Oldtimer-Kurzgutachten: Worauf zu achten ist

12.12.2023 von Rainer Peukert

Es gibt Momente für Oldtimer-Fans bzw. -besitzer, in denen man den Wert des Klassikers wissen muss – beispielsweise beim Kauf oder bei Abschluss der Oldtimer-Versicherung. Eine Möglichkeit, den Wert des Fahrzeugs schwarz auf weiß dokumentieren zu lassen, ist das Oldtimer-Kurzgutachten. Wir stellen Ihnen die Vorteile des Kurzgutachten sowie Wissenswertes zum Thema vor.

Oldtimer-Kurzgutachten: Worauf zu achten ist

Wofür wird ein Oldtimer-Kurzgutachten gebraucht?

1. Oldtimer-Kurzgutachten für den Kauf bzw. Verkauf

Wenn man sich den lang gehegten Traum von einem Oldtimer erfüllen möchte, sollte man vorab über den aktuellen Marktwert des Wunsch-Fahrzeuges informieren. Hier bietet das Oldtimer-Kurzgutachten einen guten Überblick, um den finanziellen Rahmen zu kennen und einen fairen Kauf eines Oldtimers tätigen zu können. 

Da die Preise der Oldtimer zum Teil stark volatil sind, kann es auch sinnvoll sein, sich den Wert des Fahrzeuges bei einem geplanten Verkauf erneut bestätigen zu lassen. 

2. Oldtimer-Kurzgutachten für das H-Kennzeichen

Nach dem Kauf soll der Oldtimer nun auch das passende Kennzeichen erhalten. Für die meisten Oldtimer-Besitzer fällt die Wahl auf das historische H-Kennzeichen mit den damit verbundenen Vorteilen einer pauschalen und damit zumeist günstigeren Kfz-Steuer, dem problemlosen Einfahren in Umweltzonen und einer Nutzung ohne Kilometerbegrenzung. Für das H-Kennzeichen reicht ein Kurzgutachten nicht aus, sondern man benötigt zwingend ein Gutachten nach §23 StVZO

3. Oldtimer-Kurzgutachten für die Versicherung

Für die Kasko-Versicherung benötigt man eine Wertermittlung. Diese stellt sicher, dass der Oldtimer nicht unterversichert ist und im Schadenfall über eine ausreichende Deckung verfügt. Welche Art der Wertermittlung für den Versicherungsabschluss nötig ist, richtet sich in der Regel nach bestimmten Fahrzeug-Wertobergrenzen. Diese variieren von Anbieter zu Anbieter.

4. Oldtimer-Kurzgutachten im Schadenfall

Bei einem Unfall oder Schadenfall ist ein vorliegendes Wertgutachten für Oldtimer sehr hilfreich, um den Wert des Fahrzeugs zu bestimmen. Insbesondere bei einem Diebstahl kann es ohne ein solches Gutachten kompliziert werden, den wirklichen Wert des Fahrzeugs zu belegen. Ebenso können Schäden durch Feuer die Ermittlung des aktuellen Werts erschweren. Ein Gutachten zu Ihrem Oldtimer ermöglicht es der Kfz-Versicherung, den momentanen Wert des historischen Fahrzeugs in Betracht zu ziehen und Ihnen eine angemessene Entschädigung zu gewähren.

Was ist ein Oldtimer-Gut­achten?

Ein Oldtimer-Gutachten nach § 23 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) ist eine spezialisierte Beurteilung eines Fahrzeugs, die dessen historischen Wert, Zustand und Originalität dokumentiert. Es wird in der Regel von Sachverständigen oder speziell ausgebildeten Experten durchgeführt, die über umfassendes Wissen in Bezug auf historische Fahrzeuge und die Kriterien für ihre Bewertung verfügen. Das Gutachten beinhaltet eine detaillierte Untersuchung des Fahrzeugs, einschließlich seiner mechanischen Komponenten, Karosserie, Lackierung und Innenausstattung, um sicherzustellen, dass es den Anforderungen an ein historisches Fahrzeug entspricht. Es dient nicht nur als Nachweis der Authentizität und des Zustands des Fahrzeugs, sondern ist auch für Versicherungszwecke, bei der Zulassung als historisches Fahrzeug und oft auch bei Verkaufsverhandlungen von entscheidender Bedeutung. Ein qualitativ hochwertiges Oldtimer-Gutachten kann somit den Wert eines historischen Fahrzeugs maßgeblich beeinflussen und dient als wichtiges Dokument für Liebhaber und Sammler von Oldtimern. 

Es empfiehlt sich, etwa alle zwei bis drei Jahren ein Kurzgutachten für Oldtimer vornehmen zu lassen, damit die Entwicklung ihres Werts festgehalten werden kann. Bei der Durchführung einer Kurzbewertung konzentriert sich der Sachverständige vorrangig auf die optische Begutachtung des Fahrzeugs und stützt sich dabei auf das Bewertungssystem der Zustandsnoten.

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Wer macht Oldtimer-Kurzgutachten?

Kurzgutachten werden üblicherweise von qualifizierten Prüfingenieurinnen und Prüfingenieuren erstellt, die von sämtlichen staatlich anerkannten Überwachungsorganisationen zertifiziert sind. Zu diesen Organisationen zählen unter anderem:

  • Technischer Überwachungsverein (TÜV)
  • Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein (DEKRA)
  • Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ)
  • Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e. V. (KÜS)

Für Kurzbewertungen sowie ausführliche Wertgutachten von Oldtimern, die schon ein H-Kennzeichen besitzen, können alternativ spezialisierte Sachverständige beauftragt werden. Die Fertigstellung eines Oldtimer-Gutachtens nimmt in der Regel zwischen einem und zwei Tagen in Anspruch. Eine Kurzbewertung für einen Oldtimer wird meist schneller abgeschlossen als ein umfassendes Gutachten. Ebenfalls sind bei diesen Anbietern auch ausführliche Oldtimer-Wertgutachten möglich, zum Beispiel bei TÜV Nord.

Was genau wird ermittelt / welche Kriterien spielen eine Rolle?

Im Rahmen des Oldtimer-Kurzgutachtens werden von den Prüfern im Regelfall folgende Punkte überprüft und dazu Stellung genommen, wie hier bei Dekra

  • Erfassung der relevanten Daten am Fahrzeug und Abgleich mit den vorgelegten Unterlagen zum Fahrzeug 
  • Stellungnahme anhand der vorgelegten Unterlagen sowie Angaben zur Historie und zu durchgeführten Arbeiten 
  • Überprüfung der drei Bereiche „Innen“, „Außen“ und „Technik“ des Fahrzeugs 
  • Mehrseitige Bewertung mit Fotos 
  • Angabe von Marktwert oder Wiederbeschaffungswert und Festlegung einer Gesamtnote 

Definition: Marktwert, Wiederbeschaffungswert, Wiederherstellungswert

  • Der Marktwert beschreibt den aktuellen Wert des Fahrzeugs, der kurzfristig bei einem Kauf oder Verkauf von privat an privat bezahlt werden würde. 
  • Der Wiederbeschaffungswert nennt den Betrag, der aufgewendet werden muss, um kurzfristig am Markt ein gleichartiges und gleichwertiges Fahrzeug zu erwerben ohne Restaurationskosten oder andere zusätzliche Aufwendungen zu berücksichtigen. 
  • Der Wiederherstellungswert setzt sich zusammen aus Anschaffungs- und Restaurierungskosten eines Fahrzeugs, um es in einen vergleichbaren Zustand wie vorher zu bringen. Dabei ist gleichgültig, ob die Instandsetzungskosten den derzeitigen Marktwert des Fahrzeugs übersteigen. Bei einigen Spezialversicherern ist auch dieser Wert nach Absprache versicherbar.

Zustandsnoten im Oldtimer-Kurzgutachten

Mittlerweile haben sich folgende Zustandsnoten im Oldtimer-Markt etabliert:

Zustand 1Makelloser Zustand. Keine Mängel, Beschädigungen oder Gebrauchsspuren an der Technik und an der Optik. Komplett und perfekt restauriertes Spitzenfahrzeug. Wie neu (oder besser). Sehr selten.
Zustand 2Guter Zustand. Mängelfrei, aber mit leichten (!) Gebrauchsspuren. Entweder seltener, guter unrestaurierter Originalzustand oder fachgerecht restauriert. Technisch und optisch einwandfrei mit leichten Gebrauchsspuren.
Zustand 3Gebrauchter Zustand. Fahrzeuge ohne größere technische und optische Mängel, voll fahrbereit und verkehrssicher. Keine Durchrostungen. Keine sofortigen Arbeiten notwendig.
Zustand 4Verbrauchter Zustand. Nur eingeschränkt fahrbereit. Sofortige Arbeiten zur erfolgreichen Abnahme gem. § 29 StVZO sind notwendig. Leichtere bis mittlere Durchrostungen. Fahrzeug komplett in den einzelnen Baugruppen aber nicht zwingend unbeschädigt.
Zustand 5Restaurierungsbedürftiger Zustand. Fahrzeuge im mangelhaften, nicht fahrbereiten Gesamtzustand. Umfangreiche Arbeiten in allen Baugruppen erforderlich. Fahrzeug nicht zwingend komplett.

Was kostet ein Oldtimer-Kurzgutachten?

Die Kosten für ein Oldtimer-Kurzgutachten können je nach Anbieter, Umfang der Begutachtung und dem Fahrzeugtyp variieren. Im Allgemeinen liegen die Preise für ein Kurzgutachten, das häufig für Versicherungszwecke oder zur Feststellung des allgemeinen Fahrzeugzustands genutzt wird, bei etwa 90 bis 200 Euro. Dieser Preisrahmen deckt in der Regel eine visuelle Inspektion des Fahrzeugs, eine Überprüfung der wichtigsten technischen Komponenten sowie eine Bewertung des allgemeinen Zustandes und der Originalität des Oldtimers ab. Für spezifischere Anforderungen oder besonders seltene Fahrzeuge können die Kosten jedoch auch höher ausfallen. Es empfiehlt sich, vorab mehrere Angebote einzuholen und dabei genau auf den Leistungsumfang des Gutachtens zu achten, um die passendste und preislich vorteilhafteste Option zu wählen.

Zum Vergleich: Was kostet ein ausführliches Wertgutachten für einen Oldtimer?

Im Vergleich zum Kurzgutachten würde ein ausführliches Wertgutachten mit ca. 300 bis 500 Euro zu Buche schlagen. Beispielsweise kostet ein Oldtimer-Vollgutachten beim TÜV 425 Euro (TÜV Nord, Stand August 2022). Für historische, seltene Liebhaberfahrzeuge, bei denen mitunter umfangreiche Recherchen erforderlich sind, richten sich nach Aufwand. 

Wie lange ist ein Oldtimer-Kurzgutachten gültig?

Vorweg: Es gibt kein Ablaufdatum für ein erstelltes Oldtimer-Kurzgutachten. Bei guter Pflege und liebevoller Behandlung – wie es wohl den meisten Oldtimern hierzulande geht – ändert sich am Erhaltungszustand der Fahrzeuge in der Regel wenig und wenn auch nur über längere Zeit.

Profi-Tipp

  • Regelmäßige Aktualisierung

    Dennoch ist eine Aktualisierung des Gut­achtens im Rhythmus von zwei bis drei Jahren sinnvoll, um die Oldtimer-Wert­entwicklung zu dokumentieren. Insbesondere nach einer umfassenden Restaurierung mit wertsteigernden Maßnahmen wie einem neuen Motor oder einer größeren Reparatur, ist es wichtig, das Gutachten zu erneuern und den Oldtimer mit den Modifikationen neu bewerten zu lassen. Hintergrund: Im Schadenfall kann es schnell zu deutlich höheren Reparaturkosten kommen. Ein Beispiel: Sollte ein Cabrio-Stoffverdeck kürzlich erneuert worden und nicht dokumentiert sein, ist man womöglich mit mehreren Tausend Euro unterversichert.

Welche Unterlagen werden für ein Oldtimer-Kurzgutachten benötigt?

Damit der Prüfer den Oldtimer möglichst genau und individuell bewerten kann und man als Kunde ein optimales Ergebnis erhält, sind folgende Dokumente und Angaben hilfreich:

Checkliste: Unterlagen für das Oldtimer-Kurzgutachten

  • Zulassungsdokumente (historische und aktuelle)
  • Angaben/Dokumente/Fotos über durchgeführte Restaurierungsarbeiten
  • Wartungsnachweise
  • Belege zur Originalität (Auslieferungsbescheinigung, Datenkarte des Herstellers)
  • Nachweise für die Historie des Fahrzeugs
  • Zubehör und Ausstattungsvarianten (z. B. Hardtop)

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Rainer Peukert, Oldtimer-Experte bei Hiscox

Autor: Rainer Peukert, Oldtimer-Experte bei Hiscox

hat sich schon in jungen Jahren in die Technik und das Design von Oldtimern verliebt – vor allem in die Schätze der Vorkriegszeit. Für Hiscox ist er auf vielen Events der Szene unterwegs!

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