Bots für Chats sind an sich ja gar nichts Neues. Schon vor einiger Zeit sind sie uns begegnet. Sie wurden nur noch nicht so genannt. Microsoft Office-Benutzer kennen Karl Klammer nur zu gut: vom genervten Wegklicken oder Deaktivieren in den Einstellungen. Die Nachfolgerin in Windows 10 ist die Assistentin Cortana. Sie reagiert auf „Hey, Cortana“. Moment, das kennen wir doch vom iPhone und iPad: „Hey, Siri!“

Weiterhin halten die virtuellen Assistenten mit künstlichem Ohr und Stimme ebenso Einzug im Automobil. Navigationssysteme mit Spracheingabe sind die Vorreiter gewesen. Begonnen hat es mit exakt formulierten „Befehlen“, die vom Nutzer beherrscht werden mussten. Mittlerweile extrahiert der Bot im Automobil die wichtigen Schlüsselwörter besser, so dass ein freieres und damit natürlicheres Sprechen möglich ist.

Alle Assistenten oder Bots (die mir bisher „öffentlich“ begegnet sind) haben die Gemeinsamkeit, dass sie einfache Fragen beantworten können. Sobald die gestellte Frage zu komplex wird, versagen die meisten Bots. Künstliche Intelligenz bei Bots? Davon sind wir im Alltag noch weit entfernt. Doch lohnt es sich, mal zu schauen, wie weit der Stand der Technik ist. Und vielleicht macht es ja sogar Spaß, seinen eigenen Chatbot zu haben. Das ist heutzutage durchaus möglich. Später mehr dazu.

Eingeschränkte Bots

Jeder Bot ist nur so gut wie seine Programmierung. Wenn ich als Anbieter von Services meine Bots erstelle, die im Grund genommen nur eine Aufgabe haben, dann ist es wesentlich einfacher, gute User Experience zu erzielen. Beispielsweise bei einer Reisebuchung. Da sind die Schritte ziemlich genau vorgegeben. Wenn ich die vorgegebene Szenerie verlasse, dann wird mir der Bot nicht weiter helfen können. Aber das ist ja bisher auf den Webseiten genau so, dass ich bei Amazon beim Kauf eines Koffers auch keine Reisen buchen kann und ebenso wenig wie bei TUI ein passendes Sommerkleid zum Urlaub oder eine Kamera. Damit kann man (noch) ganz gut leben. Wobei es natürlich unpraktisch ist, wenn man für unterschiedliche Anforderungen immer wieder einen neuen, einen anderen Bot braucht. So habe ich immer mehr und mehr Apps auf meinem Smartphone, die zwar auf Spracheingabe reagieren, aber fortschrittlich ist anders.

Reisebuchung mit einem Bot (animiertes GIF)

Bots der Gegenwart

Twitter Bots

Nicht immer ganz ernstgemeinte Bots gibt es auf Twitter. Legendär ist der Trottelbot gewesen. Leider twittert er nicht mehr. Dann gibt es Bots, die allerlei Unsinn auf Twitter treiben. Gefüttert mit einem Model (andere Tweets) und von einem Skript im Hintergrund angetrieben, twittern die Bots vor sich hin. Sie antworten, followen zurück und vergeben Herzchen.

Zum Beispiel Quasselbot, Steeph K. Ebooks und Quatschbot. Desweiteren twittern Gegenstände (Smart Home, ziemlich langweilig) und spannend: Bäume. Manchmal können die Bots auch nerven, wenn sie auf ein bestimmtes Wort programmiert sind und dann immer mit demselben Satz antworten. Von „Guten Morgen“ über „Kaffee“ bis zu „Gute Nacht“.

@quasselbot - einer der Bots auf Twitter

 

Weitere – etwas schlauere – Bots

luca.io - einer der neuen Bots

Wenn Luka.ai doch nur schon „richtig“ in Deutschland voll funktionsfähig wäre. Eine App mit vielen Bots, die man ansprechen kann. Für den Bot @Weather kann ich die Location schon ändern. Der Bot @Foodie mag mir aber nur Tipps für San Francisco geben. Auf jeden Fall eine Sammlung von Bots in einer App, die ich per Chat nach unterschiedlichen Dingen fragen kann. Dabei ist das Chatfenster egal. Wird nur vielleicht irgendwann etwas unübersichtlich. Wobei ich bevorzugen würde, dass ich die Bots nicht einzeln auswählen muss. Lieber hätte ich den „Luka“ als alleinigen Ansprechpartner, der seine Helferchen im Hintergrund fragt und mir die Antwort dann direkt gibt.

Bots für Antwortassistenten bei Facebook

Facebook bietet für Facebook-Seiten drei Möglichkeiten, einen Antwort-Bot einzusetzen. Erinnert mich eher an Funktionen aus dem Newsletter oder die Out of Office E-Mail. Der Antwortassistent kann begrüßen, eine Sofortantwort versenden oder mitteilen, dass man gerade nicht da ist. Netter Anfang, aber noch nicht das Optimum. Selbstverständlich kommt es immer darauf an, was man in die selbstformulierten Antworten für einen Textbaustein eingibt, wie nützlich die automatischen Antworten für einen Fragesteller sind.
Zu finden ist die Funktion auf der eigenen Facebook-Seite: Dort auf Menüpunkt Nachrichten klicken und dann beim Text „Nicht erreichbar“ auf den Punkt mit dem „i“ klicken.

Chatbots der Zukunft

Was erwarten wir von den Bots in der Zukunft? Eine App, zum Beispiel ein Messenger meiner Wahl (heutzutage wären das WhatsApp, Slack, Snapchat, Telegram, Skype, ICQ, Hoccer oder …) sollte so pfiffig programmiert sein, dass Befehle an passende Kollegen-Bots durchgereicht werden und Antworten oder Rückfragen wieder in den Messenger geschrieben werden. Bestenfalls verlasse ich die Messenger App überhaupt nicht und kann mich beraten lassen.

Die Bots von unterschiedlichen Anbietern und Firmen präsentieren mir im Messenger eine Auswahl, ich kann nach weiteren Kriterien filtern lassen und treffe schließlich eine Kaufentscheidung. Nun kommt ein weiterer Bot im Hintergrund ins Spiel und schlägt Zahlungsmöglichkeiten vor. Nach erfolgter Zahlung fragt mich der Transportbot, ob ich Nachrichten erhalten möchte, wann mein Paket ankommt. Ideal wäre, wenn der Lieferzeitpunkt mit meinem Kalender abgeglichen werden könnte, ob jemand im Haus ist. Das birgt natürlich die Gefahr des Anlockens für echte Einbrecher. Da müsste man Vorsorge treffen können, dass Missbrauch vermieden wird.

Ebenso sind sehr intelligente und vor allen Dingen selbstlernende Bots schwer steuerbar, wenn Sie von Nutzern falsch trainiert werden und keine (Wort-) Filter gesetzt werden. Bestes Beispiel ist der Chatbot Tay von Microsoft. Es kann aber auch gut gehen, wie die Erfahrung von Harvey Wilks zeigt, der einem Bot seinen Facebook-Account überließ. Mit kleinen Schwächen, aber im Großen und Ganzen sehr zufriedenstellend, berichtet er.

Doch Bots können die Gesellschaft so beeinflussen, dass es richtig gefährlich werden kann. Wir wissen zurzeit nicht, wieviele Social Bots in den Sozialen Netzwerken schon unterwegs sind, die Meinungsmache betreiben. Die Anzahl der Social Bots könnte in Zukunft zunehmen und ganze Stimmungsbilder verzerren. Sowohl ins Positive (Likes und Kommentare für Firmen-Kampagnen) als auch ins Negative.

Eigene Chatbots

Schon reizvoll, so ein Chatbot, mag man auf den ersten Blick denken. Besonders intelligent sind die aktuellen Bots noch nicht. Auch hier wird – wie bei Facebook – mit Textbausteinen gearbeitet. Man muss sich eine Gesprächsführung überlegen, wenn man einen gewissen Mehrwert bei der Nutzung bieten möchte.

Besonders aufgefallen ist mir der Estherbot. Esther aus San Francisco bietet einen Chat auf Messenger (Facebook) oder auf Telegram an. Hierbei kann man mehr zu ihrer Person erfahren. Dieses Angebot von ihr eignet sich in einer Bewerbungsphase auf jeden Fall, um einen gewissen Eindruck zu hinterlassen. Sie bietet sogar an, dass man eine Anleitung erhält (nach Angabe des Vornamens und der E-Mail-Adresse), mit der man seinen eigenen Bot bauen kann. Viel Spaß dabei, ich werde mal schauen, ob ich bald einen Nicolebot vorstellen werde.

Übrigens sind die eigenen Chatbots in der Hiscox IT-Haftpflicht mitversichert, wenn doch mal etwas passieren sollte. Die kleinen Schelme können ja einiges anstellen, wenn sie beispielsweise auf Twitter mittels eines Skripts Tweets selber verfassen. Sollte dann Ärger aufkommen, sagt einem der Blick in die Versicherungsbedingungen von Hiscox, dass dieser Fall nicht ausgeschlossen ist.

Die Berufshaftpflicht von Hiscox beinhaltet eine Allgefahrendeckung – es ist alles versichert, was in den Vertragsbedingungen nicht explizit ausgeschlossen ist. Die Ausschlüsse werden im Regelwerk übersichtlich aufgezählt.
Siehe auch: Berufshaftpflichtversicherung von Hiscox

Nicole Y. JodeleitAutorin dieses Beitrags:

Nicole Y. Jodeleit ist Freiberuflerin für Online-Kommunikation und schreibt auf verschiedenen Corporate Blogs über unterschiedliche Themen. Auf dem eigenen Blog Auto-Diva hat sie ihr Interesse für Autos und Technik zur Passion gemacht.