In einem der letzten Blogpost ging es um die Umsatzsteuer bei Rechnungen im Inland. Wenn es um den Transfer von Waren und Diensten ins Ausland geht, sind die Regeln etwas komplizierter. Eine erste Übersicht finden Sie hier.

Wie führe ich als Selbstständiger Steuer im Ausland ab

Die Thematik Umsatzsteuer bei Auslandsgeschäften ist leider recht komplex. Hinzu kommt eine Fülle von Ausnahmen und Besonderheiten. Im Zweifelsfall sollten Sie deshalb immer auf die kompetente Hilfe eines Steuerberaters setzen. Die folgende Übersicht hilft allerdings dabei, einen ersten Eindruck zu bekommen.

Der erste wichtige Punkt ist, dass Dienstleistungen – wie zum Beispiel IT Dienstleistungen -, die für ein Unternehmen im EU-Ausland erbracht werden, so behandelt werden, als seien sie dort ausgeführt worden. Deshalb unterliegen sie nicht den deutschen Umsatzsteuergesetzen. Solche Umsätze sind „nicht steuerbar“: Sie erheben keine Steuern, müssen die Umsätze jedoch in der Umsatzsteuervoranmeldung angeben. Der Kunde ist in der Regel für diese Leistung umsatzsteuerpflichtig: Er meldet das Geschäft seiner Finanzbehörde und zahlt die entsprechende Umsatzsteuer. Dieses Verfahren heißt auch Reverse-Charge-Verfahren. Auf diese Steuerpflicht müssen Sie ihre Kunden hinweisen.

Anders verhält es sich, wenn Sie ein solches Geschäft nicht mit einem Unternehmen, sondern einer Privatperson abschließen – und zwar unabhängig davon, ob Sie innerhalb oder außerhalb der EU stattfinden. Hier schlagen Sie wie gewohnt die deutsche Mehrwertsteuer auf.

Was müssen Selbstständige in der Kreativbranche, die Steuer ins Ausland abführen, beachten

Von dieser Regelung gibt es wiederum eine Reihe von Ausnahmen, die insbesondere für Kreative interessant sind. Wenn bestimmte Dienste außerhalb der EU angeboten werden, so sind diese wie oben beschrieben nicht steuerbar. Dazu gehört die Überlassung von Nutzungsrechten nach dem Urheberrechtsgesetz, Übersetzungen, Informationsvermittlung, Softwareverkauf per Internet, Telekommunikationsdienstleistungen, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit und Datenverarbeitung.

Wieder andere Bedingungen gelten, wenn Sie elektronische Leistungen und Produkte an Privatkunden innerhalb der EU verkaufen, also etwa E-Books oder Online-Spiele. Hier müssen Sie für jeden Kunden die in seinem Land gültige Mehrwertsteuer aufschlagen und diese an die jeweilige Steuerbehörde abführen. Um nicht beispielsweise wegen 2,50 Euro bei der slowenischen Steuerbehörde Formulare ausfüllen zu müssen, gibt es die Möglichkeit, die Umsätze zentral beim Bundeszentralamt für Steuern anzumelden und abzuführen. Dieses Verfahren heißt Mini-One-Stop-Shop. Mit dieser Regelung wollte man verhindern, dass große Online-Verkäufer die niedrigen Steuersätze in Ländern wie Luxemburg ausnutzen. Zugleich hat das neue Gesetz jedoch auch dazu geführt, dass viele kleine Anbieter von E-Books und anderen Angeboten ihre Geschäfte nur noch mit dem Inland abwickeln.

Wieder anders sieht es beim Verkauf von Waren aus. Werden diese außerhalb der EU exportiert, entfällt die Umsatzsteuer immer. Innerhalb der EU wiederum sind diese Warenlieferungen an Unternehmen steuerbar aber umsatzsteuerbefreit. Dazu müssen die im vorigen Post beschriebenen Umsatzsteuer-IDs des Käufers und Verkäufers in der Rechnung angegeben werden. Der Umsatz mit der Umsatzsteuer-ID des Käufers wird in der Umsatzsteuervoranmeldung angegeben und in einer „zusammenfassenden Meldung“ dem Bundeszentralamt für Steuern gemeldet.

Bei Warenlieferungen an Privatkäufer wiederum wird die deutsche Mehrwertsteuer aufgeschlagen. Ab einer bestimmten Lieferschwelle müssen Sie – dies gilt wiederum für Lieferungen innerhalb der EU – die Rechnung allerdings mit der jeweiligen ausländischen Umsatzsteuer ausstellen und sich in dem jeweiligen Land steuerlich registrieren lassen.