Startups und Blogger RelationsDie meisten Startups sind mit vielen Dingen gleichzeitig beschäftigt. Sie pitchen, suchen Investoren, feilen weiter am Produkt, kümmern sich um Absatzmärkte/Vertriebskanäle und so weiter. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem auch Public Relations (PR) eine Rolle spielen. Meistens viel zu spät denken Startups an die Online-Kommunikation. Dazu gehören auch Blogger Relations. Was Startups bei Blogger Relations beachten sollten, weiß ich aus der Sicht einer Bloggerin sowie als Beraterin von Unternehmen. Meine Erfahrungen teile ich gern, damit Blogger Relations richtig gelebt werden können.

Was sind Blogger Relations?

Der Begriff wird aus Unternehmersicht nicht immer ganz richtig oder sogar falsch gedeutet. Oftmals werden die Blogger erst hinzugezogen, wenn sämtliche Maßnahmen schon erledigt sind und den Verantwortlichen nichts anderes mehr einfällt: „Frag‘ doch mal die Blogger, die können doch etwas darüber schreiben.“ – diesen Satz sollten alle Unternehmen aus ihrer Denke bitte sofort streichen, dass Blogger ein Notnagel in der Kommunikation sind.

„Richtige“ Blogger Relations gehen anders! Vorausgesetzt, man hat sich in seiner Kommunikationsstrategie für Blogger Relations entschieden. Das ist ein Ergebnis, das man gut durchdenken sollte. Nicht jeder benötigt Blogger Relations, andere Unternehmen bringt es weit voran.

Persönliche Blogger Relations

Es gibt übrigens nicht „die Blogger Relations“, sondern es gibt sehr unterschiedliche Ausprägungsformen. Zum Beispiel sehr persönliche Blogger Relations. Das ist die zeitaufwändigste, aber gleichzeitig schönste Form, wie Beziehungen zwischen Unternehmen und Bloggern stattfinden können. Dabei zählt auch – in meinen Augen – weniger die Quantität, sondern eher die Qualität. Das heißt nicht, dass man ständig unentwegt Kontakt halten müsste.

Mein Tipp für sehr persönliche Blogger Relations: Das Unternehmen (Startup) geht dorthin, wo sich die Blogger und Influencer aufhalten. Das können Barcamps sein, lokale Netwerktreffen wie 12min.me, Digital Media Women (auch für Männer!) oder andere Meetup Events. Dort kann man sich einfach unter das Publikum mischen und netzwerken.

Als Unternehmen kann man die Blogger auch zu einem Event einladen. Wie das geht, wie man am besten in Kontakt kommt, dazu später mehr. Wenn das Produkt es hergibt, kann man es vorstellen, erklären und von Bloggern vor Ort ausprobieren lassen. Hier bekommt man von den Bloggern unmittelbares wertvolles Feedback und sie können Fragen stellen. Sehr nützlich ist es auch, wenn man Weiterentwicklungen plant und Blogger dazu mit ihrer Meinung hören kann. Nebenbei lernt man sich kennen und das schafft wiederum eine persönliche Beziehung. Also sollte man – neben der Produktpräsentation – an die Zeit zum Smalltalk denken und das in der Agenda einplanen.

Virtuelle Blogger Relations

Ansprechpartner aus Startups und Unternehmen können zunächst auch virtuell mit Bloggern Kontakt aufnehmen. Dazu gehört ein öffentliches Facebook-Profil und eventuell auch ein Twitter Account. Bitte mit richtigem Namen und einem Profilbild mit Gesicht. Die Firma darf ruhig dabei stehen, schließlich möchte man doch auch erkannt werden. Je nach Branche kann man sich auch in Facebook-Gruppen einbringen oder in passende Diskussionen auf fremden oder eigenen Profilen. Die Facebook Pages der Konkurrenz sind natürlich tabu!

Die Kontaktaufnahme über die Blogs gestaltet sich ebenso einfach. Beispiel: Wenn es einen Blogartikel gibt, der zum eigenen Thema passt, kommentiert man dort. Selbstverständlich nicht werblich, sondern inhaltlich passend. Dabei auch wieder den richtigen Namen und die Firma (E-Mail und URL) nicht vergessen! Man sollte also die thematisch passenden Blogs auf ein Monitoring setzen und im Auge behalten. Wenn man schon liest, warum nicht gleich auch kommentieren? Das zeigt die respektvolle Beachtung des Contents. Der Blogger freut sich über diese Wertschätzung.

Warum Blogger Relations?

Weil Blogger anders kommunizieren als Printmedien oder Onlineportale. Pressemeldungen werden von Journalisten anders aufgenommen als von Bloggern. Und umgekehrt. Die Interessenslage kann eine ganz andere sein. Blogger haben meistens eine ganz bestimmte Meinung zu Produkten, die sie mit ihren Lesern teilen. Wenn ein Blogger, der auf seine Online-Reputation Wert legt, über etwas schreibt, dann ist das oftmals authentischer und emotionaler. Eventueller Nachteil für die Unternehmen, wenn das Produkt Macken hat oder anderweitige Kritik möglich ist: Blogger können auch kritischer sein. Aber genau das kann sehr spannend sein – für die Leser.

Blogger nehmen – vorausgesetzt das Interesse ist geweckt – teilweise auch Themen und Meldungen auf, über die kein großes Onlinemedium auch nur eine winzig kleine Meldung in der Randspalte schreiben würde. Dafür ist es wichtig, dass man Kontakt zu Bloggern hat, damit diese die Informationen bekommen können, um sie selber verbloggen zu können. Andererseits sind Blogger natürlich auch an wichtigen News interessiert, die ihnen Traffic aufs Blog bringen können.

Selbstverständlich ersetzen die Blogger nicht die klassischen bekannten Medien, aber wenn ein Startup mit Bloggern kommunizieren kann, ergeben sich oftmals auch schöne Effekte in den Social Media. Blogger Relations gehören also in eine umfassende Online-Kommunikations-Strategie. Diese erstellt man inhouse, mit seiner bloggeraffinen Agentur oder holt sich (gern auch zusätzlich) mit einem Auftrag einen freiberuflichen Blogger zur Beratung ins Haus, der sich mit Blogger Relations auskennt.

Was ist das Ziel von Blogger Relations?

Das sollte im Vorfeld klar definiert werden, in der Kommunikationsstrategie. Blogger Relations sind keine Wunderwaffe und können nicht von einem Tag auf den anderen die Umsatzzahlen steigern. Auf jeden Fall kann eine gute Vernetzung entstehen und die Markenbekanntheit sowie das Branding und Image kann gesteigert werden.

Wie bekommt man Kontakt zu Bloggern?

Startups und Blogger RelationsRecherchieren Sie, wer über Ihre Themen schreibt. Eine offizielle Bloggersuche gibt es leider nicht mehr. Auch Bloggerverzeichnisse sind mit Vorsicht zu genießen. Einige enthalten nicht alle Blogger, andere sind nicht neutral entstanden, sondern mit einem bestimmten Hintergrund. Wenn man einen oder mehrere Blogger gefunden hat, kann man weitere Kontakte in deren Netzwerk finden. Doch Blogger sind teilweise auch etwas zickig, wenn es um die Frage nach Bloggerkollegen geht. Dabei sind nicht nur die Fashion- und Beautyblogger gemeint. Machen Sie sich ihr eigenes Bild und schauen Sie, wer über was wie schreibt.

Eine gute Mischung aus Profibloggern und Bloggern, die (noch) nicht so professionell mit dem Bloggen Geld verdienen, aber mit Herzblut und Fachwissen sowie Interesse am Thema schreiben, ist am besten. Ein Blogger, der von einem Unternehmen kontaktiert wird, das sich vorher nicht damit befasst hat, über welche Themen er/sie schreibt, wird auch kein Interesse an Blogger Relations haben.

Daher erst recherchieren, dann kontaktieren. Dazu schaut man am besten, ob der Blogger einen Vorschlag zur Kontaktaufnahme auf dem Blog hat. An diesen Weg hält man sich am besten. Falls keine Präferenz besteht, kann man mit einer kurzen und persönlich geschriebenen E-Mail am meisten erreichen. In der E-Mail kann man weitere Informationen unterbringen, auch die Frage, ob man mal kurz telefonieren könnte. Bitte nicht einfach anrufen, nur die wenigsten Blogger sind dafür offen, sofort miteinander zu sprechen.

Was man nicht tun sollte: Ungefragt Pressemitteilungen versenden. Abgesehen davon, dass es rechtlich gesehen nicht erlaubt ist, bringt es doch viel mehr, wenn ein Blogger vorher zugestimmt hat, dass er (auch) Pressemeldungen haben möchte.

Idealerweise hat man als Unternehmen ein bis zwei kompetente Ansprechpartner/innen für Blogger Relations. Sollten die Fragen der Blogger technischer oder fachlicher werden, holt sich diese Instanz intern die Informationen und gibt sie an die Blogger weiter. Zu viele Ansprechpartner können irritierend sein, sowohl für einen Journalisten als auch für einen Blogger.

Wollen alle Blogger Geld?

In erster Linie sind die meisten Blogger daran interessiert, Content zu erstellen. Wenn sie dabei spannende Informationen der Hersteller bekommen, haben viele Spaß daran, mit ihrem Insider- und Fachwissen zu glänzen – und bloggen darüber. Auch exklusiver Content gehört dazu, besonders gern auch Interviewmöglichkeiten mit eigenen Fragen oder Fotos/Videos, die vorab dem Blogger zur Verfügung gestellt werden. Bevor sie schon anderweitig zigfach publiziert wurden.

Nein, für Informationen und Meldungen, die aus Bloggersicht für das Unternehmen nicht eindeutig verkaufsfördernd sind oder nicht aus Marketing-Blah bestehen, wollen Blogger üblicherweise kein Geld.

Blogger Relations und Reisekostenübernahme

Blogger Relations und ReisekostenAber: Blogger Events kosten Geld, die nicht in Advertorials, sondern in Erlebnisberichte auf dem Blog münden. Das Budget sollte also nicht nur die Eventagentur und der Catering-Lieferant einstreichen, sondern es sollten auch die Reisekosten der Blogger übernommen werden.

Denn kein Blogger wird von Hannover nach München auf eigene Kosten reisen (wollen und können). Schreiben Sie schon in die persönliche Einladung hinein, dass die Reisekosten der Blogger nach Rücksprache (mit welchem Transportmittel, in welcher Höhe) übernommen werden.

Werbung von Bloggern gibt es nicht kostenlos

Etwas anders gestaltet sich die Sache, wenn man bestimmte Inhalte vorgeben möchte, ein Gewinnspiel oder ein „Seeding“ plant. Da nennt sich das Ganze „Advertorial“ oder Adverticle und das ist Werbung. Werbeplätze sind zu bezahlen, auch bei Bloggern. Zur Bloggerfalle „Schleichwerbung“ empfehle ich meinen Artikel Erfolgreiche Blogger und ihr finanzielles Risiko. Hier können sich ebenso Startups und Unternehmen informieren, wie mit Werbung durch Blogger am besten umgegangen werden sollte.

Übrigens sollten auch Startups nicht darum betteln, dass die Werbung für sie kostenlos sein sollte. Planen Sie ein Budget ein, das auch Advertorials von Bloggern berücksichtigt, wenn sie zusätzlich diesen werblichen Weg der Blogger Relations gehen möchten.

Mein Tipp für Startups: Blogger Relations einplanen

Blogger Relations sollte man gleich von Anfang an einplanen. Zeitlich und budgetär. So können beide Seiten – der Blogger und das Startup – sich vom Start weg gleich besser kennenlernen und gegenseitig begleiten. Das klingt nach Win-Win-Situation, oder?

 

Nicole Y. JodeleitAutorin dieses Beitrags:

Nicole Y. Jodeleit ist Freiberuflerin für Online-Kommunikation, Blogger Relations und schreibt auf verschiedenen Corporate Blogs über unterschiedliche Themen. Auf dem eigenen Blog Auto-Diva hat sie ihr Interesse für Autos und Technik zur Passion gemacht.

 

Ob KMU, Unternehmer, Berater, Selbständige oder Freiberufler: Startups und Gründer profitieren bei der Berufshaftpflichtversicherung vom Gründerrabatt in den ersten 12 Monaten.