Gesundheit, Erfolg, Bürokratie: Darum sorgen sich SelbstständigeWir hatten unsere Leserinnen und Leser gefragt: „Was ist Ihre größte Sorge oder Angst in Verbindung mit der Selbstständigkeit?“ Uns hat eine ganze Reihe sehr interessanter Antworten erreicht. Danke für’s Mitmachen! Unser Eindruck im Rahmen der Auswertung: Die Bandbreite der Sorgen und Ängste ist vielfältig. Jeder sieht die Selbstständigkeit und die Risiken aus einem anderen Blickwinkel. Im Folgenden teilen wir wie angekündigt einige der Umfrage-Antworten mit Ihnen.

Die größten Sorgen von Selbstständigen

Zunächst ein paar persönliche Gedanken zum Thema Sorgen in der Selbstständigkeit. Ich kann es kaum fassen: In diesem Herbst wird meine GmbH fünf. Der Gründung im Jahr 2011 waren jahrelange Überlegungen vorausgegangen. Ganz oft habe ich gezweifelt und mir Sorgen gemacht.

Der Gipfel war dann das Gespräch mit dem damaligen Steuerberater. Denn der ließ seinen Blick mit hochgezogenen Augenbrauen zunächst auf meine Honorar-Abrechnungen schweifen. Dann, langsam, wieder zu mir. Mir in die Augen schauend konstatierte er: “Sie müssen verrückt sein! So viel, wie Sie für Ihr Geld arbeiten. Wann schlafen Sie eigentlich?”

Als ich dem Steuerberater die Anekdote zehn Jahre später erzählte, konnte er sich nicht mehr an den Dialog erinnern. Er war ganz amüsiert über meinen Rückblick. Ich verkaufte mich nun nicht mehr unter Wert. Rückblickend muss ich sagen: Ich habe das Gründen nicht bereut. Doch nun zu den Antworten unserer Umfrage:

Spannende Geschichten zur Selbstständigkeit

Besonders gefreut hat uns, dass unter den Geschichten zur Selbstständigkeit die einer Rentnerin ist, die früher selbstständig war. Sie gibt uns ihre Erfahrungen und gute Tipps mit auf den Weg:

Selbstständigkeit ist nur was, wenn man keine Angst vor der Zukunft, vor Krankheit und plötzlicher Armut hat. Und am besten ist es natürlich, wenn man sich schon ein ordentliches Geldpolster geschaffen hat. Oder Geldgeber an der Seite hat, wenn es nicht so läuft. Man sollte sich vorher auch sehr gut auf die Selbstständigkeit vorbereiten und soviel Informationen einholen wie möglich. Und bitte, bitte denkt auch an die Rente.

In der Selbstständigkeit sollte man auch gut versichert sein gegen alle Eventualitäten und sich wirklich vorher fragen, ob man das auch gesundheitlich durchstehen kann. Selbstständigkeit hört sich sehr gut an, aber man ist ständig selbst vorne dran, auch wenn es nicht so läuft oder wenn etwas passiert. Auch ist es wichtig, sich über alle finanziellen Seiten gut zu informieren, und möglichst auch einen Steuerbescheid selbst erstellen können – auch wenn dann ein Steuerberater hinzugekommen wird.

Und was man von vornherein wissen muss: Man hat 24 Stunden am Tag Arbeit mit der eigenen Firma – es bleibt keine Zeit, sich mal richtig auszuruhen und zu entspannen. Man muss schon vorher wissen, was einem wichtig ist: der Job oder die Familie. Mit Familie geht es eigentlich nur, wenn diese vom ersten Tag an mitmacht.

Selbständigkeit hört sich super an, ist aber reine Knochenarbeit – mit nicht immer wirklich schönen Erfahrungen – Nein es ist reine Knochenarbeit, die sehr leicht zum Burnout führen kann. Trotzdem: Wer sich stark genug fühlt und es als seinen Lebensweg sieht: viel Glück und Erfolg
Gertrud V.

1. Finanzielle Sorgen von Selbstständigen

Das liebe Geld ist ein wichtiger Faktor. Das sagen auch Heike, Philipp und Denise:

Meine größte Sorge ist, dass ich ausfalle und dann niemand da ist, der übernimmt. Dann kommt kein Geld rein und was dann?
Heike L.

Nichtzahlende Kunden.
Philipp G.

Meine größte Sorge (neben den finanziellen Risiko) ist, dass ich eines Tages die Selbstständigkeit als Belastung ansehen könnte und sich herausstellt, dass der vermeintliche Traumberuf gar keiner ist. Ich finde wichtig, dass man Spaß bei der Arbeit hat und sie auch gern tut und es wäre wirklich schade, wenn die Arbeit eines Tages keinen Spaß mehr macht und man sie nur tut, weil man ja irgendwie Geld verdienen muss.
Denise K.

2. Zeitfaktor als Sorge

Wie auch schon Gertrud sagte, die Zeit ist meistens zu knapp, man arbeitet mehr als viele Angestellte:

Dass zu wenig Zeit für die Familie bleibt.
Christian R.

3. Angst vor Bürokratie der Selbstständigkeit

Als Selbstständiger muss man viele Dinge wissen, angefangen von der Buchhaltung bis zu den Steuererklärungen:

Das mit den Steuern nicht zu verstehen!
Paulina G.

4. Gesundheit als Unsicherheitsfaktor

Ein ganz wichtiger Punkt für alle Selbstständigen ist die Gesundheit:

Größere Krankheit die alle Pläne, Chancen – und ernsthafte Krankheit, die sämtliche Pläne und Chancen – nachhaltig verbaut.
Stefan B.

Habe keine Angst, und sorgen tue ich mich nur um meine Gesundheit.
Günther B.

5. Misserfolg als Sorge

Die Angst in der Selbsständigkeit zu scheitern ist da:

Am Ende wieder bei Null anfangen zu müssen.
Max S.

6. Rechtliche Auseinandersetzungen

Ansprüche Dritter und gerichtliche Auseinandersetzungen bereiten Selbstständigen ebenfalls Sorgen:

Die Befürchtung, wegen Fehlern oder technischer Probleme von einem Kunden verklagt zu werden.
Lorenz S.

Dass ich Urheber- oder Markenrechte verletze und deshalb abgemahnt oder verklagt werde.
Petra L.

Fazit: Ängste und Sorgen gehören dazu!

Wenn ich die Antworten so lese, finde ich mich darin wieder:

  • Die Sorge, seine wichtigsten Kunden zu verlieren. Manchmal ist es auch einfach die Angst, es nicht gebacken zu kriegen. Termine nicht zu halten, Kunden zu verärgern – und so weiter.
  • Die Sorge, aufgrund von Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten zu können und folglich kein Geld mehr zu verdienen.
  • Zweifel, ob die bei Selbstständigen besonders schwierige und wichtige Altersvorsorge ausreichend gesichert ist.
  • Die Befürchtung, dass ein schwerwiegender menschlicher oder auch technischer Fehler zu Schadenersatzansprüchen führt, die existenzielle Ausmaße annehmen. Deshalb habe ich auch eine Berufshaftplicht abgeschlossen.

Ich glaube, dass Unternehmer, die keinerlei Sorgen – und Ängste – haben, keine richtigen Unternehmer (mehr) sind. Nicht in meinem Sinne. Wer keine Angst hat, der braucht auch keinen Mut. Wer keinen Mut hat, kann sich die Angst ebenfalls sparen. Kann morgens gleich im Bett bleiben.

Also: Scheitern ist okay, das darf auch sein – und: Da sollte man sich keinen zu großen Kopf machen. Aber das hat nichts mit der wohldosierten, berechtigten Angst zu tun, die ich meine. Ich meine Angst, die mit Verantwortung zu tun hat und mit der Vorsicht, die sich daraus ableitet.

Bernhard Jodeleit

Autor dieses Beitrags:
Bernhard Jodeleit berät Unternehmen in Sachen Digitalstrategie, Content Marketing und Krisenkommunikation.