Spätestens seit Beginn der zweiten Staffel von „Die Höhle der Löwen“ wissen nicht nur Unternehmensgründer, wie schwierig (oder manchmal auch einfach) es sein kann, Investoren von der eigenen Geschäftsidee zu überzeugen. Die Möglichkeit, das eigene Unternehmen mit Hilfe von Venture Capital Gebern zu finanzieren, scheinen viele Deutsche dennoch nicht auf dem Schirm zu haben. Oder liegt es doch daran, dass die Chancen auf Erfolg einfach als zu gering eingeschätzt werden?

Finanzierung über Banken und Kreditkarten

Laut des Hiscox DNA of an Entrepreneur Reports 2015 haben sich in den letzten 12 Monaten nur 3 Prozent der Teilnehmer um Venture Capital bemüht. Dieser Anteil liegt zwar leicht über dem globalen Wert von 2 Prozent, ist aber dennoch sehr gering im Vergleich zu den Finanzierungsanfragen an Banken (19 Prozent). Neben Banken gehören die Nutzung der eigenen Kreditkarte (16 Prozent) und finanzielle Unterstützung durch Freunde und Familie (12 Prozent) zu den häufigsten Arten der (Klein-) Unternehmensfinanzierung. Fördermittel von der EU oder Bundesregierung wurden von jeweils 5 Prozent der Befragten beantragt, während eine Hypothek, Crowdfunding/Peer-to-Peer Lending nur bei jeweils 4 Prozent der Teilnehmer in Betracht gezogen wurde.

Ob diese Erkenntnis mal wieder für die Vorliebe der Deutschen für Sicherheit und Planbarkeit spricht? Weit gefehlt. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass auch die Engländer (11 und 13 Prozent), die Amerikaner (13 und 21 Prozent), die Franzosen (22 und 8 Prozent) und die Spanier (25 und 21 Prozent) die Finanzierung durch Banken und die eigene Kreditkarte bevorzugen. Die Anzahl derjenigen, die ihr Glück bei Venture Capital Gebern, Crowdfunding Plattformen oder der Regierung probieren, ist durchweg sehr gering.

Warum klappt’s nicht mit dem Venture Capital?

Auf die Frage hin, warum er für sein Unternehmen Fastbill kein Kapital aufgenommen hätte, erwidert CEO Christian Häfner trocken: „Es ist nicht so, als ob wir’s nicht probiert hätten. Keiner wollte uns Geld geben. Das ist die bittere Wahrheit.“ Beim Pitch um Unternehmensfinanzierung kommt es eben doch nicht nur auf ein tolles Team und das richtige Maß an Motivation an.

Seit der Gründungsphase und der ersten Unternehmerjahre hat Christian Häfner allerdings einiges dazugelernt. „Mittlerweile weiß ich, warum wir nicht finanziert wurden. Nicht jede Geschäftsidee ist finanzierenswert; zumindest nicht in der frühen Phase. Der Markt muss da sein und das Potenzial, das Geld der Investoren auch auszugeben; und zwar so, dass am Ende mehr Geld dabei raus springt.“ Bei Fastbill war dies zunächst nicht der Fall. Doch das Unternehmen ist ein gutes Beispiel dafür, dass Durchhaltevermögen, Lernfähigkeit und der Wille, die eigenen Geschäftsidee ständig weiter zu verbessern und zu optimieren, letztendlich zum Sieg führen können.

„Mittlerweile sprechen uns VCs an und ICH bin derjenige, der überlegt, wo ich das angebotene Geld am besten anlegen könnte, um den Gewinn zu steigern“, so Christian Häfner.

Selbst falls Sie als Unternehmer die Chancen auf eine Kapitalspritze durch Venture Capitalists, Crowdfunding oder alternative Finanzierungsmöglichkeiten – wie zum Beispiel Fintech Angebote – eher als gering einschätzen oder bisher einfach nicht auf dem Schirm hatten: einen Versuch ist es allemal wert. Denn auch wenn die Ergebnisse der Hiscox DNA of an Entrepreneur Studie klar zeigen, dass Bankkredite und die eigene Kreditkarte die beliebtesten Finanzierungsangebote sind, können alternative Methoden oftmals viele Vorteile mit sich bringen.