Joachim Althammer ist ein bekanntes Gesicht in der Oldtimer-Szene – in Berchtesgaden und weit über die Region hinaus: Er hat sich zur Aufgabe gemacht, die historische Automobilkultur in Berchtesgaden zu fördern und organisiert die Benefiz-Rallye Edelweiß-Classic und das Roßfeldrennen. Im Interview erzählt Joachim Althammer von sich und von seinem neuen Restaurationsprojekt, einem historischen Rennwagen von 1961.

Wie ist Ihre Leidenschaft für Oldtimer entstanden?

Joachim Althammer im Gespräch bei der Classic Expo in Salzburg, auf der er an seinem Stand für den Edelweiß-Bergpreis wirbt. © Hiscox

Joachim Althammer: Meine Leidenschaft für Oldtimer ist aus einer gewissen finanziellen Not in meiner Jugend entstanden. Mit 18 Jahren war ich noch in der Ausbildung und habe einen uralten VW Käfer gefahren.

Während sich meine Freunde neue Autos gekauft haben, zum Beispiel einen BMW 1502 oder Audi 50, habe ich weiterhin meine alten Autos – damals schon Youngtimer – gefahren. Den Käfer von 1957 habe ich dann mit Weißwandreifen und einem passenden Dachträger, darauf alte Ski befestigt, ausgestattet.

Damit hat die Oldtimer-Leidenschaft begonnen – kurz unterbrochen von meinen Motorrad-Zeiten. Mit meiner Harley-Davidson hatte ich einen schweren Unfall, bei dem ich mein linkes Bein verloren habe. Somit habe ich mich wieder den alten Autos zugewandt und richtig losgegangen ist es dann Mitte der 1990er Jahre.

Ich habe mir einen Oldtimer gekauft und war viel in der Szene unterwegs. 2002 bin ich als berufsunfähig anerkannt worden, habe meine Berufstätigkeit beendet und habe mit der Organisation der Edelweiß-Classic begonnen. Die erste touristischen Oldtimer-Rallye mit einem schönen Rahmenprogramm, ohne Zeitdruck, drei Tage lang und eine reine Benefiz-Veranstaltung.

Durch die Erlöse sind im Landkreis schon viele Projekte für geistig Behinderte verwirklicht worden. Hinzugekommen ist das Roßfeldrennen, welches 2013 zum ersten Mal stattgefunden hat. Hier haben wir eine gemeinnützige GmbH gegründet, deren Aufgabe es ist, sich um die historische Automobilkultur in Berchtesgaden zu kümmern.

Was begeistert Sie besonders an automobilen Klassikern – der Fahrspaß? Oder schrauben Sie zum Beispiel gern?

Joachim Althammer: Mich begeistert die Technik, aber  ich bin kein Schrauber. Ich kann grundlegende Dinge – etwas zerlegen oder beim Abschleifen helfen. Aber wenn es an´s Eingemachte geht, frage ich Freunde und befreundete Firmen, die mir helfen. 

Lieber fahre ich mit meinen Oldtimern bei Rallyes und Rennen, Spaß machen auch die Veranstaltungen im Winter bei Schnee und Eis. Vor allem aber organisiere ich leidenschaftlich gern Oldtimer-Veranstaltungen oder helfe Bekannten mit der Organisation, angefangen von kleinen Bergrennen, Ausfahrten bis zu Busausflügen im Winter zu Museen. Ich lebe das Hobby richtig. Durch meinen Unfall habe ich das Glück gehabt, jetzt das tun zu können, was mir Spaß macht. 

Im Herbst 2017 widmen Sie sich einem neuen Projekt. Sie möchten einen  Formel-Junior-Rennwagen restaurieren. Wie ist die Idee zu dem Projekt entstanden?

Joachim Althammer: Ich habe mich 2010 das erste Mal mit der Scuderia und Firma Hartmann beschäftigt: Für die Edelweiß Classic habe ich eine Sonderausstellung über Alfred Hartmann gemacht und die Geschichte aufgearbeitet. Er hat in der Zeit von 1958 bis 1961 in Berchtesgaden ungefähr – die Zahlen differieren – zwischen 15 und 20 Rennwagen in drei verschiedenen Versionen gebaut.

Mindestens fünf Fahrzeuge aus der letzten Rennserie von 1961 hat der jugoslawische Staatschef Tito gekauft. Sie sind in seinen Rennstall nach Jugoslawien geliefert und dort eingesetzt worden. Die Geschichte der Autos im ehemaligen Jugoslawien ist noch nicht erforscht – hier beginne ich gerade zu recherchieren und habe auch schon einige zeitgenössischen Fotos gefunden, auf denen die Rennwagen abgebildet sind.

Die Überreste von einem solchen Rennwagen – Fahrgestellnummer 0007 – sind im ehemaligen Jugoslawien in einer Sammlung gelegen: Die DKW-Teile waren abgebaut und verkauft. Der Rahmen, die zum größten Teil vollständige Karosserie und ein Rennmotor sind erhalten geblieben.

Dieses „Teile-Paket“ ist nun wiederum zum Verkauf gestanden und über Umwege und Kontakte habe ich im April 2017 diese Rennwagen-Teile für die Edelweiß-Stiftung erwerben können. Denn die Idee ist, den Rennwagen von Alfred Hartmann wieder zu vervollständigen und zu restaurieren – und somit ein Stück Berchtesgadener Automobilgeschichte zum Leben zu erwecken.

Welche Schritte sind für die Restauration des Rennwagens notwendig?

Joachim Althammer: Die wichtigsten Teile sind da, wie die Karosserie, die wir zum Großteil im Original erhalten können. Der Motor muss überarbeitet werden. Der Rahmen ist entrostet und KTL-beschichtet. Die Karosserie muss nach ihrer Aufarbeitung neu lackiert werden, weil zwei Karosserieteile im ehemaligen Jugoslawien sandgestrahlt worden sind. Die Rennfarbe war ursprünglich Altweiß. Ich habe aber angedacht, den Rahmen entweder in Silber oder in hellem Beige mit dunkelroten Streifen lackieren zu lassen – in den Farben des Roßfeldrennens.

Die anderen Serienteile müssen wir noch auftreiben – so fehlen zum Beispiel Fahrwerk, Bremsen, Getriebe, Sitz, also schätzungsweise zwei Drittel des Rennwagens. Hier bin ich aber optimistisch, dass wir über Clubs, persönliche Kontakte und über die historische Rennabteilung des Herstellers die Teile bekommen.

Und woher kommt die Expertise für die Restauration?

Joachim Althammer: Das ist eigentlich das Spannendste an diesem Projekt. Ich habe drei Mechaniker für die Restauration gewinnen können – sie haben den Rennwagen damals in den 1960er Jahren gebaut und waren mit dem Hartmann-Team bei internationalen Rennen dabei.

 Zum Beispiel arbeiten Jakob Lindner und Sepp Seipel gerade am Motor. Die beiden haben mit 17 Jahren ihre Ausbildung bei der Rennwagenbau-Firma Hartmann begonnen und sind jetzt 77 Jahre alt. Sie haben richtig Spaß an der Restauration. 

Viel Erfolg und besten Dank für das spannende Gespräch!

Autorin Barbara Schweigert

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Das Interview mit Joachim Althammer bei der Classic Expo in Salzburg führte Barbara Schweigert.