Ob Mittelständler oder Großkonzern – fast jedes deutsche Unternehmen arbeitet derzeit an verschiedensten Digitalisierungsmaßnahmen. Der Grund: Um ihr Business erfolgreich und profitabel in die Zukunft zu führen – Wirtschaftsängsten, zum Beispiel durch Brexit, der Wirtschaftslage im Automotive-Bereich oder dem USA-China-Handelsstreit, zum Trotz – streben Unternehmen nach Prozessverlagerung und setzen auf die Digitalisierung.

Freelancer-Haftung: Und wer ist jetzt schuld?Nachdem es den Unternehmen häufig an eigenem Fachpersonal fehlt, kommen verstärkt Externe zum Zug. IT-Dienstleister übernehmen immer größere und zahlreichere Projekte. Die Freelancer freuen sich über volle Auftragsbücher, die Unternehmen über digitale Innovationen – also eine klare Win-Win-Situation? Das gilt nur, solange im Rahmen der Projektarbeit nichts schief geht, denn bei Fehlern kommt es schnell zu Diskussionen, wer den Schaden zu verantworten hat (Stichwort Freelancer-Haftung).

Haftungsfragen verunsichern deutsche IT-Dienstleister

Der aktuelle Hiscox IT-Versicherungsindex zeigt, dass deutsche IT-Dienstleister unsicher sind, welche Konsequenzen ein berufliches Missgeschick nach sich ziehen könnte.

Digitale Risiken als Stressfaktor für Freelancer

Mehr als die Hälfte hält die digitalen Risiken im eigenen Beruf für unkalkulierbar und 44% haben Angst, dass ein durch sie verursachter Schaden zu hohen Kosten führt. Für Kopfzerbrechen sorgen auch die verkauften Services: Zwar wissen 92% der IT-Dienstleister, wo und wie ihr Produkt beim Auftraggeber eingesetzt wird. Doch nur 61% sind sich sicher, bis zu welchem Punkt sie für das Produkt und daraus entstehende Folgeschäden haften.

Und ist das eigentlich von der Versicherung gedeckt? Weniger als die Hälfte geht davon aus, dass ihre bestehenden Policen für entsprechende Schäden aufkommen würde.

Vorsicht statt Nachsicht: Freelancer-Haftungsfragen sauber klären

Die Angst der Freelancer vor Haftungsfragen ist in vielen Fällen nicht unbegründet.

Läuft in der Geschäftsbeziehung einmal etwas nicht nach Plan, ist man als Freiberufler in vielen Fällen haftbar. Sie sollten daher schon bei der Unterzeichnung eines Vertrages sehr genau hinschauen – denn Schadenersatz kann enorm teuer werden.

Haftung für IT-Schäden: Wann und wie Sie als Freelancer damit konfrontiert sind

 Ein Beispiel: Ein Freelancer hat aufgrund Störung der Internetverbindung keinen Zugriff auf in der Cloud abgelegte Projektdaten. Er hat allerdings mit seinem Kunden Reaktionszeiten innerhalb seines Service Levels vertraglich zugesagt, die er nun nicht halten kann. Der Kunde kann einen Schadenersatz geltend machen.

Gesetzliche und vertragliche Haftung:

Unterschieden wird zwischen gesetzlicher und vertraglicher Haftung. Bei ersterer muss der Anspruch auf Schadenersatz durch Gesetze begründet werden. Bei individuellen Vertragsvereinbarungen treffen Freelancer mit deren Kunden immer häufiger Vereinbarungen, die nicht nur auf eine gesetzliche, sondern rein vertragliche Haftung fußen. Zum Beispiel indem eine Vertragsstrafe bei Verletzung von Geheimhaltungsvereinbarungen festgeschrieben wird.

Schuldlos, aber trotzdem haftbar – Verschuldensunabhängige Haftung:

Bestimmte Klauseln in Verträgen führen häufig dazu, dass Freelancer sich „schuldig“ machen. Und zwar dann, wenn nicht sie selbst, sondern ein Dritter eine Situation verursacht hat, die dazu führt, dass der Freelancer seinem Kunden gegenüber die Leistung nicht ordnungsgemäß erbringen kann. Dies nennt man verschuldensunabhängige Haftung. Ein Beispiel für diese Art der Freelancer-Haftung wäre der eingangs erwähnte Fall der Internetstörung.

Pauschalierter Schadenersatz:

Schadenersatz wird in Höhe der Summe geleistet analog einer im Nachgang einer Schlechtleistung belegenden Summe geleistet. Einzelvertraglich kann jedoch bei Vertragsabschluss zwischen Freelancer und Kunden ein pauschalierter Schadenersatz festgelegt werden. In diesem Fall orientiert sich der zu leistende Schadenersatz an der im Vorfeld festgelegten Summe.

Haftungsfreistellung:

Im IT-Bereich sind auch sogenannte Haftungsfreistellungen üblich. Diese kann man als enorme Verschärfung der Haftung verstehen. Denn: Als Freelancer erklärt man damit im Vorfeld, dass man für alle Schadenfälle, die im Zusammenhang mit der Dienstleistung stehen, Verantwortung übernimmt. Fordert beispielsweise ein Dritter Schadenersatz vom Auftraggeber, dann gibt der sie an den Freelancer weiter und ist selbst „fein raus“.

Fazit zur Freelancer-Haftung: Wie man sich absichern kann

Freiberufler sollten schon bei der Auftragsklärung auf klare Absprachen und eine saubere Vertragsgestaltung achten. Sich vorab über das Risiko Freiberufler-Haftung / Freelancer-Haftung und den richtigen Versicherungsschutz zu informieren, rettet im Zweifelsfall Existenzen.

David gegen Goliath: Schadenabwehr

In der Schadenpraxis zeigt sich zudem, dass Unklarheiten einer Projektstruktur zu einer „generellen“ Anspruchserhebung führen können. Sprich: der Auftragsgeber macht seinen Anspruch kollektiv bei allen Projektbeteiligten geltend, ohne die Ursache genau zu klären. Daher gewinnt auch der passive Rechtsschutz einer IT-Versicherung an Bedeutung. Hier hilft der Versicherer einen unbegründeten Anspruch abzuwehren, also zu belegen, dass der Freelancer nicht für einen Schadenfall verantwortlich ist.

Freelancer-Haftung: Digitalisierung funktioniert nur gut geschützt

Doch auch die sauberste Vorbereitung kann nicht alle Fehler verhindern. Um ihrer Rolle als Treiber der Digitalisierung weiter gerecht werden zu können, brauchen IT-Dienstleister passgenauen und flexiblen Versicherungsschutz. Nur wenn die digitalen Risiken vollumfänglich abgesichert sind, können sich die Dienstleister wie auch die Auftraggeber wieder auf die Chancen der gemeinsamen Projekte konzentrieren.

Eine Hiscox IT-Haftpflichtversicherung schützt Freiberufler in der IT-Branche in Fällen gesetzlicher und vertraglicher Haftung. Zudem lässt sie sich um ein Modul zum Schutz gegen Cyber- und Datenrisiken erweitern.

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Business Blog Autor Marc Thamm, Hiscox

Autor: Marc Thamm

ist seit 1992 in der Versicherungsbranche – seit 2014 mit Fokus auf IT Risiken – tätig. Er arbeitet seit 2013 bei Hiscox. Als Underwriting Manager Technology, Media & Communications bei Hiscox entwickelt er Versicherungslösungen für die IT-, Media- und weitere Branchen der Digitalwirtschaft. Hier schreibt er über das spannende Thema Freelancer-Haftung.