Oldtimer-Betrug: Beispiele und Tipps zum SchutzGerade in der Oldtimer-Szene gilt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn für viele Liebhaber stellen ihre wertvollen Klassiker auch eine Geldanlage dar. Dies lockt Betrüger auf den Markt, die von den hohen Werten der Auto-Schätze profitieren und mit manipulierten Fahrzeugen Millionengewinne erzielen wollen. Achtung, Oldtimer-Betrug! Die Nachahmungen sind mittlerweile in Deutschland verbreitet.

Fälschungen von Bauteilen, Papiere und Co.: So kann Oldtimer-Betrug aussehen

  • Baugleiche Fahrzeuge ohne Historie werden auf ein anderes Baujahr oder eine andere Seriennummer umgemünzt und gewinnen somit an Wert. Erkennbar sind solche Fakes an der gefälschten Fahrgestellnummer.
  • Betrüger nutzen Original-Kfz-Briefe oder originale Fahrzeugidentifikationsnummern von Topmodellen und fertigen teilweise oder sogar komplette Nachbauten passend zu den Originalen an. Ähnlich wie gefälschte Bilder tauchen klassische Fahrzeuge als Scheunenfund wieder auf und werden als lang verschollenes Original angepriesen.
  • Kriminelle fälschen Papiere oder erwirken unter einem Vorwand, dass sie falsche Papiere von offizieller Stelle ausgestellt bekommen.

Bekannte Beispiele für Oldtimer-Betrug und Fälschungen

  • Oldtimer-Fälscher verwandeln ein 1973er Porsche-F-Modell (Typ T, E oder S) in einen seltenen Carrera ­ RS 2,7 und können den Verkaufswert damit auf bis zu eine Million anheben.
  • Originale des Mercedes SSK werden zwischen fünf und sechs Millionen Euro gehandelt. Inzwischen hat sich der Bestand dieser ab 1929 gebauten Rennfahrzeuge mittlerweile mehr als verdoppelt.

Aus eigener Erfahrung: Fälschung nicht erkannt

Auch ich habe eine herbe Enttäuschung erlebt: Ich habe zu einem guten Preis einen Citroen XM von 1992 gekauft, mitsamt Fahrzeugschein und -brief und dokumentiert mit einem Kaufvertrag. Etwas stutzig machte mich, dass ich nur einen Fahrzeugschlüssel bekam. Aber bei einem Klassiker ist das nicht außergewöhnlich.

Einige Monate später stellte sich heraus, dass ich den Citroen nicht behalten durfte! Der ursprüngliche Besitzer hatte es als gestohlen gemeldet – ein Versicherungsbetrug. Und sein Bekannter hatte unter dem Vorwand, der Besitzer zu sein und seine Papiere verloren zu haben, neue Papiere ausstellen lassen. Dieser Fall zeigt, wie leicht man auf die Betrugsmaschen hereinfallen kann – auch trotz Fachwissen. Hier erhalten Sie Tipps, wie Sie das Risiko eines Oldtimer-Betrugs reduzieren können:

Oldtimer: Original oder Fälschung? Tipps zur Unterscheidung

„Weil echte Oldtimer oft restauriert sind und damit ganz legal in ihre originale Struktur eingegriffen wurde, ist es wahnsinnig schwer, herauszufinden, ob es sich um Fälschungen handelt. Dazu muss man ganz tief ins Material schauen“, erklärt der gelernte Fahrzeug-Restaurator Sebastian Hoffmann in einem Fachbeitrag zu Oldtimer-Bluff (Leiter der Abteilung Classic Competence bei der TÜV Rheinland-Tochter FSP).

Mit diesen Maßnahmen können zumindest grobe Formen von Oldtimer-Betrug auffliegen:

Tipp 1: Recherche über den Verkäufer

Eine grobe Internet-Recherche liefert Ihnen erste Anhaltspunkte über den Verkäufer. Sind keine Informationen wie Festnetznummer oder Website zu finden, kann dies ein Indiz für Oldtimer-Betrug sein.

Tipp 2: Recherche über das Fahrzeug

Bei seltenen Fahrzeugen ist es hilfreich, vorab die Eckdaten zu recherchieren. Gibt es beispielsweise Unstimmigkeiten bei der Zahl der gebauten Fahrzeuge und der Zahl der Fahrzeuge, die angeboten werden, ist Vorsicht geboten. Suchen Sie bei Ihrer Recherche auch nach historischen Original-Fotografien. Sie sind extrem aufschlussreich und können einen Oldtimer-Betrug entgegenwirken.

Tipp 3: Kaufentscheidung ohne Zeitdruck

Käufer sollten sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen, sondern ausreichend Zeit haben, das Angebot zu prüfen und bei offiziellen Stellen nachzufragen. Seriöse Verkäufer unterstützen diesen Prozess.

Tipp 4: Check der Papiere

Alle relevanten Papiere und auch frühere Reparatur-Rechnungen sollten vorhanden sein – dies ist aber keine Garantie, denn Dokumente können leicht gefälscht werden. So ist es jedoch leichter, bei offiziellen Stellen wie dem Hersteller, Markenclub oder Markenwerkstätten nachzufragen.

Tipp 5: Besichtigungstermin

Nicht selten versuchen Autofälscher auch Anzahlungen für Fahrzeuge zu erhalten, die angeblich noch im Ausland sind – eine unseriöse Vorgehensweise. Ein kostenfreier Besichtigungstermin sollte immer möglich sein.

Tipp 6: Gutachter-Einschätzung

Im Zweifel sollte Sie einen Gutachter beauftragen, der Veränderungen mittels moderner Analysemethoden nachweisen kann.

Die häufigsten Verfahren zur Identifikation von Originalen

  • Spektralanalyse: Mit Hilfe eines sogenannten Funkenspektrometers kann Stahlblech analysiert und so unterschiedlichen Epochen zugeordnet werden. Neu aufgebaute oder veränderte Fahrzeuge können auf diesem Weg zweifelsfrei identifiziert werden.
  • Magnetoptik: Gefälschte Fahrzeugidentifikationsnummern können mit diesem Verfahren identifiziert werden. Die Methode kann Unregelmäßigkeiten im Materialgefüge finden, die auf Fälschungen hindeuten. Dabei dringt ein sehr starkes Magnetfeld tief in das Material ein.
  • Röntgen: Mit der Durchstrahlung des Blechs können großflächige Veränderungen oder nachträgliche Schweißarbeiten sichtbar gemacht werden.

Dennoch gilt: Nicht jeder kann ein seriöses Gutachten erstellen. Käufer sollten nur auf zertifizierte Gutachter zurückgreifen und auch hier sorgfältig recherchieren. Informationen dazu finden Sie auch in unserem Blogbeitrag Oldtimer-Gutachten.

Classic Cars Blog Autor Rainer PeukertAutor dieses Beitrags:

Rainer Peukert hat sich schon in jungen Jahren in die Technik und das Design von Oldtimern verliebt – vor allem in die Schätze der Vorkriegszeit. Im Classic Cars Blog schreibt er Beiträge zu spannenden Themen wie hier zu Oldtimer-Betrug, bringt Erfahrungswert mit und gibt Tipps.