Kommentar-Spam, Symbolfoto GraffitiKommentar-Spam erkennt doch jeder sofort! Ja, wenn es sich um eindeutigen Spam handelt. Aber die Spam-Kommentatoren, die sich „wirklich richtig Mühe geben, authentisch zu wirken“, rutschen bei den meisten Blogbesitzern durch – und der Kommentar-Spam erscheint öffentlich sichtbar im Blog. Besonders Corporate Blogs sind vielfach betroffen, weil sich die Redakteure meistens recht unbedarft bei Kommentar-Spam verhalten. Sie freuen sich über jeden Kommentar im Blog, der positiv erscheint und schalten diesen gern frei.

Ich möchte gern meine zehnjährige Erfahrung mit Kommentar-Spam weiter geben, damit Ihnen das nicht mehr passiert. Sie erfahren, wie Sie Kommentar-Spam besser erkennen können, welche Spam-Kommentare kritisch sind und was Sie tun können. Denn gar keine Kommentare zuzulassen ist definitiv keine Lösung. Kommentare sind wichtig für Leser-Feedback, Rückfragen oder eine erste Kontaktaufnahme. Auch wenn Kommentare sich mittlerweile auf die Social Media Kanäle verlagern, sollte man auf das Angebot für den Leser, etwas direkt zum Artikel kommentieren zu können, nicht verzichten.

Ein gutes Kommentar-Spam-Plugin kann Wunder bei der Bearbeitung von Kommentaren wirken und die Arbeit erleichtern! Dazu ein kritischer Blick und die Spammer haben keine Chance mehr, einen kostenlosen Backlink von Ihnen zu ergattern. Denn meistens geht es nur darum, bestimmte Links in einem thematisch passenden Umfeld zu platzieren. Es geht den Spammern nicht darum, Feedback zu geben, eine Rückfrage zu stellen oder um Beziehungspflege und Freundlichkeit. Beginnen wir mit der Technik gegen Kommentar-Spam.

Ein Plugin gegen Kommentar-Spam für WordPress

Nutzen Sie am besten nicht (!) Akismet, das bei der WordPress Installation schon dabei ist. Löschen Sie es, wenn Sie datenschutzrechtliche Bedenken haben: Akismet überträgt die Kommentar-Daten (IP-Adresse, Browser, E-Mail-Adresse, Name, Kommentar) ungekürzt an US-amerikanische Server – mehr Info zur erforderlichen Datenschutzerklärung. Desweiteren ist Akismet für den professionellen und beruflichen Einsatz kostenpflichtig. Man macht sich also strafbar (Verletzung der Lizenzbedingungen bei der unerlaubten kostenlosen Nutzung), wenn man ein Blog mit kommerziellem Hintergrund hat.

Ich nutze und empfehle Antispam Bee, da es datenschutzkonform läuft und kostenlos für jeden privaten und kommerziellen Einsatzzweck erlaubt ist. Sie können auch andere Tools nutzen, solange diese ebenso datenschutzkonform sind und Sie sich an die Lizenzrechte halten.

Einstellungen für WordPress: Kommentare und Blacklisting

Kommentar Spam: Moderation und BlacklistWenn die Spam-Kommentare bei einem bestimmten Artikel akut zunehmen, dann hilft die Maßnahme „Kommentare für einen Artikel abschalten“. Rufen Sie den Artikel im Modus „Bearbeiten“ auf und scrollen Sie nach unten, bis Sie den Reiter „Diskussion“ finden. Hier wählen Sie „Kommentare erlauben“ ab.

Wenn Sie keinen Reiter „Diskussion“ finden sollten, scrollen Sie wieder ganz nach oben und klicken auf den Button „Ansicht anpassen“. Aktivieren Sie mittels Klick das Kästchen vor „Diskussion“. Nun wieder nach unten scrollen und schon ist die Einstellungsmöglichkeit sichtbar.

Kommentar Spam: Moderation und BlacklistFällt Ihnen bei den unerwünschten Spam-Kommentaren etwas auf? Handelt es sich immer um dieselbe IP oder dieselbe E-Mail-Adresse oder ein anderes sich wiederholendes Merkmal?

Blacklisting, also das Sperren bestimmter Zeichenketten (die in den Kommentaren vorkommen), ist schon mit Bordmitteln möglich! Rufen Sie in der Administrationsoberfläche „Einstellungen -> Diskussion auf, dort finden Sie zwei Felder, in denen Sie eine Kommentarmoderation anordnen können oder die Markierung als Spam, wenn bestimmte Wörter auftauchen.

Meine Empfehlung: Kommentare nie automatisch freigeben, immer händisch kontrollieren und freigeben. Auf derselben Einstellungsseite ist (weiter oben) die Einstellung „Bevor ein Kommentar erscheint, … [X] muss der Kommenar manuell genehmigt werden.“ Dieses Kästchen habe ich grundsätzlich aktiviert.

Wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind, werden schon viele Kommentare richtig eingeordnet, doch einige bleiben immer noch übrig, die man händisch in den Spam aussortieren muss.

Sie haben ein anderes Content Management System als WordPress im Einsatz? Auch hier kann Kommentar-Spam auftreten und sollte mit den entsprechenden Mitteln bekämpft werden können.

Eindeutiger Kommentar-Spam ist gut erkennbar

Den „richtig schlechten Spam“ kennt und erkennt jeder Blogger und hat ihn mindestens schon einmal gehabt. Fremdsprachliche Kommentare (englisch auf deutschsprachigem Blog), Spam mit Erwähnung eines Potenzmittels, Links auf illegale Seiten (Porn, Casinospiele und ähnliches) oder einfach nur die Aneinanderreihung wirrer Buchstaben. Normalerweise sollte so etwas schon das Plugin erkennen, das sie gegen Spam installiert haben. Auf Beispiele verzichte ich an dieser Stelle gern.

Auch Hilfsangebote (vorwiegend auf englisch) zur Verbesserung und Optimierung der Website sind nicht ernst gemeint. Schönes Beispiel, von dem ich nur einen Auszug zitiere:

Hello Web Admin, I noticed that your On-Page SEO is is missing a few factors, for one you do not use all three H tags in your post, also I notice that you are not using bold or italics properly in your SEO optimization. […]

Handlungsempfehlung: Nicht lange fackeln, sondern sofort als Spam markieren und falls der Kommentar auch noch Code (skriptartige Zeichenketten) enthält, dann im Anschluss auch sofort aus dem Spamordner löschen.

Scheinbar einfach freundlicher Kommentar – es ist dennoch Spam

Neulich habe ich einen lobenden Kommentar bekommen, bei dem man sich zunächst gar nichts Böses denken würde.

Ich wünsche Dir ein fröhliches und gesundes Neujahr mit vielen erfüllten Wünschen. Super Blog. Mach weiter so.
Gruß, Autoankauf XYZ

Warum bin ich darauf gekommen, dass es Spam ist?

  1. Kein inhaltlicher Bezug: Der Kommentar ging nicht individuell auf den Artikeltext ein, es war ein Nullachtfünfzehn-Kommentar, den man schnell aus der Zwischenablage in diverse Kommentarfelder verschiedener Blogs kopieren kann.
  2. Google-Suchergebnis: Diesen Kommentar habe ich (mit Schreibfehler, den ich oben korrigiert habe) bei Google eingegeben. Ich bekam über 30 Suchtreffer. Ein gutes Indiz für Massenkommentar-Spam.
  3. Die Branche: Ein Autoblog bekommt einen Kommentar von einem Autoverkäufer. Jemand hat also ein finanzielles Interesse daran, einen Link zu platzieren.
  4. Landingpage: Als Absender-Internetadresse wurde keine Blogadresse, keine Startseite sondern eine für den Kommentator relevante Zielseite angegeben. Beispiel: www.autofirmenname.de/autoankauf-muenchen/

Handlungsempfehlung: Markieren Sie diesen wertlosen Kommentar, der kostenlos einen Backlink auf seine Wunsch-Seite haben möchte, als Spam! Weg mit dem SEO-Kommentar-Spam.

Differenzieren Sie bei thematisch passenden Hinweisen auf andere gute Blogartikel! Das ist durchaus legitim und bringt einen Mehrwert für den Leser. Grundsätzlich kann man sagen, dass werbliche Links mit Verkaufsabsicht mit Vorsicht freizuschalten sind und redaktionelle Artikel glaubwürdiger sind – was die Authentizität des Kommentars angeht.

Gute Kommentare mit Spam-Links – was tun?

Sind Sie sich unsicher, ob der Link nun zu werblich ist, der Kommentar ist aber wirklich gut und passend? Sie sind nicht verpflichtet, einen Kommentar unbearbeitet freizuschalten.

Handlungsempfehlung: Wenn der Kommentar wirklich so gut ist, dass Sie ihn freischalten möchten, dann löschen Sie den aufdringlichen Spam-Link komplett heraus.

Gute Kommentare mit Markennennung und Spam-Links

Ein Kommentar-Spam-Beispiel in einem Artikel für Saugroboter. Der Kommentar-Link ging zu einer Verkaufsseite für Mähroboter:

Einen Saugroboter lege ich mir nicht zu, das Saugen schaffe ich zeitlich noch.
Meinen ***** Mähroboter (Marke entfernt, die Redaktion) möchte ich jedoch nicht mehr missen. […]

Handlungsempfehlung: Wenn zum Spam-Link noch Markennamen vorkommen, anonymisieren Sie den Kommentar (gekennzeichnet) und löschen den eingetragenen Link.

Gute Kommentare, schlechte Kommentare

Wenn Sie sich mal komplett unsicher sind, schalten Sie lieber einen Kommentar zu wenig frei, als einen zu viel. Die beste Lösung ist in diesem Fall, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt. Bei vielen Corporate Blogs, zu denen ich Zugang ins Backend habe, beobachte ich, dass die Frequenz des Kommentar-Spams unterschiedlich sein kann. Fürchterlich kann es werden, wenn ein „fieser Spam-Kommentar“ durchgerutscht ist und die Kommentar-Spam-Bots sich auf diesen Artikel stürzen. Denn zumeist sind es Skripte, die Kommentar-Spam in Blogs automatisiert eintragen.

Manchmal weiß ich jedoch nicht, ob ich den händisch eingetragenen Kommentar-Spam nicht noch schlimmer finde. Denn da sitzt ein Mensch und hämmert als SEO-Maßnahme mit purer Absicht seine Links unter die Blogartikel. Und hofft darauf, dass man darauf hereinfällt und diesen Kommentar freischaltet.

In diesem Sinne, bleiben Sie aufmerksam und moderieren Sie Ihre Kommentare mit offenen Augen – immer auf der Hut, ob das nicht vielleicht doch Kommentar-Spam sein könnte.

 

Nicole Y. JodeleitAutorin dieses Beitrags:

Nicole Y. Jodeleit ist Freiberuflerin für Online-Kommunikation und schreibt auf verschiedenen Corporate Blogs über unterschiedliche Themen. Auf dem eigenen Blog Auto-Diva hat sie ihr Interesse für Autos und Technik zur Passion gemacht.