Haftungsrisiken bei neuen Arbeitsformen: Homeoffice, Remote Work und Freelancer

Homeoffice, Remote Work und der Einsatz von Freelancern haben die Arbeitswelt dauerhaft verändert. Arbeit findet heute nicht mehr ausschließlich im Büro statt, sondern in privaten Wohnungen, unterwegs und mit externen Freelancern. Für Unternehmen bringt diese Flexibilität viele Vorteile. Gleichzeitig entstehen neue Haftungssituationen, die im Alltag oft unterschätzt werden. Um Risiken realistisch einzuordnen, zeigen wir Ihnen typische Schadensfälle, Verantwortlichkeiten und den passenden Versicherungsschutz.

Unsere Roadmap für Sie: Arbeitsmodelle verstehen → typische Schadensfälle kennen → Verantwortung klären → Versicherungsschutz einordnen → Risiken präventiv reduzieren

Von Marc Thamm

19 Min. Lesezeit24.03.2026
Eine Frau in einer grünen Bluse arbeitet von zu Hause aus und nimmt an einer Videokonferenz auf ihrem Computer teil. Sie sitzt an einem Schreibtisch, auf dem ein Laptop, Kopfhörer und eine Topfpflanze stehen.

Warum schaffen neue Arbeitsformen neue Haftungsrisiken für Unternehmen?

Homeoffice, Remote-Arbeit und der Einsatz von Freelancern haben sich in vielen Unternehmen vom Ausnahmefall zum festen Bestandteil der Arbeitsorganisation entwickelt. Prozesse werden flexibler, Teams verteilen sich über Standorte hinweg, externe Expertise wird projektbezogen eingebunden.

A bar chart titled ‘Use of home working’ shows home working rates by sector. The services sector leads at 34.3%, whilst the construction sector has the lowest rate at 4.6%.

Homeoffice hat sich in Deutschland fest etabliert

Im Februar 2025 arbeiteten 24,5 % der Beschäftigten in Deutschland zumindest teilweise im Homeoffice. Laut dem ifo Institut gibt es keine Hinweise darauf, dass Homeoffice insgesamt zurückgeht oder ein Rückhol-Trend statistisch sichtbar wäre. Flexible Arbeitsformen sind damit keine Übergangslösung, sondern ein dauerhaftes Arbeitsmodell.

Fazit: Neue Arbeitsformen verändern die Haftung nicht grundsätzlich, sie schaffen aber mehr Situationen, in denen Verantwortung und Zuständigkeiten geklärt werden müssen. Je flexibler Arbeitsorte, Arbeitsmittel und Beteiligte sind, desto wichtiger wird ein realistischer Blick auf Haftungsrisiken und Absicherung.

Haftung umfasst auch alternative Arbeitsstätten

Handelt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter im Rahmen der beruflichen Tätigkeit, kann das Unternehmen für daraus entstehende Personen-, Sach- oder Vermögensschäden haftbar gemacht werden. Diese Haftung ist unabhängig davon, ob der Schaden im Büro, in der Privatwohnung oder unterwegs entsteht.

Freelancer: klare Rollen helfen, Haftungsfragen sauber zu klären

Viele Unternehmen nutzen Freelancer für Projekte, Spezialthemen und zur Kapazitätserweiterung. Damit verschiebt sich nicht nur die Arbeitsorganisation, sondern auch die Frage, wer wofür verantwortlich ist. Freelancer sind oft in Abläufe, Tools und Abstimmungen des Unternehmens eingebunden. Deshalb lohnt es sich, Zuständigkeiten und Schnittstellen sauber zu definieren. Zum Beispiel: Wer gibt fachlich frei? Wer dokumentiert? Wer kommuniziert mit Kunden? Wenn diese Punkte nicht klar definiert sind, können neue Haftungsrisiken für Unternehmen entstehen.

Neue Arbeitsmodelle

Viele Unternehmenskonzepte gehen noch davon aus, dass Mitarbeitende im Büro, mit festen Arbeitsmitteln und unter direkter Aufsicht arbeiten. Zudem ist klar getrennt, was intern erbracht wird und was extern vergeben ist. Diese Annahmen greifen bei Remote-Arbeit und beim Einsatz von Freelancern jedoch nur noch eingeschränkt. Hier entstehen neue Haftungslücken.

Warum dieses Thema jetzt relevant ist

Je stärker Unternehmen auf flexible Arbeitsmodelle setzen, desto wichtiger wird es, Haftungsrisiken realistisch zu bewerten. Schäden entstehen heute nicht mehr nur im Betrieb selbst, sondern häufig an Schnittstellen, außerhalb klassischer Arbeitsorte oder durch externe Beteiligte.

Fazit: Warum schaffen neue Arbeitsformen neue Haftungsrisiken für Unternehmen? 

Neue Arbeitsformen verändern die Haftung nicht grundsätzlich, sie schaffen aber mehr Situationen, in denen Verantwortung und Zuständigkeiten geklärt werden müssen. Je flexibler Arbeitsorte, Arbeitsmittel und Beteiligte sind, desto wichtiger wird ein realistischer Blick auf Haftungsrisiken und Absicherung. Welche Schäden aus diesen neuen Haftungssituationen konkret entstehen können, zeigen wir im folgenden Kapitel.

Marc Thamm trägt einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine dunkle Krawatte mit kleinen Mustern.
Mein spezieller Tipp für Sie: Bauen Sie einen „Schadenfall-Stresstest“ in Ihren Alltag ein: einmal im Quartal, 20 Minuten, mit drei Fragen. Was ist die wahrscheinlichste Panne im Homeoffice? Was die heikelste Schnittstelle mit Freelancern? Was ist der teuerste Remote-Fehler, den man erst beim Kunden merkt? Notieren Sie pro Fall genau eine Gegenmaßnahme (Regel, Freigabe, Dokumentation) und legen Sie fest, wer sie umsetzt. Sie werden überrascht sein, wie schnell dabei echte Haftungslücken sichtbar werden; ohne Workshop, ohne großes Projekt.
Marc ThammProduct Head Technology & General Liability

Welche typischen Schadensfälle treten bei Freelancern, Remote Work und im Homeoffice auf?

Welche Schäden entstehen typischerweise bei Remote Work?

Bei Remote Work entstehen Schäden vor allem dort, wo berufliche Tätigkeiten außerhalb der klassischen Betriebsstätte stattfinden und in private oder fremde Umgebungen verlagert werden. Typisch sind Sachschäden an fremdem Eigentum, etwa durch Arbeitsmittel, technische Geräte oder improvisierte Arbeitsplätze, die nicht den gewohnten betrieblichen Standards entsprechen. Darüber hinaus können Personenschäden auftreten, wenn Dritte im Umfeld der Tätigkeit zu Schaden kommen. Dies kann durch Stolperstellen, Kabel oder Arbeitsmaterial passieren. Vermögensfolgeschäden entstehen dann, wenn sich aus solchen Sach- oder Personenschäden finanzielle Folgen ergeben, zum Beispiel Nutzungsausfälle, oder Schadenersatzansprüche. Remote Work schafft neue Schadensorte und Konstellationen, bei denen betriebliche Haftung auch außerhalb des Unternehmens relevant wird.

Schadenfall: Ein Mitarbeiter einer Werbeagentur arbeitet im Rahmen von Remote Work vorübergehend aus dem Ausland und nutzt dafür den den Homeoffice bei Freunden. Während der Arbeit stößt er versehentlich eine Kanne mit heißem Früchtetee um. Die Kanne fällt auf einen wertvollen Perserteppich, der unter dem Schreibtisch liegt. Der Teppich wird irreparabel beschädigt und muss ersetzt werden.

Schadenhöhe: Sachschaden: irreparabel beschädigter Perserteppich: 12.000 Euro.

Schaden-Einordnung: Der Schaden entsteht außerhalb der Betriebsstätte und im privaten Umfeld Dritter, steht jedoch in direktem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit. Damit handelt es sich um einen klassischen Sachschaden an fremdem Eigentum, der grundsätzlich dem Haftungsbereich des Unternehmens zugeordnet werden kann.

Im Beitrag Häufige berufliche Schadenfälle zeigen wir reale berufliche Schadenfälle aus der Praxis, die wir gemeinsam mit unserer Schadenabteilung ausgewertet habe. Erfahren Sie, welche Risiken in der Praxis besonders häufig zu teuren Schäden führen.

Welche Schäden entstehen typischerweise bei Freelancern?

Bei Freelancern entstehen Schäden häufig dann, wenn sie im Auftrag des Unternehmens tätig werden und dabei mit Dritten oder fremdem Eigentum in Kontakt kommen. Typisch sind Sach- und Personenschäden, etwa auf Messen, bei Kundenterminen oder bei projektbezogenen Einsätzen vor Ort. Entscheidend ist dabei nicht der Status als Freelancer, sondern der Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit. Gerade bei Veranstaltungen, Präsentationen oder Außenterminen können Unachtsamkeiten zu Schadenfällen führen. Für diese können die Unternehmen haftbar gemacht werden.

Schadenfall: Ein Freelancer ist im Auftrag eines Herstellers von Baggern, Raupen und Walzen auf einer Baumaschinenmesse tätig. Am Messestand eines Konkurrenten lehnt dieser sich an eine Seitenwand. Die Wand kippt dadurch um und trifft eine Messebesucherin. Die Frau erleidet eine Kopfverletzung und muss im Krankenhaus behandelt werden. Sie wird zur Beobachtung zwei Tage dort stationär aufgenommen. Dadurch kann sie Ihrer regulären Arbeit als Selbstständige nicht nachgehen.

Schadenhöhe: Gesamtschaden: 10.400 €

  • Sachschaden: beschädigte Seitenwand des Messestands: 3.900 Euro
  • Personenschaden: ärztliche Behandlung, Krankenhausaufenthalt, Nachsorge: 4.800 Euro
  • Vermögensfolgeschäden: Verdienstausfall der Besucherin wegen Arbeitsausfall: 1.700 Euro

Schaden-Einordnung: Der Schaden entsteht im Rahmen der beruflichen Tätigkeit des Freelancers gegenüber Dritten. Je nach vertraglicher Einbindung und Organisation kann das Unternehmen in Haftungsfragen mit einbezogen werden. Der Fall zeigt, dass der Einsatz externer Dienstleister (analog zu direkt angestellten Mitarbeitern) relevante Haftungsrisiken für Sach-, Personen- und Vermögensfolgeschäden mit sich bringen kann.

Fehlerquellen analysieren, Schäden verstehen, Risiken vorbeugen und sich vor finanziellen Folgen schützen: Lesen Sie unseren Beitrag Betriebshaftpflichtversicherung: Fehlerquellen in verschiedenen Berufen

Welche Schäden entstehen typischerweise im Homeoffice?

Im Homeoffice entstehen Schäden häufig dort, wo betriebliche Arbeitsmittel in privaten Wohnräumen genutzt werden. Besonders relevant sind dabei Sachschäden an fremdem Eigentum sowie daraus resultierende Vermögensfolgeschäden. Entscheidend ist der Zusammenhang zwischen Schaden und beruflicher Tätigkeit.

Schadenfall: Eine Mitarbeiterin eines Unternehmens arbeitet gemäß interner Regelung an zwei Tagen pro Woche im Homeoffice in ihrer Mietwohnung. Sie nutzt dabei ihren Firmenlaptop. Aufgrund eines Defekts im Lithium-Ionen-Akku überhitzt das Gerät. Die Mitarbeiterin bemerkt, dass der Akku sich aufbläht und starken chemischen Geruch absondert. Sofort danach kommt es zu einer starken Rauchentwicklung. Sie reagiert sofort und löscht den brennenden Laptop, dennoch werden die Wände im Arbeitsbereich stark verrußt. Der Vermieter verlangt Schadenersatz für die Renovierung der betroffenen Räume.

Schadenhöhe: Sachschaden: Reinigung und Neuanstrich der verrußten Wände: 2.800 €

Schaden-Einordnung: Der Schaden entsteht in der Privatwohnung, steht jedoch in direktem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit und der Nutzung betrieblicher Arbeitsmittel. Es handelt sich um einen typischen Sachschaden an fremdem Eigentum im Homeoffice, der dem Haftungsbereich des Unternehmens zugeordnet werden kann.

Fazit: Welche typischen Schadensfälle treten bei Freelancern, Remote Work und im Homeoffice auf?

Ob Homeoffice, Remote Work oder der Einsatz von Freelancern: Typische Schäden entstehen vor allem dort, wo berufliche Tätigkeiten außerhalb klassischer Betriebsstrukturen stattfinden. Entscheidend ist dabei der Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit, der Sach-, Personen- und Vermögensfolgeschäden auslösen kann. Wer für solche Schäden verantwortlich ist, der Mitarbeiter selbst oder das Unternehmen, klären wir im nächsten Kapitel.

Wie hoch sollte Ihre Absicherung sein? Lesen Sie: Versicherungssummen & Risikoeinschätzung für Unternehmen und erfahren Sie, wie Sie Risiken realistisch einschätzen und eine passende Versicherungssumme ableiten. Prüfen Sie jetzt, welche Deckungssumme zu Ihrem Unternehmen passt.

Wer trägt die Verantwortung: Mitarbeiter oder Unternehmen?

Bei Schäden im Zusammenhang mit Homeoffice, Remote Work oder Freelancern stellt sich häufig die Frage, wer tatsächlich haftet. In der Praxis ist die Antwort unabhängig vom Arbeitsort oder vom Vertragsstatus. Verantwortung entsteht dann, wenn ein Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit vorliegt.

Grundsatz: Handeln im Auftrag des Unternehmens

Handelt ein Mitarbeiter im Rahmen der beruflichen Tätigkeit, wird das Verhalten dem Unternehmen zugerechnet. Das gilt unabhängig davon, ob die Arbeit im Büro, im Homeoffice, unterwegs oder im Ausland ausgeführt wird. Wenn ein Schaden entsteht, interessiert Dritte (z. B. geschädigte Personen, Vermieter, Kunden) in erster Linie nicht, wie das Unternehmen intern organisiert ist oder ob eine Person angestellt, im Homeoffice oder als Freelancer tätig war. Entscheidend ist aus ihrer Sicht: Für wen wurde die Tätigkeit ausgeführt? Wer als Auftraggeber auftritt, also die Arbeit veranlasst, steuert oder wirtschaftlich davon profitiert, gilt für Dritte als der verantwortliche Ansprechpartner. Deshalb richten sich Schadenersatzforderungen direkt an das Unternehmen, nicht an die einzelne handelnde Person.

Schon gewusst? Mitarbeiter und Freelancer: interne Haftung vs. Außenhaftung

Gegenüber Geschädigten haftet in der Regel das Unternehmen, wie oben dargestellt. In manchen Fällen kann ein Mitarbeiter intern zur Verantwortung gezogen werden. Das nennt man interne Haftung oder internen Regress. Er betrifft ausschließlich das Verhältnis zwischen Unternehmen und Mitarbeitern und hat nichts mit den Ansprüchen des Geschädigten zu tun.

Interne Haftung: Ein interner Regress kommt nur in Ausnahmefällen in Betracht, zum Beispiel wenn:

  • der Schaden vorsätzlich verursacht wurde,
  • der Mitarbeitende grob fahrlässig gehandelt hat,
  • klare betriebliche Vorgaben bewusst missachtet wurden.

Bei leichter oder mittlerer Fahrlässigkeit greift in der Regel der Grundsatz der beschränkten Arbeitnehmerhaftung. Das bedeutet: Mitarbeitende haften intern gar nicht oder nur anteilig.

Außenhaftung:  Sie beschreibt die Haftung gegenüber Dritten, also gegenüber Personen oder Unternehmen, die durch eine betriebliche Tätigkeit geschädigt wurden. In diesen Fällen richtet sich der Anspruch in der Praxis meist gegen das Unternehmen (Auftraggeber der Tätigkeit als verantwortlicher Vertragspartner oder Leistungserbringer), unabhängig davon, ob der Schaden durch einen Mitarbeitenden oder einen Freelancer verursacht wurde.

Unternehmen tragen die Verantwortung für:

  • Organisation und Ablauf der Arbeit
  • Auswahl und Einsatz von Mitarbeitenden oder externen Kräften
  • die Durchführung der Tätigkeit im eigenen wirtschaftlichen Interesse

Nach außen haftet regelmäßig das Unternehmen. Die Frage, ob ein Mitarbeitender oder Freelancer intern beteiligt wird, ist davon getrennt und spielt für Geschädigte keine Rolle.

Freelancer: Selbstständig – aber nicht automatisch allein verantwortlich

Bei Freelancern ist die Abgrenzung komplexer. Zwar handeln sie rechtlich selbstständig, dennoch arbeiten sie häufig im Auftrag, nach Vorgaben oder eingebunden in Prozesse des Unternehmens. Entsteht dabei ein Schaden, kann das Unternehmen neben oder anstelle des Freelancers in Anspruch genommen werden. Dies kommt beispielsweise bei Organisations-, Auswahl- oder Koordinationsfehlern vor. Entscheidend ist, wie stark der Freelancer in Arbeitsabläufe eingebunden ist, nach Weisungen arbeitet oder nach außen im Namen des Unternehmens auftritt.

Warum klare Regelungen entscheidend sind

Unklare Zuständigkeiten führen nicht nur zu organisatorischen Problemen, sondern auch zu Haftungsrisiken. Je besser Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Freigaben geregelt sind, desto einfacher lässt sich im Schadenfall klären, wer wofür verantwortlich ist.

Zwischenfazit: Wer trägt die Verantwortung: Mitarbeiter oder Unternehmen?

Ob Mitarbeiter oder Freelancer: Entscheidend ist nicht die Arbeitsform, sondern der Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit. Unternehmen bleiben zentrale Haftungsträger und sollten Verantwortung und Organisation entsprechend ausrichten. Daran schließt sich unmittelbar die Frage nach dem passenden Versicherungsschutz an. Welche Versicherung im Schadenfall die finanziellen Folgen absichern kann, zeigen wir im nächsten Kapitel.

Welche Rolle spielt die Betriebshaftpflicht bei Remote-Arbeit und neuen Arbeitsmodellen?

Die Betriebshaftpflichtversicherung spielt auch bei Homeoffice, Remote-Arbeit und neuen Arbeitsmodellen eine zentrale Rolle. Sie schützt Unternehmen vor den finanziellen Folgen, wenn im Rahmen der betrieblichen Tätigkeit Personen- oder Sachschäden verursacht werden. Entscheidend ist dabei nicht der Arbeitsort, sondern der Zusammenhang mit der betrieblichen Tätigkeit.

Schutz auch außerhalb der klassischen Betriebsstätte

Die Betriebshaftpflicht ist nicht auf Schäden im Büro beschränkt. Entstehen Personen- oder Sachschäden im Homeoffice, bei Remote-Arbeit oder bei externen Einsätzen, kann der Versicherungsschutz greifen, sofern die Tätigkeit dem Unternehmen zuzuordnen ist. Das gilt auch dann, wenn Mitarbeitende oder beauftragte Dritte außerhalb der eigenen Räume arbeiten.

Für Unternehmen bedeutet das: Flexible Arbeitsmodelle schließen den Schutz der Betriebshaftpflicht nicht aus – sie erweitern jedoch die Situationen, in denen geprüft werden muss, ob und in welchem Umfang Versicherungsschutz besteht.

  • Schadenersatzansprüche können die wirtschaftliche Existenz Ihres Unternehmens gefährden. Die Betriebshaftpflichtversicherung von Hiscox schützt Sie bei Personen- und Sachschäden - inklusive daraus entstehender Vermögensfolgeschäden.

Was die Betriebshaftpflicht abdeckt – und was nicht

Typischerweise übernimmt die Betriebshaftpflicht:

Schaden-/Risikotyp

Betriebshaftpflicht (BHV)

Hinweis

Personenschäden
  • Ja
Ansprüche Dritter aus betrieblicher Tätigkeit
Sachschäden an fremdem Eigentum
  • Ja
Drittschaden, betrieblicher Zusammenhang
Vermögensfolgeschäden 
  • Ja
Als Folge eines Personen-/Sachschadens
Reine Vermögensschäden
  • Nein
Alternative: Berufs-/Vermögensschadenhaftpflicht
Eigenschäden an Sachen
  • Nein
Alternative: Sachversicherung/
Cyber-/Datenschäden
  • Nein
Alternative: Cyberversicherung

Gilt das auch bei Freelancern?

Im Grundsatz ja, aber nicht automatisch. Auch bei Freelancern kann die Betriebshaftpflicht des Unternehmens greifen, wenn der Schaden im Zusammenhang mit einer betrieblichen Tätigkeit entsteht und das Unternehmen als Auftraggeber in Anspruch genommen wird. Anders als bei Mitarbeitenden hängt der Versicherungsschutz jedoch stärker davon ab,

  • wie der Freelancer vertraglich eingebunden ist,
  • ob er nach außen im Namen des Unternehmens auftritt,
  • und wie klar Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten geregelt sind.

Je stärker ein Freelancer in Abläufe, Projekte oder Kundenschnittstellen integriert ist, desto eher kann das Unternehmen als haftender Ansprechpartner gelten. Davon hängt ab, wie weit der Versicherungsschutz der Betriebshaftpflicht relevant wird.

Zwischenfazit: Welche Rolle spielt die Betriebshaftpflicht bei Remote-Arbeit und neuen Arbeitsmodellen? 

Die Betriebshaftpflicht bleibt auch bei Remote-Arbeit, Homeoffice und bei Freelancern ein zentrales Absicherungsinstrument. Unternehmen sollten jedoch prüfen, ob der bestehende Versicherungsschutz zur tatsächlichen Arbeitsorganisation passt und durch weitere Versicherungsmodule für Vermögensschäden, Cyber- oder Datenschäden sowie für Eigenschäden sinnvoll ergänzt werden sollte.

Im Beitrag Selbstbeteiligung verstehen erklären wir, wie Selbstbeteiligung wirkt – und wo Sie bewusst Kosten sparen oder Risiko tragen. Finden Sie jetzt heraus, welche Selbstbeteiligung zu Ihrem Unternehmen passt.

Wie können Sie Haftungsrisiken präventiv reduzieren?

Haftungsrisiken bei Homeoffice, Remote Work und dem Einsatz von Freelancern können gezielt reduziert werden, wenn Organisation, Verantwortlichkeiten und Versicherungsschutz zusammen gedacht werden. Prävention beginnt bei klaren Regeln, strukturierten Prozessen und einer vorausschauenden Absicherung.

Klare Regelungen für Arbeitsorte und Arbeitsmittel

Definieren Sie transparent, wo und unter welchen Voraussetzungen Homeoffice und Remote-Arbeit erlaubt sind. Klare Regelungen zu Homeoffice und Remote-Arbeit sind wichtig, weil sie im Schadenfall helfen zu klären, ob eine Tätigkeit betrieblich veranlasst war. Nur wenn eindeutig ist, dass Arbeit im Rahmen der vereinbarten Arbeitsform stattgefunden hat, lassen sich Verantwortung und Versicherungsschutz sauber zuordnen.

Legen Sie fest, welche Arbeitsmittel genutzt werden dürfen und wer für deren Bereitstellung, Wartung und Nutzung verantwortlich ist. So lassen sich Schäden besser einordnen: handelt es sich um einen betrieblichen Sachschaden, einen privaten Schaden oder um einen Drittschaden. Klare Vorgaben schaffen damit Rechtssicherheit und vermeiden Diskussionen mit Geschädigten, Vermietern oder Versicherern.

Zuständigkeiten eindeutig festlegen

Unklare Verantwortlichkeiten gehören zu den häufigsten Ursachen für Haftungsprobleme. Legen Sie fest:

  • Wer gibt fachlich frei
  • Wer dokumentiert
  • Wer tritt gegenüber Kunden oder Dritten verantwortlich auf

Das gilt sowohl für Mitarbeitende als auch für Freelancer. Je klarer diese Rollen definiert sind, desto einfacher ist die Einordnung im Schadenfall.

Versicherungsschutz regelmäßig überprüfen

Neue Arbeitsmodelle verändern Risiken. Prüfen Sie deshalb regelmäßig, ob Ihre Betriebshaftpflicht noch zur tatsächlichen Arbeitsweise passt. Dies gilt besonders bei:

  • Häufigem Homeoffice
  • Remote-Arbeit (In- bzw. Ausland)
  • Verstärktem Einsatz externer Freelancer

Der Versicherungsschutz beruht immer auf bestimmten Annahmen zur Arbeitsweise. Wenn sich diese Annahmen ändern, kann es zu Lücken kommen. Häufiges Homeoffice, Remote-Arbeit und der Einsatz von Freelancern erweitern die Risikoradius eines Unternehmens: Schäden entstehen an neuen Orten, durch neue Beteiligte oder in ungewohnten Konstellationen. Wird der Versicherungsschutz darauf nicht überprüft, besteht das Risiko, dass Schäden zwar haftungsrechtlich dem Unternehmen zugerechnet werden, versicherungstechnisch aber nicht oder nur eingeschränkt abgesichert sind

Dokumentation und Sensibilisierung

Im Schadenfall zählt nicht nur, was passiert ist, sondern auch wie es dazu gekommen ist. Ohne Dokumentation lässt sich oft nicht mehr nachvollziehen, wer verantwortlich war. Eine saubere Dokumentation schafft Klarheit über Zuständigkeiten und Abläufe und hilft, Verantwortung korrekt zuzuordnen. Sensibilisierte Mitarbeitende erkennen typische Risikosituationen frühzeitig und handeln sorgfältiger. So lassen sich viele Schäden bereits im Vorfeld vermeiden oder zumindest begrenzen.

Zwischenfazit: Wie können Sie Haftungsrisiken präventiv reduzieren?

Haftungsrisiken entstehen oft durch Unklarheit. Wenn Arbeitsmodelle, Zuständigkeiten und Abläufe klar geregelt sind, lassen sich Schäden besser vermeiden und im Ernstfall eindeutig einordnen.

Fazit: Was sollten Unternehmen jetzt konkret prüfen? Inkl. Checkliste

Homeoffice, Remote Work und der Einsatz von Freelancern sind fester Bestandteil moderner Arbeitsorganisation. Damit entstehen mehr Haftungssituationen, die bewusst gestaltet werden sollten. Für Unternehmen in Deutschland gelten dabei klare haftungsrechtliche Grundsätze, unabhängig vom Arbeitsort. Überprüfen Sie Ihre Arbeits-Organisation, Verantwortung und Versicherungsschutz regelmäßig. So reduzieren Sie Risiken deutlich und schaffen Sicherheit für den Alltag. Damit Sie jetzt systematisch Ihre Haftungsrisiken bei den neuen Arbeitsformen prüfen können, haben wir für Sie eine ausführliche Checkliste für die Praxis erstellt.


Checkliste: Haftungsrisiken bei neuen Arbeitsformen systematisch prüfen

1. Arbeitsmodelle & Rahmenbedingungen

    Ist klar definiert, wer Homeoffice oder Remote Work nutzen darf und in welchem Umfang?
    Gibt es Regelungen für Remote-Arbeit im Ausland (auch zeitweise)?
    Sind erlaubte Arbeitsorte und deren Voraussetzungen eindeutig beschrieben?
    Ist festgelegt, welche Arbeitsmittel (Geräte, Software) genutzt werden dürfen?
Warum wichtig? Nur klar geregelte Arbeitsmodelle lassen sich im Schadenfall eindeutig dem Unternehmen zuordnen. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für Haftung und Versicherungsschutz.

2. Verantwortlichkeiten & Organisation

    Sind Zuständigkeiten für fachliche Freigaben, Entscheidungen und Kontrolle eindeutig geregelt?
    Ist klar, wer gegenüber Kunden oder Dritten verantwortlich auftritt?
    Sind Prozesse für Änderungen, Eskalationen und Abweichungen dokumentiert?
Warum wichtig? Unklare Zuständigkeiten gehören zu den häufigsten Ursachen für Haftungsprobleme, besonders bei Remote-Arbeit und verteilten Teams.

3. Freelancer & externe Dienstleister

    Sind Aufgaben, Leistungsumfang und Verantwortlichkeiten vertraglich sauber definiert?
    Ist geklärt, wie stark Freelancer in Prozesse und Kundenschnittstellen eingebunden sind?
    Sind Freelancer in der Betriebshaftpflichtversicherung integriert?
Warum wichtig? Weil bei Freelancern die Abgrenzung der Verantwortung nicht automatisch klar ist. Es muss nachvollziehbar sein, wer wofür zuständig war und ob der Versicherungsschutz dafür passt.

4. Versicherungsschutz

    Deckt die Betriebshaftpflicht Personen- und Sachschäden auch außerhalb der Betriebsstätte ab?
    Sind Vermögensfolgeschäden als Folge von Personen- oder Sachschäden berücksichtigt?
    Besteht bei Bedarf zusätzlicher Schutz für reine Vermögensschäden?
    Sind neue Risiken (z. B. Remote-Zugriffe, Datenverarbeitung) ausreichend berücksichtigt?
Warum wichtig? Weil Versicherungsschutz auf Annahmen über den Arbeitsalltag basiert. Ändert sich die Arbeitsweise, sollten diese Annahmen überprüft werden.

5. Dokumentation & Sensibilisierung

    Werden Freigaben, Änderungen und Zuständigkeiten nachvollziehbar dokumentiert?
    Wissen Mitarbeitende, welche Tätigkeiten haftungsrelevant sein können?
    Gibt es eine Grundsensibilisierung für Risiken im Homeoffice und bei Remote-Arbeit?
Warum wichtig? Dokumentation schafft Klarheit im Schadenfall. Sensibilisierung hilft, Schäden überhaupt zu vermeiden.

 

FAQs: Haftungsrisiken bei Homeoffice, Remote Work & Freelancern

Haftet ein Unternehmen für Schäden im Homeoffice?

Ja. Entsteht ein Schaden im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit, kann das Unternehmen auch dann haften, wenn der Schaden im Homeoffice oder außerhalb der Betriebsstätte passiert.

Sind Schäden im Homeoffice automatisch durch die Betriebshaftpflicht versichert?

Nicht automatisch. Die Betriebshaftpflicht greift bei Personen- und Sachschäden an Dritten sowie bei daraus entstehenden Vermögensfolgeschäden. Reine Vermögensschäden oder Eigenschäden sind in der Regel nicht abgedeckt.

Macht es einen Unterschied, ob Homeoffice erlaubt oder geduldet ist?

Ja. Klare Regelungen erleichtern im Schadenfall die Einordnung, ob eine Tätigkeit betrieblich veranlasst war. Unklare oder informelle Absprachen können zu Abgrenzungsproblemen führen.

Gilt die Betriebshaftpflicht auch bei Remote-Arbeit im Ausland?

Grundsätzlich kann sie gelten, der konkrete Versicherungsschutz hängt jedoch vom Vertrag ab. Gerade bei längerem Arbeiten im Ausland sollten Unternehmen prüfen, ob der Schutz räumlich ausreichend geregelt ist.

Haftet ein Unternehmen auch für Fehler von Freelancern?

Das ist möglich. Entscheidend ist, wie stark der Freelancer in Prozesse eingebunden ist und ob er im Namen des Unternehmens auftritt. Für Dritte zählt vor allem, wer Auftraggeber der Tätigkeit ist.

Reicht die Betriebshaftpflicht bei Freelancern aus?

Nicht immer. Die Betriebshaftpflicht deckt klassische Personen- und Sachschäden ab. Für reine Vermögensschäden kann zusätzlich eine Berufs- oder Vermögensschadenhaftpflicht erforderlich sein – entweder beim Freelancer oder beim Unternehmen.

Können Mitarbeitende für Schäden persönlich haftbar gemacht werden?

Gegenüber Dritten haftet in der Regel das Unternehmen. Ein interner Regress gegen Mitarbeitende kommt nur in Ausnahmefällen in Betracht, etwa bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit.

Warum ist Dokumentation bei Remote-Arbeit so wichtig?

Weil im Schadenfall nachvollziehbar sein muss, wer entschieden, freigegeben oder gehandelt hat. Dokumentation hilft, Verantwortung korrekt einzuordnen und Versicherungsschutz geltend zu machen.

Was sollten Unternehmen jetzt konkret tun?

Arbeitsmodelle klar regeln, Verantwortlichkeiten definieren, den Einsatz von Freelancern sauber organisieren und regelmäßig prüfen, ob der Versicherungsschutz zur tatsächlichen Arbeitsweise passt.

Marc Thamm, Product Head Technology & General Liability bei Hiscox

Autor: Marc Thamm, Product Head Technology & General Liability

Experte für IT-Risiken & Versicherungslösungen für die Digitalwirtschaft

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Marc Thamm ist seit über drei Jahrzehnten in der Versicherungsbranche tätig – mit einem klaren Schwerpunkt auf IT-Risiken seit 2004. Seit 2013 bringt er seine umfassende Erfahrung bei Hiscox ein, wo er als Product Head Technology & General Liability innovative Versicherungslösungen für Unternehmen aus der IT-, Media- und Digitalwirtschaft entwickelt.

Mit seinem tiefen Verständnis für technologische Geschäftsmodelle und branchenspezifische Herausforderungen sorgt Marc dafür, dass moderne Risiken zeitgemäß und praxisnah abgesichert sind. In den Business Tipps & Insights von Hiscox schreibt er unter anderem über das komplexe Thema Projekt-Risiken – und wie sich diese durch gezielte Absicherung und Prävention erfolgreich managen lassen.

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