Wenn Guy Kawasaki eine Empfehlung für den Startup Pitch gibt, dann ist da etwas dran. Kawasaki ist Buch-Autor, Unternehmer und Risikokapitalgeber. Außerdem Evangelist beim Designprogramm Canva und Sprecher. Er hält um die 50 Keynotes pro Jahr. An Erfahrung mangelt es ihm nicht; diese gibt er gern weiter. Er sagt:

Für den Startup Pitch reichen 10 Folien

Ich höre schon die Startups, die jammern, dass das doch viel zu wenig wäre. Man muss doch so viel wie möglich an Info in die kurze Zeit hineinpacken. Nein! Muss man nicht. Die wichtigen Punkte sollte man unbedingt komprimiert und interessant vortragen können. Ob bei einem öffentlichen Wettbewerb oder bei einem Pitch: Die Kernpunkte sind entscheidend und in der passenden Kürze liegt die spannende Würze!
Bei ernsthaftem Interesse an einem Startup zwecks einer Beteiligung oder ähnlichem, werden sich weitere detailliertere Fragen ergeben, doch diese kommen meistens persönlich nach dem Pitch.

1. Folie: Titel vom Startup

Der Produktname sowie der Firmenname – falls nicht identisch. Das Publikum möchte gern wissen, um was es geht, welche Firma präsentiert. Ich empfehle – falls der Produktname nicht selbstredend ist, noch eine erklärende Subline einzufügen.

Zum Beispiel:
Produktname – die Buchhaltungslösung für Selbstständige und Freiberufler.

Weiterhin sind auch schon hier Adresse, E-Mail und Telefonnummer sinnvoll zu platzieren sowie – ganz wichtig – wer hier präsentiert, also die Namen der Ansprechpartner, die auf der Bühne stehen. Schließlich möchte man – aus Publikumssicht – auch eine bestimmte Person auf der Bühne direkt mit Namen ansprechen können.

2. Folie: Problem / Herausforderung / Chance

Das Publikum auf die Reise mitnehmen, es nachvollziehbar machen. Was war der Ursprungsgedanke, wo kommt die Idee her, welches Problem möchte man lösen? Hier kann man sehr gut mit Emotionen arbeiten. Wie genervt man war, weil es noch keine Lösung für das eigene oder fremde Probleme gab. Wie froh man wäre, wenn es diese oder jene Lösung gäbe. Hier braucht man Präsentationstalente, die mit wenig Text auf der Folie und viel Engagement alles so beschreiben, dass das Publikum mit auf die Reise genommen wird.

3. Folie: Wertversprechen / Nützlichkeit /Mehrwert

Nachdem klar geworden ist, warum man eine Lösung braucht, die man hier präsentiert, sollte erklärt werden, warum die Leute das Produkt gern nutzen werden. Wo der Mehrwert liegt, wo es Unterscheidungen zu anderen Produkten liegt (die vielleicht schon auf dem Markt sind). Warum man am zukünftigen Produkt gar nicht mehr vorbeikommt, weil es so nützlich ist. Wie auch immer, es ist produktabhängig, aber eins sollte herauskommen: Das Publikum sollte vom Produkt nun überzeugt sein, warum es so wertvoll für den Markt ist.

4. Folie: Der Zauber des Produkts

Startup: Zauber des ProduktsNun geht es ans Produkt selber: Auf welcher Technologie basiert es? Welche (geheimen?) Zutaten oder Bestandteile beinhaltet es? Hier sind grafische Übersichten, Flußdiagramme und Schemazeichnungen angesagt. Der Text kommt vom Sprecher, die Bilder von der Folie. Ein anfassbarer Prototyp oder eine Demo (Video) wären ideal.

Glen Shire von Google sagte einmal: „Wenn ein Bild 1000 Worte wert ist, dann ist ein Prototyp 10.000 Folien wert.“

5. Folie: Geschäftsmodell

Bis hierhin war alles „bezaubernd“ zu gestalten, jetzt geht es um die Monetarisierung. Erklären Sie, warum das Geld der Investoren in Ihre Firma für dieses Produkt fließen soll. Das Stichwort ist hier: Empathie! Würden Sie selber in Ihre Firma investieren, wenn Sie mehr eigenes Geld hätten? Dann erklären Sie, warum Sie davon überzeugt sind.

6. Folie: Vermarktungsstrategie

Ein Produkt kann noch so schön sein, das allein reicht nicht aus. Das Produkt muss zum Käufer. Wer sich noch keine Gedanken über Marketing und Vertrieb gemacht hat, sollte das vor einem Pitch tun. Auch hier sind ein paar avisierte Zahlen sinnvoll, was das wohl kosten mag.

7. Folie: Mitbewerberanalyse

Hier ist ein umfassender und realistischer Blick nötig, um das eigene Produkt im Markt einschätzen zu können. Auch das überlässt man nicht dem Publikum, sondern informiert ausführlich, dass man den Blick über den eigenen Tellerrand verantwortungsbewusst getan hat.

8. Folie: Präsentation des Führungs- oder Kernteams

Nun wird es wieder menschlich: Wer macht was und ist wofür verantwortlich? Wer hat gegründet, wer ist dazugekommen und wer hat schon investiert? Hier kommt es übrigens nicht darauf an, ein perfektes Team zu präsentieren, sondern auch transparent Bedarf aufzuzeigen. Wenn alles schon laufen würde, müsste man schließlich nicht mehr pitchen.

9. Folie: Startup Finanzprognose und Kennzahlen

Eine Drei-Jahres-Prognose der Finanzen sollte man auf jeden Fall in der Tasche haben und diese nun zeigen können. Hier geht es nicht nur um Geld, hier sind auch Kennzahlen wichtig. Wieviel Käufer wird man voraussichtlich haben. Wieviele Interessenten sind nötig, damit ein Kauf zustande kommt – und vieles mehr. Dabei ist es für das Publikum verständlicher und nachvollziehbarer, wenn man aus vielen Punkten ein Ergebnis ableiten kann. Umgekehrt, eine Gesamtsumme zu nennen und dann erst herunter zu rechnen, kommt weniger gut an.

10. Folie: Aktueller Status, Entwicklungsstand, Zukunftsaussicht und Verwendung von Investorengeldern

Ein bisschen wie eine Schnell-Zusammenfassung, sollte der aktuelle Status hier nochmal – für mögliche Investoren – dargestellt werden. Wie wird es weiter gehen? Kurzfristig und langfristig? Was wird mit Investorengeldern erreicht, wie werden sie im Startup eingesetzt? Hier sollte man wiederum – sehr empathisch denkend – die Denke der Investoren berücksichtigen.

Hier die Infografik, die Guy Kawasaki veröffentlicht hat, von denen die obigen zehn Punkte abgeleitet wurden:

 

Nicole Y. JodeleitAutorin dieses Beitrags:

Nicole Y. Jodeleit ist Freiberuflerin für Online-Kommunikation und schreibt auf verschiedenen Corporate Blogs über unterschiedliche Themen. Auf dem eigenen Blog Auto-Diva hat sie ihr Interesse für Autos und Technik zur Passion gemacht.