoproduktionen?

Bei Foto- und Videoproduktionen stehen neben möglichen Rechtsverletzungen vor allem Personen- und SachschÀden im Mittelpunkt. Kabel, Stative, Beleuchtung und weiteres Equipment können am Set zu konkreten Gefahrenquellen werden.

Personen können verletzt und fremde Sachen beschÀdigt werden

Praxisbeispiel: Bei einem Videodreh stolpert ein Schauspieler ĂŒber ein von der Agentur nicht ausreichend gesichertes Kabel und verletzt sich. Beim Sturz wird zusĂ€tzlich ein gemieteter Monitor beschĂ€digt.

Mögliche Folge: Gegen die Agentur werden AnsprĂŒche wegen Behandlungskosten, Verdienstausfall und Schmerzensgeld geltend gemacht. ZusĂ€tzlich muss sie fĂŒr die Reparatur oder den Ersatz des beschĂ€digten Monitors aufkommen.

Passender Versicherungsschutz

Eine Betriebshaftpflichtversicherung kann je nach Vertrag AnsprĂŒche absichern, wenn bei einem Shooting oder Videodreh Personen verletzt oder fremde Sachen beschĂ€digt werden.

Welche Haftungsrisiken entstehen bei Webdesign, UX/UI und Marketingberatung?

Webdesign, UX/UI-Design und Marketingberatung können zu VermögensschĂ€den fĂŒhren, wenn technische Umsetzungen oder strategische Empfehlungen den GeschĂ€ftsbetrieb oder den wirtschaftlichen Erfolg eines Kunden beeintrĂ€chtigen. Je grĂ¶ĂŸer die Verantwortung fĂŒr Funktion, NutzerfĂŒhrung oder Entscheidungen ist, desto höher kann auch das Haftungsrisiko sein.

Webdesign und UX/UI: Fehler beeintrÀchtigen geschÀftskritische Funktionen

Web- und UX-Designer gestalten heute nicht nur OberflĂ€chen, sondern ĂŒbernehmen hĂ€ufig auch die technische Umsetzung von Formularen, Shops, Buchungssystemen oder anderen interaktiven Funktionen.

Praxisbeispiel: Eine Agentur bindet auf der Website eines Beratungsunternehmens ein Kontaktformular fehlerhaft ein. Die Anfragen werden zwar abgeschickt, erreichen die Unternehmensberatung jedoch nicht.

Mögliche Folge: Dem Kunden entgehen mehrere konkrete AuftrĂ€ge. Er macht den daraus entstandenen Vermögensschaden gegenĂŒber der Agentur geltend.

Marketingberatung: Fehlerhafte Empfehlungen haben wirtschaftliche Folgen

Marketingberater beeinflussen unter anderem die Auswahl von KanĂ€len, Budgets, Zielgruppen oder Kampagnenstrategien. Fehlentscheidungen können deshalb unmittelbare finanzielle Auswirkungen fĂŒr den Kunden haben.

Praxisbeispiel: Eine Agentur empfiehlt auf Grundlage unvollstĂ€ndiger Daten, das gesamte Werbebudget in einen neuen Marketingkanal zu verlagern. Die Kampagne bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurĂŒck.

Mögliche Folge: Der Kunde macht geltend, dass ihm durch die fehlerhafte Beratung ein finanzieller Schaden entstanden ist, und fordert Schadenersatz.

Passender Versicherungsschutz

FĂŒr VermögensschĂ€den aus beruflichen Fehlern kommt grundsĂ€tzlich eine Berufshaftpflichtversicherung in Betracht. Je nach Versicherungsvertrag kann sie beispielsweise SchadenersatzansprĂŒche aus einer fehlerhaften technischen Umsetzung oder einer fehlerhaften Beratungsleistung abdecken.

Wie unterschiedlich solche Forderungen in der Praxis ausfallen können, zeigen weitere typische SchadenfÀlle aus Agenturen, Marketing und Kreativberufen.

Wie können Freelancer und Agenturen Haftungsrisiken reduzieren?

Viele Haftungsrisiken entstehen, weil Verantwortlichkeiten, Freigaben oder LeistungsumfÀnge nicht eindeutig geregelt sind. Mit klaren Prozessen können Sie typische Risiken bereits im Projektalltag deutlich reduzieren.

RisikobereichEmpfehlung fĂŒr die Praxis
LeistungsumfangLegen Sie schriftlich fest, welche Leistungen Sie ĂŒbernehmen und wo Ihre Verantwortung endet.
FreigabenDokumentieren Sie Kundenfreigaben, BudgetÀnderungen, Kampagneneinstellungen und wichtige Entscheidungen.
Rechte und LizenzenPrĂŒfen Sie Bilder, Videos, Schriften, Marken, Musik und Texte vor jeder Veröffentlichung auf Nutzungsrechte und Lizenzumfang.
Technische UmsetzungTesten Sie Websites, Formulare, Shops, Tracking und Schnittstellen vor dem Livegang und legen Sie die finale Freigabe eindeutig fest.

Wie risikoreich ist Ihr Leistungsportfolio?

Die Checkliste zeigt, welche Merkmale auf ein erhöhtes Haftungsrisiko hindeuten. Entscheidend ist dabei nicht nur die Anzahl der Ja-Antworten, sondern auch die mögliche Schadenhöhe einzelner Leistungen.

Checkliste zur SelbsteinschÀtzung

Je mehr der folgenden Aussagen auf Ihr Leistungsangebot zutreffen, desto vielfÀltiger sind in der Regel auch Ihre Haftungsrisiken. Die Checkliste ersetzt keine individuelle Risikoanalyse.

FrageJaNein
Ich steuere Werbebudgets oder Performance-Kampagnen.☐ ☐ 
Ich ĂŒbernehme SEO- oder SEA-Maßnahmen.☐ ☐ 
Ich veröffentliche Inhalte im Namen meiner Kunden.☐ ☐ 
Ich arbeite mit Bildern, Videos, Musik, Schriften oder Marken Dritter.☐ ☐ 
Ich entwickle Logos, Corporate Designs oder andere kreative Konzepte.☐ ☐ 
Ich setze Websites, Shops, Formulare oder Tracking technisch um.☐ ☐ 
Ich berate Kunden strategisch oder spreche Handlungsempfehlungen aus.☐ ☐ 
Ich arbeite mit personenbezogenen Daten oder KundenzugÀngen.☐ ☐ 
Ich beauftrage Freelancer oder externe Dienstleister.☐ ☐ 
Meine Leistungen haben direkten Einfluss auf Umsatz, Leads oder den GeschÀftserfolg meiner Kunden.☐ ☐ 

Erste Orientierung

  • Wenige Ja-Antworten: PrĂŒfen Sie besonders, welche mögliche Schadenhöhe mit den einzelnen Leistungen verbunden ist. 
  • Mehrere Ja-Antworten: Ihr Portfolio umfasst unterschiedliche Haftungsquellen. Klare ZustĂ€ndigkeiten und ein darauf abgestimmter Versicherungsschutz werden wichtiger. 
  • Viele Ja-Antworten: Sie ĂŒbernehmen in mehreren Bereichen direkte Verantwortung fĂŒr Budgets, Technik, Veröffentlichungen oder GeschĂ€ftsergebnisse. Eine regelmĂ€ĂŸige individuelle Risikoanalyse ist sinnvoll. 

Welche Versicherungen passen zu unterschiedlichen Marketing-Leistungen?

Welcher Versicherungsschutz sinnvoll ist, hÀngt davon ab, ob Ihre Leistungen vor allem VermögensschÀden, Personen- und SachschÀden, Cyber-Risiken oder SchÀden an eigener Technik verursachen können.

Welche typischen Risiken sollten Sie absichern?

LeistungsprofilTypisches RisikoPassender Versicherungsschutz
SEO, SEA, Performance Marketing, BeratungFehler fĂŒhren zu Budget-, Traffic- oder UmsatzverlustenBerufshaftpflichtversicherung
Social Media, Content, Branding, GrafikdesignUrheber-, Marken-, Lizenz- oder Persönlichkeitsrechte werden verletztBerufshaftpflichtversicherung
Webdesign, UX/UI, technische UmsetzungFormulare, Shops oder andere Funktionen arbeiten fehlerhaftBerufshaftpflichtversicherung
Foto- und VideoproduktionenPersonen werden verletzt oder fremdes Eigentum wird beschÀdigtBetriebshaftpflichtversicherung
Arbeit mit CMS, Plattformen, Kundendaten und ZugÀngenHackerangriff, Schadsoftware, kompromittierte ZugÀnge oder DatenverlustCyber-Versicherung
Arbeit mit Laptops, Kameras und weiterer TechnikEigene GerĂ€te werden beschĂ€digt, zerstört oder gestohlenElektronik- und BĂŒroinhaltsversicherung

Welche Faktoren Agenturen bei der Wahl ihrer Versicherungssumme berĂŒcksichtigen sollten, erklĂ€rt der separate Beitrag zur Versicherungssumme fĂŒr Agenturen.

Passt Ihr Versicherungsschutz zu Ihren Leistungen?

Das Leistungsportfolio vieler Agenturen verĂ€ndert sich mit der Zeit. Aus reiner Gestaltung kommen beispielsweise Kampagnensteuerung, Beratung, Webentwicklung oder der Umgang mit KundenzugĂ€ngen hinzu. PrĂŒfen Sie deshalb regelmĂ€ĂŸig, ob alle tatsĂ€chlich angebotenen TĂ€tigkeiten in Ihrem Versicherungsschutz berĂŒcksichtigt sind.

Fazit: Wovon hÀngt das Haftungsrisiko im Marketing ab?

Das Haftungsrisiko richtet sich nach der konkreten Leistung und der Verantwortung, die Sie im Projekt ĂŒbernehmen. Wer Budgets steuert, technische Systeme verĂ€ndert, Inhalte veröffentlicht oder strategische Empfehlungen ausspricht, kann den GeschĂ€ftserfolg des Kunden unmittelbar beeinflussen.

Je grĂ¶ĂŸer Ihr Einfluss auf Entscheidungen, Budgets, technische Systeme oder veröffentlichte Inhalte ist, desto wichtiger werden klare Prozesse und ein Versicherungsschutz, der zu Ihrem tatsĂ€chlichen Leistungsportfolio passt. Wer sein eigenes Risikoprofil kennt, kann Projekte sicherer kalkulieren und Haftungsrisiken gezielt reduzieren.

HĂ€ufige Fragen zu Haftungsrisiken bei Marketing-Leistungen

SchĂŒtzt eine Kundenfreigabe die Agentur vor HaftungsansprĂŒchen?

Eine Kundenfreigabe dokumentiert, dass der Kunde eine bestimmte Version, Veröffentlichung oder Budgetentscheidung kannte. Sie schließt eine Haftung jedoch nicht automatisch aus. Wichtig ist, dass eindeutig erkennbar ist, was freigegeben wurde, wann die Freigabe erfolgte und ob die Agentur auf erkennbare Risiken hingewiesen hat.

Wer haftet fĂŒr vom Kunden bereitgestellte Bilder und Texte?

Das hĂ€ngt von der vertraglichen Aufgabenverteilung ab. Agenturen sollten schriftlich festhalten, ob der Kunde die erforderlichen Nutzungsrechte garantiert oder ob die Agentur selbst eine rechtliche beziehungsweise lizenzbezogene PrĂŒfung ĂŒbernimmt. Unklare ZustĂ€ndigkeiten können dazu fĂŒhren, dass beide Seiten in eine Auseinandersetzung einbezogen werden.

Haftet eine Agentur fĂŒr den ausbleibenden Erfolg einer Kampagne?

Ein bestimmter wirtschaftlicher Erfolg ist grundsÀtzlich nicht automatisch geschuldet. Kritisch wird es, wenn konkrete Ergebnisse zugesichert wurden, fachliche Standards nicht eingehalten wurden oder die Kampagne aufgrund nachweisbarer Fehler ihr Ziel verfehlt. VertrÀge sollten daher klar zwischen geschuldeter Leistung und unverbindlicher Prognose unterscheiden.

Kann ein verlorenes Google-Ranking einen Schadenersatzanspruch auslösen?

Ja, insbesondere wenn ein nachweisbarer SEO-Fehler zu erheblichen Sichtbarkeits-, Anfrage- oder Umsatzverlusten fĂŒhrt. Der Kunde muss jedoch darlegen, dass der Fehler fĂŒr den geltend gemachten Schaden ursĂ€chlich war. Diese Abgrenzung kann anspruchsvoll sein, weil zahlreiche externe Faktoren die Entwicklung eines Rankings beeinflussen.

Wer trÀgt das Risiko bei einem fehlerhaft eingestellten Werbebudget?

Entscheidend sind Auftrag, Zugriffsrechte und Freigabeprozess. Steuert eine Agentur das Budget eigenstĂ€ndig und ĂŒberschreitet vereinbarte Grenzen, kann daraus ein Haftungsrisiko entstehen. Tages- und Gesamtbudgets, Änderungsbefugnisse sowie Benachrichtigungen bei ungewöhnlichen Ausgaben sollten deshalb verbindlich festgelegt werden.

Kann fehlerhaftes Tracking zu einer Haftung fĂŒhren?

Ja. Falsch eingerichtetes Tracking kann unbrauchbare Entscheidungsgrundlagen liefern oder datenschutzrechtliche Probleme verursachen. Trifft der Kunde auf Basis fehlerhafter Daten kostspielige Entscheidungen, können VermögensschĂ€den geltend gemacht werden. ZusĂ€tzlich sollte eindeutig geregelt sein, wer fĂŒr die technische Umsetzung und die rechtliche PrĂŒfung verantwortlich ist.

Wann wird aus Webdesign ein besonders hohes Haftungsrisiko?

Das Risiko steigt, sobald die Leistung ĂŒber die visuelle Gestaltung hinausgeht und geschĂ€ftskritische Funktionen umfasst. Dazu zĂ€hlen Shops, Buchungssysteme, Kontaktformulare, Zahlungsprozesse, Schnittstellen oder Tracking. Ein Fehler kann dann nicht nur die Darstellung, sondern unmittelbar Anfragen, Bestellungen oder betriebliche AblĂ€ufe beeintrĂ€chtigen.

Was sollten Agenturen bei Nutzungsrechten dokumentieren?

Dokumentiert werden sollten Rechteinhaber, Lizenzquelle, Lizenzumfang, Nutzungsdauer, vorgesehene Medien, Regionen sowie mögliche EinschrĂ€nkungen fĂŒr Werbung oder Social Media. Auch die Übertragung von Rechten an den Kunden sollte eindeutig geregelt sein. So lĂ€sst sich nachvollziehen, ob ein Inhalt fĂŒr den geplanten Einsatzzweck verwendet werden darf.

Marc Thamm, Product Head Technology & General Liability bei Hiscox

Autor: Marc Thamm, Product Head Technology & General Liability

Experte fĂŒr IT-Risiken & Versicherungslösungen fĂŒr die Digitalwirtschaft

Marc Thamm ist seit 1992 in der Versicherungsbranche – seit 2004 mit Fokus auf IT-Risiken – tĂ€tig. Er arbeitet seit 2013 bei Hiscox. Als Product Head Technology & General Liability bei Hiscox entwickelt er Versicherungslösungen fĂŒr die IT-, Media- und weitere Branchen der Digitalwirtschaft. Im Bereich Business Tipps & Insights schreibt er unter anderem ĂŒber das spannende Thema Projekt-Risiken.