Erste Etappe der Mille Miglia 2015 und schon Probleme: Der Motor läuft heiß, wir müssen den OM zurück nach Ravenna abschleppen lassen. Weil die Zeit für die Reparatur knapp ist, müssen wir uns fragen: Schaffen wir es pünktlich bis zum Start der 2. Etappe? Oder ist das 1000-Meilen-Rennen für uns vorbei, bevor es richtig angefangen hat? Mich packt der Schrauber-Ehrgeiz!

2015 bin ich das fünfte Mal live dabei bei der Mille Miglia. In diesem Jahr fahre ich das Begleitfahrzeug und kümmere mich um die technische Betreuung eines OM 665 Superba von 1930.

Wir kennen die Auffälligkeiten unseres geliebten Mille Miglia-Fahrzeugs – daher sind eine Auswahl an Ersatzteilen und Werkzeugen mit im Gepäck. Allerdings hätten wir nicht erwartet, dass wir unser Equipment bereits am Anfang der Mille Miglia dringend brauchen.

Verräterische „Regen“-Tröpfchen: Stopp wider Willen

Etwa 50 Kilometer vor unserem Etappenziel in Rimini wundere ich mich über kleine Wassertröpfchen auf der Windschutzscheibe unseres Begleitfahrzeugs. Bewölkt ist es, aber fängt es jetzt zu regnen an? Die Scheibenwischerblätter hinterlassen ölige Schlieren. Jetzt bin ich gewarnt: Die Tröpfchen enthalten Öl – es handelt sich um mit Öl vermischtem Wasserdampf, der vom OM in 50 Metern Entfernung vor mir kommt. Sofort gebe ich per Lichthupe das Zeichen zum Anhalten.

Die Zwischenbilanz: Defekte Zylinderkopfdichtung – aber was kommt noch?

Mille Miglia 2015: Unsere Panne bei der 1. EtappeWir machen uns ein Bild: Der Motor ist überhitzt, weil der OM Kühlflüssigkeit verloren hat. Das Auspfuffrohr ist innen nass. Somit muss es an der Zylinderkopfdichtung liegen, die ohnehin bei OM Kompressoren bauartbedingt stärker in Mitleidenschaft gezogen wird und schneller an neuralgischen Punkten nachgeben kann. Der Defekt der Zylinderkopfdichtung überrascht uns trotzdem: Wir haben bewusst zur Vorbeugung den Ladedruck gesenkt, um die Mille Miglia 2015 problemlos zu meistern.

Abenteuerliche Nachtschicht: Schaffen wir die Umrüstung rechtzeitig?

Wir müssen das Fahrzeug zurück nach Ravenna abschleppen lassen. Inzwischen es nach 24 Uhr und dunkel; zumindest ist der Motor abgekühlt und wir können uns an die Arbeit machen.

Unsere Bedenken: Wenn die erste Dichtung schon jetzt kaputt ist – wird die Neue vielleicht auch nicht lange halten und uns wieder zum Abbruch des 1000-Meilen-Rennens zwingen? Denn für eine intensive Ursachenforschung ist definitiv keine Zeit. Um zumindest eine Ursachen auszuschalten, sollten wir besser von Kompressor auf Vergaser umrüsten und einen Ölwechsel machen. Das ist zeitaufwendig und erfordert volle Konzentration. Mein Ehrgeiz ist geweckt, dass wir mit dem OM am nächsten Morgen um 8 Uhr pünktlich am Start stehen – im rund 60 Kilometer entfernten Rimini.

Mille Miglia 2015: Unsere Panne bei der 1. Etappe
beide Fotos: © Rainer Peukert

Also zerlege ich die Technik, die ich bis ins kleinste Detail von vorigen Instandsetzungen kenne. Um 6:30 Uhr ist die Umrüstung fertig. Nun kommt der spannende Moment: Ich starte den Motor – er läuft. Nun stimme ich die Doppelvergaber ab und fahre den OM schonend warm. Auf dem Weg nach Rimini bleibe ich mehrmals stehen, überprüfe und justiere die Technik. Zum Glück läuft alles rund: 20 Minuten vor dem Start sind wir da!

Das Endergebnis: Weitere tolle Etappen – und keine Panne mehr

Die restlichen Etappen sind ein tolles Erlebnis, sowohl die mitreißende Rallye-Stimmung als auch die wunderschönen Landschaften zwischen Brescia und Rom. Immer wieder kontrollieren wir die Motor-Temperatur und müssen noch kurz vor Sienna noch einmal die Zylinderkopfdichtung wechseln. Abgesehen davon kommen wir pannenfrei ans Ziel.

Als Ursache des Schadens an der Zylinderkopfdichtung stellt sich übrigens im Nachgang ein Defekt am Ölpumpenantrieb und der Nockenwelle heraus.

Autor Rainer PeukertAutor dieses Beitrags:

Rainer Peukert hat sich schon in jungen Jahren in die Technik und das Design von Oldtimern verliebt – vor allem in die Schätze der Vorkriegszeit. Auch ist er begeisterter Rallye-Fahrer. 2017 nimmt Rainer erneut an der Mille Miglia teil und berichtet für den Hiscox Classic Cars Blog.