Vom 21.07. bis 24.07. fand die Ennstal Classic, eine der renommiertesten Rallyes in Österreich, statt – und ich war für Hiscox mit dabei! Seit bald 30 Jahren freuen sich Oldtimer-Fans auf dieses jährliche Event-Highlight. Dabei war die Freude in diesem Jahr besonders groß. Denn im vergangenen Jahr musste die Rallye aufgrund der Corona-Pandemie in die Zwangspause gehen. Im ersten Teil unserer Reihe habe ich Sie mitgenommen bei der Vorbereitung und dem Transport. Steigen Sie nun ein in den Lancia Aprilia und wagen Sie sich mit mir auf die Fahrbahn!

Der Lancia Aprilia Zagato

Lancia Aprilia Zagato
Baujahr 1938
1,4l Hubraum
70 PS
4 Zylinder, PaganiLancia Aprilia Zagato

Der Lancia Aprilia  (1937–1949) war zu seiner Zeit ein revolutionäres Auto. Denn es war eines der ersten, das in Zusammenarbeit mit Battista Farina und Politecnico di Torino im Windkanal entwickelt wurde und einen Rekord-Luftwiderstandsbeiwert von 0,47 erreichte!

Mittwoch, 21. Juli: Die letzten Vorbereitungen

Früh klingelt mich der Wecker aus dem Schlaf. Es ist erst 4 Uhr und trotzdem Zeit, aufzustehen! Im Hänger wartet bereits der Lancia Aprilia Zagato auf die Abfahrt zur Rallye. Doch bevor es losgeht, stehen noch die letzten Vorbereitungen an: Ich checke nochmal, ob das Fahrzeug gut verzurrt ist und überprüfe, ob ich mein Equipment eingepackt habe. Eine Stunde später geht es dann auch schon los Richtung Gröbming. Denn der frühe Vogel fängt nicht nur den Wurm, sondern entflieht auch dem Stau auf den dicht befahrenen Straßen!

Ok-Zeichen Comic-Hand

Tipp: Nach etwa 20 km checke ich nochmal das Fahrzeug im Anhänger, um sicher zu gehen, dass sich nichts verschoben oder gelöst hat. Gerade beim geschlossenen Hänger ist das wichtig, da man von außen – im Gegensatz zum offenen Transporter–nichts sehen kann.

Die Fahrt läuft reibungslos und wir kommen entspannt in Gröbming an. Der erste Weg am Veranstaltungsort führt mich direkt zum Check-In, um meine Beifahrerin und mich anzumelden und die notwendigen Unterlagen für die technische Abnahme, darunter die Startnummer, abzuholen.

Fahrzeug entladen

Bevor es zur technischen Abnahme geht, muss ich natürlich erst mein Fahrzeug entladen. Hier gilt es, genauso wie beim Transport, vorsichtig vorzugehen, um Schäden am Fahrzeug zu vermeiden.

Im Video sehen Sie, wie ich den Lancia entlade:

Technische Abnahme

Nun sind wir bereit für die technische Abnahme. Hier wird überprüft, ob das Auto startklar ist. Funktionieren die Blinker? Ist die Hupe einsatzbereit? Sind außerdem Startnummer und Aufkleber der Sponsoren angebracht?

Bei der Ennstal Classic sind elektronische Wegstreckenzähler verboten. Deshalb prüfen die technischen Kommissare dahingehend jedes Startfahrzeug. Im Lancia habe ich tatsächlich einen halbelektronischen Wegstreckenzähler. Damit ich starten kann, wird dieser abgeklemmt.

Darüber hinaus wird bei der technischen Abnahme der Transponder am Fahrzeug angebracht. Mit dem Transponder lassen sich bei Rallyes die Rundenzeiten und die gefahrene Strecke überprüfen.

Soweit, so gut! Damit ist für den morgigen Rallye-Start alles organisiert. Nun fahre ich zu meiner Unterkunft und ruhe mich für die geplante Fahrt aus. Doch auch die Unterkunft des Oldtimers dürfen Sie nicht vergessen, denn auch hier müssen einige Dinge beachtet werden.

 

 

 

 

 

3 Tipps zur Unterbringung Ihres Fahrzeugs

1. Klären Sie im Rahmen der Vorbereitungen ab, wo sie das Fahrzeug abstellen können. Manche Veranstalter bieten eine passende “Unterkunft” für das Auto an. Bei anderen
2. Stellen Sie sicher, dass das Fahrzeug sicher und überdacht steht.
3. Klären Sie mit Ihrer Versicherung ab, welche Unterbringung des Fahrzeugs diese vorschreibt.

Donnerstag, 22 Juli: Tag der Pässe

Nach all den Vorbereitungen und Checks geht es jetzt endlich los: Mit der Startnummer 27 starten meine Beifahrerin und ich um 09:12:30 Uhr! Zuvor haben wir das Roadbook bekommen. Das zeigt uns die genaue Streckenführung des heutigen Tages und wird erst eine Stunde vor Abfahrt an die Teilnehmer verteilt, damit sich diese nicht im Vorfeld auf den Weg vorbereiten können.

Die Strecke

Die Strecke führt uns über Stein an der Enns hoch zum Sölkpass – der Klassiker im Programm – und schließlich weiter nach St. Peter wieder hinauf zu den Triebener Tauern. Dann geht es weiter Richtung Aigen im Ennstal hoch zum Pötschenpass zur Kaiserstadt Bad Ischl. Die nächsten Etappenziele sind Sankt Gilgen am Wolfgangsee über die Postalm und Schladming zurück nach Gröbming ins Ziel. Viele der Zwischenziele sind bekannte Ausflugsorte. Wir staunen über die wunderschönen Landschaften und abwechslungsreichen Ausblicke.

Nichtsdestotrotz ist die Streckenführung für mich und den Lancia Aprilia anstrengend. Die Passstrecken, die ich mit niedrigen Gängen und einer hohen Drehzahl fahren muss, treiben die Temperaturen im Motor nach oben. Gerade nach der technischen Revision im Frühjahr ist deshalb Vorsicht geboten!

Aber nicht nur die Fahrzeuge kommen ins Schwitzen: Die hohen Temperaturen treiben auch den Fahrern den Schweiß auf die Stirn. Ohne Verdeck fängt man sich schnell einen Sonnenbrand ein! Und auf den Passstraßen muss man natürlich mit alten Fahrzeugen ganz besonders vorsichtig und konzentriert fahren. Noch dazu kommt, dass der Lancia über keine sicherheitsrelevante Ausstattung wie Kopfstützen oder Sicherheitsgurte verfügt. Hier ist meine volle Konzentration gefragt. Schließlich trage ich ja auch die Verantwortung für meine Beifahrerin.

Zeit für einen kurzen Check

Nach den ersten 100 sehr anstrengenden Kilometern mache ich Halt für einen kurzen Schnell-Check. Sitzen die Schrauben fest? Läuft irgendwo Flüssigkeit aus? Die Strecke hat dem Lancia doch schon einiges abverlangt.

Nach dem Technik-Check bin ich aber wieder wesentlich entspannter, da ich nun weiß, dass das Auto läuft und alles sitzt.

Nach 9 Stunden Fahrzeit mit nur kurzen Pausen dazwischen, 397 gefahrenen Kilometern und 4 Pässen bin ich am Abend froh, die Strecke des 1. Rallye Tages hinter mich gebracht zu haben. Wie gut, dass wir uns in Gröbming kulinarisch verwöhnen lassen können. Doch bevor es für mich in den wohlverdienten Feierabend geht, kümmere ich mich noch um meinen Oldie.

Ok-Zeichen Comic-Hand

Tipp: Nach jedem Rallye-Tag sollte noch ein Kurz-Check am Fahrzeug vorgenommen werden. Überprüfen Sie, ob Flüssigkeiten auslaufen bzw. noch genügend vorhanden sind oder ob sich Schrauben gelöst haben. Sollte doch etwas sein, haben Sie bis zum nächsten Tag noch etwas Zeit, den Schaden evtl. reparieren zu können.

Der Lancia hat die Passstrecken gut überstanden und ich kann ganz entspannt schlafen. Die aufwändige Revision im Frühjahr hat sich gelohnt: Nun muss ich während der Rallye deutlich weniger Zeit in die Technik-Checks investieren. Doch beim Oldtimer-Fahren gehört immer auch ein Quantum Glück dazu, denn bei einem alten Auto kann immer mal etwas sein.

Freitag, 23. Juli: Marathontag

Ennstal Classic Marathon

Raus aus den Federn und ab auf die Fahrbahn! Um 08:12:30 Uhr ist unser heutiger Startzeitpunkt. Ich freue mich besonders auf die heutige Streckenführung: Weniger Pässe, flachere Strecken, dementsprechend zügigeres Fahren und wunderschöne Orte warten auf uns. 424 km gilt es heute zu absolvieren.

Unsere erste größere Pause führt uns nach Maria Zell. Hier haben die Organisatoren so einiges für uns vorbereitet: Kulinarische Verpflegung und sogar eine Band, die die Rast zu einem kleinen Highlight macht. Danach geht es weiter Richtung Steyr und prompt, wie der Teufel es haben will, bleibt der Lancia stehen.

Kein Tropfen übrig

Kein Stottern des Motors oder eine andere Ankündigung – das Auto ist einfach 300 m vor dem Ziel der Sonderprüfung liegen geblieben. Was ist passiert? Da kommt mir eine Ahnung: Der Tank! Weil der Lancia über keine Tankanzeige verfügt, habe ich im Vorfeld den Verbrauch ausgerechnet und entsprechend mehrere Stopps zum Tanken eingeplant. Doch offensichtlich habe ich mich verrechnet oder den Kraftstoff-Verbrauch bergauf falsch eingeschätzt!

Zum Glück habe ich einen gefüllten Reservekanister im Kofferraum! Trotzdem: Die Sache kostet uns etwa 2,5 Minuten – und damit 1.000 Strafpunkte…

Ok-Zeichen Comic-Hand

Tipp: Denken Sie immer an einen gefüllten Reservekanister, damit Sie im Fall der Fälle das Fahrzeug zumindest noch bis zur nächsten Tankstelle bringen können.

Die nächste Sonderprüfung am Flugplatz in Niederöblarn können wir glücklicherweise wieder bravourös meistern. Von dort geht es dann auf direktem Weg ins Ziel zurück nach Gröbming.

424 km später

Am Ziel erwartet uns wieder ein schöner Abend, bei dem wir mit den anderen Teilnehmern fachsimpeln können. Den Technik-Check des Fahrzeuges habe ich schon vor dem Abendprogramm erledigt, sodass ich mich jetzt ganz auf das Entspannen konzentrieren kann. Immerhin ist der Tag mit 424 km seinem Namen „Marathon“ wirklich gerecht geworden.

Samstag, 24. Juli: Porsche Grand Prix

Eine schwere Entscheidung

Der letzte Tag der Ennstal Classic 2021 beginnt und ich bin auf dem Weg zum Veranstaltungsteam. Die ganze Nacht habe ich gegrübelt und nachgedacht und schließlich eine Entscheidung getroffen. Den Sonderlauf auf den Stoderzinken in Gröbming werden wir mit dem Lancia Aprilia nicht fahren. Denn an den vergangenen Tagen habe ich bereits festgestellt, dass der 2. Gang zu kurz und der 3. Gang zu lang für die Bergstrecken ist. Und da sich der Lancia noch in der Einlaufphase wegen des revidierten Motors befindet, sollten bestimmte Drehzahlbereiche nicht überschritten werden. Den Stoderzinken kenne ich bereits aus vergangenen Veranstaltungen: 10 Minuten bergauf bei 1.000 Höhenmetern! Ich muss mir eingestehen, dass mein Fahrzeug eher ein Langstrecken-Fahrzeug ist. Trotzdem schade, denn die Abmeldung des Sonderlaufs kostet uns nochmal erhebliche Strafpunkte.

Ok-Zeichen Comic-Hand

Tipp: Der Ehrgeiz sollte beim Oldtimer-Fahren nie an erster Stelle stehen. Sagen Sie auch mal Nein, wenn Sie merken, dass das Fahrzeug für eine bestimmte Strecke nicht geeignet ist.

Porsche Design Grand-Prix

Als krönenden Abschluss der Fahrt findet nun der Porsche Design Grand-Prix statt, an dem wir auch wieder teilnehmen. Diese Sonderprüfung mit verschiedenen Zeitintervallen führt durch die Innenstadt von Gröbming auf abgesperrter Strecke. Ich übersehe nur eine Lichtschranke, was meiner Beifahrerin und mir weitere Strafpunkte einbringt, ansonsten läuft alles gut. Damit ist die Fahrstrecke der Ennstal Classic 2021 geschafft! Zwar haben die vielen Pässe mit ihren steilen Strecken mir und dem Lancia zwischenzeitlich zu Schaffen gemacht, insgesamt bin ich aber sehr zufrieden mit unserer Leistung. Außerdem steht der Spaß für mich beim Rallye-Fahren immer an erster Stelle – und die Sicherheit aller Teilnehmer!

Siegerehrung 

Nun kommt der große Moment: Die Gesamtsieger werden gekürt. Eine Differenz von 6 Hundertsteln haben am Schluss den Unterschied gemacht und der Vorjahressieger darf sich auch 2021 wieder auf das Siegertreppchen stellen! Was mich besonders freut: Auf den 2. Platz schafft es das junge Damenteam aus Graz – herzlichen Glückwunsch!

Was nach so einer besonderen Rallye natürlich nicht fehlen darf: Die feierliche Überreichung der Pokale am Abend mit Abendessen, Musik & Co. Ein toller Abschluss der vergangenen drei erlebnisreichen Tage!

Highlight

Mein persönliches Highlight bei der Ennstal Classic 2021 war der American LaFrance aus 1918, der als ältestes Fahrzeug der Rallye mit der Startnummer 1 teilnahm. Meine Leidenschaft gilt ja vor allem Vorkriegsfahrzeugen, deshalb habe ich mich ganz besonders gefreut, dieses Fahrzeug in Action zu sehen! Eine tolle Leistung, die Fahrer und Auto auf der Fahrbahn hingelegt haben.

Nachbereitung

Wie geht es weiter? Auch nach einer Rallye gibt es noch so einiges zu tun – was genau und welche Tipps ich für Sie habe, verrate ich Ihnen im kommenden Blogbeitrag!

Wussten Sie? Unsere Kunden bewerten die Hiscox Old- und Youngtimer-Versicherung mit 4,6 von 5 Sternen.

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Classic Cars Blog Autor Rainer PeukertAutor dieses Beitrags:

Rainer Peukert hat sich schon in jungen Jahren in die Technik und das Design von Oldtimern verliebt – vor allem in die Schätze der Vorkriegszeit. Für Hiscox ist er auf vielen Events der Szene unterwegs!