Joachim Althammer ist ein bekanntes Gesicht in der Oldtimer-Szene – in Berchtesgaden und weit über die Region hinaus: Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die historische Automobilkultur in Berchtesgaden zu fördern und organisiert die Benefiz-Rallye Edelweiß-Classic und das Roßfeldrennen. Im Interview erzählt Joachim Althammer von seiner Oldtimer-Leidenschaft und den Highlights des Roßfeldrennens.

Wie ist Ihre Leidenschaft für Oldtimer entstanden?

Joachim Althammer wirbt persönlich bei vielen Messen für das Roßfeldrennen. © Hiscox

Joachim Althammer: Meine Leidenschaft für Oldtimer ist aus einer gewissen finanziellen Not in meiner Jugend entstanden. Mit 18 Jahren war ich noch in der Ausbildung und habe einen uralten VW Käfer gefahren.

Während sich meine Freunde neue Autos gekauft haben, zum Beispiel einen BMW 1502 oder Audi 50, habe ich weiterhin meine alten Autos – damals schon Youngtimer – gefahren. Den Käfer von 1957 habe ich dann mit Weißwandreifen und einem passenden Dachträger, darauf alte Ski befestigt, ausgestattet. Damit hat die Oldtimer-Leidenschaft begonnen – kurz unterbrochen von meinen Motorrad-Zeiten.

Mit meiner Harley-Davidson hatte ich einen schweren Unfall, bei dem ich mein linkes Bein verloren habe. Somit habe ich mich wieder den alten Autos zugewandt und richtig losgegangen ist es dann Mitte der 1990er Jahre. Ich habe mir einen Oldtimer gekauft und war viel in der Szene unterwegs.

Was begeistert Sie besonders an automobilen Klassikern – der Fahrspaß? Oder schrauben Sie zum Beispiel gern?

Joachim Althammer: Mich begeistert die Technik, aber ich bin kein Schrauber. Ich kann grundlegende Dinge – etwas zerlegen oder beim Abschleifen helfen. Aber wenn es an´s Eingemachte geht, frage ich Freunde und befreundete Firmen, die mir helfen.

Lieber fahre ich mit meinen Oldtimern bei Rallyes und Rennen, Spaß machen auch die Veranstaltungen im Winter bei Schnee und Eis.

2002 bin ich als berufsunfähig anerkannt worden und habe meine Berufstätigkeit beendet. Durch meinen Unfall habe ich das Glück gehabt, jetzt das tun zu können, was mir Spaß macht: Ich organisiere leidenschaftlich gerne Oldtimer-Veranstaltungen oder helfe Bekannten mit der Organisation, angefangen von kleinen Bergrennen, Ausfahrten bis zu Busausflügen im Winter zu Museen. Ich lebe das Hobby richtig.

Sie sind Veranstalter der Edelweiß-Classic und des Roßfeldrennens. Wie kam es dazu?

Joachim Althammer: Zunächst habe mit der Organisation der Edelweiß-Classic begonnen. Die erste touristische Oldtimer-Rallye mit einem schönen Rahmenprogramm, ohne Zeitdruck, drei Tage lang und eine reine Benefiz-Veranstaltung. Durch die Erlöse sind im Landkreis schon viele Projekte für geistig Behinderte verwirklicht worden.

Hinzugekommen ist das Roßfeldrennen, welches 2013 zum ersten Mal stattgefunden hat. Hier haben wir eine gemeinnützige GmbH gegründet, deren Aufgabe es ist, sich um die historische Automobilkultur in Berchtesgaden zu kümmern. Jetzt steht das Roßfeldrennen direkt bevor und ich freue mich riesig über das diesjährige spannende Programm und Teilnehmerfeld – neue hochkarätige Rennwagen, mehr Vorkriegsmotorräder als je zuvor und auch bei den historischen Bussen gibt es wieder Neuigkeiten.

Welche weiteren Highlights gibt es beim Roßfeldrennen von 28. bis 30. September 2018?

Joachim Althammer: Das Besondere am Roßfeldrennen ist die Strecke – eine Traumkulisse und Herausforderung für die Fahrzeuge! Die Roßfeldpanoramastraße ist 16 Kilometer lang und führt mit einer maximal 13%igen Steigung den Berg hinauf. Sie ist die höchstgelegene Panoramastraße (der höchste Punkt liegt auf 1.560 m) und umrahmt von den Berchtesgadener Alpen, also von den Gipfeln des Hohen Gölls und Kehlsteins!

In diesem Jahr gehen rund 150 Oldtimer und 16 klassische Motorräder an den Start. 25 Oldtimer-Busse fahren als Shuttles für die Besucher die Roßfeldpanoramastraße hinauf. Das Starterfeld ist somit sehr abwechslungsreich! Und ich freue mich insbesondere auf den originalen VW Twin-Golf II „Pikes Peak“ von 1987 mit Motorsportlegende Jochi Kleint am Steuer! 

Gibt es ein Motto für das diesjährige Roßfeldrennen?

Joachim Althammer: Kein Motto, aber ein Thema. Der tragische Unfalltod von Lodovico Scarfiotti am 8. Juni 1968 beim Training zum 10. Alpen-Bergpreis am Roßfeld jährt sich zum 50. Mal. Daran zu erinnern, liegt mir persönlich am Herzen. So haben wir bereits 2012 eine Gedenktafel an der Unfallstelle enthüllt. Auch jetzt möchten wir dem Todesfall einen würdigen Platz einräumen: Wir erwarten Familienangehörige, Freunde und Fans aus Italien und zeigen im Fahrerlager und auf der Strecke mehrere originale Rennwagen aus der Karriere des bekannten italienischen Rennfahrers.

Sehr spannend wird auch das zweite Schwerpunktthema, nämlich die Frühzeit der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft. Legendäre Fahrer kämpften für ihre Werks- und Privatteams in seriennahen Tourenwagen um jeden Zentimeter auf der Straße. So werden etwa 12 originale Rennwagen die Passhöhe erobern, die von dem Audi RS 5 DTM-Vorausauto des dreifachen Le Mans-Gesamtsiegers Benoit Treluyer angeführt werden. Im DTM-Fahrerlager wird Rainer Braun, der legendäre Kommentator vor früher, die Piloten vor das Mikrofon holen.

Viel Erfolg und besten Dank für das spannende Gespräch! Wir freuen uns auf die Veranstaltung 2018 und wünschen für die Vorbereitungen alles Gute!

Unsere Videos vom Roßfeldrennen 2016 – sie wecken Vorfreude auf die Veranstaltung 2018!


Bei der Willkommensfeier präsentieren die Rallye-Teilnehmer ihre besonderen Fahrzeuge – von Audi, Opel bis Ferrari – und plaudern über die Besonderheiten und Historie.
Musik: „DZ“ von Jahzzar (http://www.betterwithmusic.com)


Vom Start bis zur Zieleinfahrt ist die Rallye-Fahrt beeindruckend – wir nehmen Sie in unserem Video ein Stück mit.
Musik: „Let Me Go“ von STEEP (http://freemusicarchive.org)

Autorin Barbara Schweigert

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Das Interview mit Joachim Althammer führte Barbara Schinko.