Geschäftsführerhaftung: Warum D&O-Versicherung unverzichtbar ist

06.05.2024 von Franz Kupfer

In der dynamischen und oft unberechenbaren Geschäftswelt von heute tragen Geschäftsführer eine enorme Verantwortung. Sie lenken die Geschicke der Unternehmen, die sie führen, und treffen Entscheidungen, die weitreichende Auswirkungen haben können. Doch mit großer Macht kommt auch großes Risiko. Geschäftsführer stehen zunehmend im Fokus rechtlicher Haftungsansprüche, die nicht nur das Unternehmensvermögen, sondern auch ihr persönliches Vermögen bedrohen können. Die Directors-and-Officers-Versicherung, kurz D&O-Versicherung, spielt daher eine entscheidende Rolle im Risikomanagement von Unternehmen und deren Führungskräften.

Geschäftsführer sitzt auf einem Ledersofa vor einem Laptop und schüttelt einer Mitarbeiterin die Hand

Die Rolle des Geschäftsführers: Verantwortlichkeiten und Haftungsrisiken

Geschäftsführer übernehmen eine Vielzahl an Aufgaben – von der Unternehmensleitung über die Finanzverwaltung bis hin zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen, wie das Handelsgesetzbuch (HGB), das GmbH-Gesetz (GmbHG) und das Aktiengesetz (AktG) in Deutschland, definieren präzise die Sorgfaltspflichten und die Loyalitätspflichten, die Geschäftsführer gegenüber ihrem Unternehmen haben. Ein Fehltritt, eine fahrlässige Entscheidung oder die Nichtbeachtung von Compliance-Vorgaben können zu persönlichen Haftungsansprüchen führen, welche die persönliche finanzielle Existenz bedrohen können.

Gesetzliche Rahmenbedingungen und Pflichten von Geschäftsführern

Geschäftsführer sind die treibenden Kräfte hinter den operativen und strategischen Entscheidungen eines Unternehmens. Ihre Rolle ist mit einer Vielzahl von Verantwortlichkeiten verbunden, darunter nicht zuletzt die Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen. Diese gesetzlichen Anforderungen variieren je nach Rechtsform des Unternehmens, der Branche, in der es tätig ist, und dem Land, in dem es ansässig ist. Dennoch gibt es grundlegende Pflichten, die für Geschäftsführer nahezu universell gelten.

  1. Sorgfaltspflicht und Treuepflicht: Geschäftsführer müssen ihre Aufgaben mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes ausüben. Dies beinhaltet die sorgfältige Planung, Überwachung und Steuerung der Unternehmensaktivitäten. Sie sind zudem verpflichtet, die Interessen des Unternehmens zu wahren und potenzielle Interessenkonflikte zu vermeiden.
  2. Buchführungs- und Berichterstattungspflicht: Eine der wesentlichen Pflichten von Geschäftsführern ist die ordnungsgemäße Buchführung. Sie müssen sicherstellen, dass alle Geschäftsvorfälle nach den geltenden Rechnungslegungsstandards erfasst und dokumentiert werden. Zudem sind sie für die Erstellung des Jahresabschlusses verantwortlich und müssen diesen, abhängig von der Größe und Rechtsform des Unternehmens, prüfen lassen und veröffentlichen.
  3. Steuerliche Pflichten: Geschäftsführer sind dafür verantwortlich, dass das Unternehmen seine steuerlichen Pflichten erfüllt. Dazu gehört die rechtzeitige Abgabe von Steuererklärungen sowie die korrekte Berechnung und Abführung von Steuern.
  4. Pflichten im Bereich der Sozialversicherung: In vielen Ländern müssen Unternehmen Beiträge zur Sozialversicherung für ihre Mitarbeiter abführen. Geschäftsführer müssen sicherstellen, dass diese Beiträge korrekt berechnet und fristgerecht gezahlt werden.
  5. Einhaltung von spezifischen Gesetzen und Vorschriften: Je nach Branche können weitere spezifische gesetzliche Anforderungen gelten. Dazu zählen beispielsweise Umweltschutzvorschriften, Datenschutzgesetze, Arbeitsschutzvorschriften und Branchenspezifika wie im Finanz- oder Gesundheitswesen. Geschäftsführer müssen sich über diese Anforderungen informieren und deren Einhaltung sicherstellen.

Beispiele von typischen Haftungsansprüchen gegen Geschäftsführer

Beispiel 1 - Vertragsverletzungen:

Herr Müller ist der Geschäftsführer der "MM Maschinenbau GmbH". Seine Firma hat sich vertraglich verpflichtet, bis zum Quartalsende 10.000 Maschinenteile an die "TechiParts AG" zu liefern. Herr Müller entscheidet, Investitionen in neue Anlagen zu verschieben und das Wartungsbudget zu kürzen, um Kosten zu sparen. Diese Entscheidungen führen zu Produktionsausfällen, und als Ergebnis kann sein Unternehmen die vereinbarte Menge an Teilen nicht fristgerecht liefern. TechiParts AG erleidet dadurch erhebliche Verluste und macht Schadensersatzansprüche geltend.
Die Verzögerung in der Lieferung stellt eine Vertragsverletzung dar, und Herr Müller hat durch seine Entscheidungen die Sorgfaltspflicht verletzt. Im rechtlichen Sinne könnte er für die fahrlässige Schädigung des Geschäftspartners persönlich haftbar gemacht werden.

 

Beispiel 2: Insolvenz und Haftung gegenüber Gläubigern:

Frau Schmitt, Geschäftsführerin der "Schmitt Catering GmbH", sieht sich mit finanziellen Schwierigkeiten ihres Unternehmens konfrontiert. Statt rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen oder die Insolvenz anzumelden, hofft sie auf eine Besserung der Situation und führt den Geschäftsbetrieb fort. Als die Liquidität schließlich vollständig erschöpft ist, meldet sie die Insolvenz an – allerdings zu einem Zeitpunkt, zu dem die Schulden des Unternehmens bereits weiter angestiegen sind.
Gläubiger, die in der Zeit vor der Insolvenzanmeldung noch Leistungen erbracht haben, stehen nun vor dem Problem, dass ihre Forderungen wahrscheinlich nicht mehr beglichen werden können. Sie machen geltend, dass Frau Schmitt die Insolvenz zu spät angemeldet hat, was die finanzielle Situation der Gläubiger zusätzlich verschlechtert hat.
Frau Schmitt wird daraufhin mit Haftungsansprüchen konfrontiert, da sie die Pflicht zur rechtzeitigen Insolvenzanmeldung verletzt hat und somit für die entstandenen Schäden der Gläubiger haftbar gemacht werden kann.

Die Bedeutung einer D&O-Versicherung für Geschäftsführer

Die D&O-Versicherung ist ein wesentlicher Bestandteil des Risikomanagements für Unternehmen. Sie bietet Geschäftsführern, Vorständen und weiteren Führungskräften Schutz vor persönlicher Haftung, die aus ihren Entscheidungen und Handlungen im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit entstehen kann. Dies ist besonders relevant, da Führungskräfte aufgrund ihrer Entscheidungsbefugnisse und der damit verbundenen Verantwortung einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, Haftungsansprüchen gegenübergestellt zu werden. Solche Ansprüche können nicht nur aus Fehlern oder Versäumnissen resultieren, sondern auch aus unvorhersehbaren Ereignissen, die finanzielle Verluste für das Unternehmen oder Dritte zur Folge haben.

  • Deckung von Verteidigungskosten und Schadenersatzzahlungen: Die D&O-Versicherung übernimmt nicht nur die Kosten, die für die rechtliche Verteidigung gegen erhobene Ansprüche entstehen, sondern auch die finanziellen Verpflichtungen, die aus einem möglichen Schadenersatz resultieren. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da die Kosten für Rechtsstreitigkeiten und potenzielle Schadenersatzforderungen schnell in die Millionen gehen können. Ohne eine solche Versicherung müssten Geschäftsführer und andere Führungskräfte diese Beträge aus ihrem privaten Vermögen bezahlen, was im schlimmsten Fall zum persönlichen finanziellen Ruin führen könnte.
  • Risikominimierung und Erleichterung der Unternehmensführung: Indem die D&O-Versicherung das Risiko einer persönlichen finanziellen Haftung minimiert, ermöglicht sie es Führungskräften, entschlossener und weniger ängstlich vor möglichen rechtlichen Konsequenzen zu agieren. Dies fördert eine Kultur der Innovation und des unternehmerischen Denkens, da die Entscheidungsträger wissen, dass sie im Falle eines unbeabsichtigten Fehlers abgesichert sind. Darüber hinaus kann das Vorhandensein einer Managerversicherung qualifizierte Kandidaten für Führungspositionen anziehen, da es ein Zeichen für die Fürsorge des Unternehmens um seine Mitarbeiter und deren Absicherung ist.

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Volkswagen-Abgasskandal: Berühmter Fall von Haftungsansprüchen gegen Geschäftsführer

Haftungsansprüche gegen Geschäftsführer können erhebliche rechtliche und finanzielle Folgen nach sich ziehen. Im Laufe der Jahre gab es mehrere hochkarätige Fälle, die die Risiken und Verantwortlichkeiten von Geschäftsführern unterstreichen. Der Volkswagen-Abgasskandal (Deutschland, 2015), auch bekannt als Dieselgate, betraf die Volkswagen AG und andere Automobilhersteller. Es kam heraus, dass VW Software in Dieselfahrzeugen einsetzte, um die Ergebnisse von Emissionstests zu manipulieren. Dies hatte erhebliche rechtliche Konsequenzen, einschließlich Haftungsansprüche gegen leitende Angestellte und Geschäftsführer wegen Betruges und Verstoßes gegen Umweltgesetze. Der Skandal verursachte nicht nur immense Kosten für Rückrufe und Strafen, sondern führte auch zu einem Vertrauensverlust bei Verbrauchern und Stakeholdern.

Best Practices für Geschäftsführer im Umgang mit Haftungsrisiken

  • Compliance und Governance-Strukturen: Geschäftsführer sollten sicherstellen, dass ihr Unternehmen über robuste Compliance- und Governance-Strukturen verfügt. Dazu gehört die Entwicklung und Implementierung von Richtlinien und Verfahren, die den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und ethische Geschäftspraktiken fördern. Regelmäßige Überprüfungen dieser Strukturen helfen dabei, eventuelle Schwachstellen zu identifizieren und anzupassen, um Haftungsrisiken zu minimieren.
  • Kontinuierliche Weiterbildung und Risikobewusstsein: In einer sich ständig wandelnden Geschäftswelt ist es für Geschäftsführer unerlässlich, sich kontinuierlich weiterzubilden und ein hohes Bewusstsein für potenzielle Risiken zu entwickeln. Dies umfasst die Teilnahme an relevanten Schulungen und Seminaren sowie das regelmäßige Studium von Fachliteratur. Ein tiefes Verständnis für die spezifischen Risiken, denen das eigene Unternehmen ausgesetzt ist, ermöglicht es, proaktiv Maßnahmen zur Risikominderung zu ergreifen.
  • Transparente Kommunikation und Berichterstattung: Offene und transparente Kommunikation innerhalb des Unternehmens sowie gegenüber Stakeholdern ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen und Haftungsrisiken zu reduzieren. Geschäftsführer sollten sicherstellen, dass alle relevanten Informationen über Risiken und Compliance-Angelegenheiten regelmäßig und auf verständliche Weise kommuniziert werden. Ebenso ist eine präzise und zeitnahe Berichterstattung an Aufsichtsgremien und Behörden erforderlich, um Compliance sicherzustellen und Haftungsansprüche zu vermeiden.
  • Etablierung eines Risikomanagement-Systems: Ein effektives Risikomanagement-System ist zentral für die Identifizierung, Bewertung und Steuerung von Risiken. Geschäftsführer sollten dafür sorgen, dass solche Systeme implementiert und regelmäßig überprüft werden. Dazu gehört auch die Einrichtung eines Frühwarnsystems, das es ermöglicht, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten.
  • Schaffung einer Risikokultur: Die Etablierung einer Unternehmenskultur, die Risikobewusstsein und ethisches Verhalten in den Mittelpunkt stellt, ist für die Minimierung von Haftungsrisiken entscheidend. Geschäftsführer sollten als Vorbilder agieren und ihre Mitarbeiter dazu ermutigen, Bedenken bezüglich Compliance und Risiken offen anzusprechen. Regelmäßige Schulungen und Kampagnen können dabei helfen, das Bewusstsein für Risiken zu schärfen und eine Kultur der Verantwortlichkeit zu fördern.
  • Absicherung durch Versicherungen: Trotz aller Präventionsmaßnahmen lässt sich nicht jedes Risiko vollständig eliminieren. Geschäftsführer sollten daher prüfen, welche Versicherungslösungen für ihr Unternehmen sinnvoll sind, um sich gegen potenzielle Haftungsansprüche abzusichern. Dazu können beispielsweise eine D&O-Versicherung (Directors and Officers Liability Insurance) oder eine Betriebshaftpflichtversicherung gehören. Durch die Umsetzung dieser Best Practices können Geschäftsführer dazu beitragen, Haftungsrisiken effektiv zu managen und so die langfristige Sicherheit und den Erfolg ihres Unternehmens zu gewährleisten.


In der heutigen schnellen und regulierten Geschäftswelt sind Geschäftsführer einem erheblichen Haftungsrisiko ausgesetzt, das sowohl die Unternehmen, die sie leiten, als auch ihr persönliches Vermögen bedrohen kann. Die Managerversicherung erweist sich dabei als unverzichtbarer Schutz, der Führungskräfte vor den finanziellen Auswirkungen von Haftungsansprüchen bewahrt. Sie trägt wesentlich zum Risikomanagement bei, indem sie nicht nur das persönliche Risiko minimiert, sondern auch eine Kultur der Verantwortlichkeit und des ethischen Geschäftsgebarens fördert. In einer Umgebung, in der selbst unabsichtliche Fehler schwerwiegende Folgen haben können, bietet die D&O-Versicherung eine wichtige Sicherheit und ist eine zentrale Investition in die Zukunft des Unternehmens und seiner Führungskräfte.
 

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Franz Kupfer, Product Head Professional Indemnity, D&O, Property & Event

Autor: Franz Kupfer, Product Head Professional Indemnity, D&O, Property & Event

ist Product Head Professional Indemnity, D&O, Property & Event und Experte für die Bereiche Gewerbliche Haftpflicht sowie Sach- und Event-Versicherung. Er hat 2012 bei Hiscox als Graduate Trainee seine Berufslaufbahn begonnen und ist nach Zwischenstationen bei anderen Multiline-Versicherern in Sydney und München seit 2020 wieder bei uns aktiv. Im Hiscox Blog gibt er Einblicke hinter die Kulissen und schreibt wissenswerte Beiträge über den Einzel- und Onlinehandel sowie über die Risiken von Selbstständigen und Unternehmen verschiedener Branchen.

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