Fake Follower schaden mehr als sie nützen.Beim Social Media Marketing in Unternehmen geht es um Zahlen. Die Erfolgsmessung und -beurteilung wird oft quantitativ dargestellt. Unternehmen werden oft als umso erfolgreicher wahrgenommen, je mehr Fans und Follower eine Facebook Page, ein Twitter-Konto oder ein Instagram Account hat. Die Frage, die dabei viel zu selten gestellt wird: Sind alle Fans echt oder sind auch Fake Follower darunter?

Als vor einigen Jahren die Social-Media-Plattformen zum Mainstream wurden, war die Suche nach Fans und Followern für Unternehmen noch leichter. Das Publikum und die Kunden waren häufiger als heute interessiert und folgten den Social-Media-Angeboten von Unternehmen bereitwillig. Mittlerweile ist das Content-Angebot auf den erwähnten Social-Media-Kanälen so umfangreich, dass viele Fans und Follower strikter selektieren. Sie wollen nicht mehr alles serviert bekommen – oder die Social-Media-Plattformen übernehmen das Filtern gleich vorab. Man denke an die bekannte Filterfunktion von Facebook (EdgeRank). Das bedeutet für Unternehmen, dass sie sich anstrengen müssen, um überhaupt „sichtbar“ zu werden und Reaktionen zu bekommen. Es kommt bei Social Media somit die Frage nach dem „Wie?“ auf.

Wie bekomme ich mehr Fans und Follower?

Diese Frage lässt sich nur sehr individuell beantworten. Für jedes Unternehmen gelten andere Regeln, da es Patentrezepte nicht gibt. Was Sie aber garantiert nicht tun sollten: Kaufen Sie keine Fans und Follower! Auch wenn Sie noch so verführerische Angebote erhalten. Gekaufte Fans sind keinen Cent wert. Das heißt aber nicht, dass Sie keine Werbung zur Fan-Gewinnung schalten dürfen. Das ist selbstverständlich ein regulärer Weg, um mehr Reichweite zu erzielen.

Manche Betreiber von Social-Media-Präsenzen wollen schnell messbare Erfolge und hohe Fan-Zahlen innerhalb kürzester Zeit vorweisen. Einige dieser – sehr schnell gewachsenen – Accounts haben ihre Fans gekauft. Gekaufte Fans sind jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Menschen aus Fleisch und Blut, auch wenn sie ein Profilbild besitzen und Interaktionen zeigen. Sogenannte Fan-Bots kommentieren, liken, favorisieren und folgen einem – aber sie sind und bleiben Fake Fans.

Sind alle Bots nun „böse“? Nein, natürlich nicht. Man muss zwischen den offiziellen Bots in der Online-Kommunikation und den Fake Fan Bots unterscheiden. Fakes erkennt man gut daran, dass sie meistens eine andere Sprache verwenden – also auf deutsche Postings englisch antworten. Das allein ist natürlich noch kein ausreichendes Indiz. Fake Follower haben meistens nur sehr wenige eigene Fotos und so gut wie keine Follower. Oder die Fakes sind mit anderen Fake Accounts vernetzt.

Ein kostenloses Tool (ohne vorheriges Login nutzbar) ist der Followercheck. Zu berücksichtigen ist, dass bei einem Follower Check zur Analyse nur 150 Beispiel-Follower ausgewählt werden. Wird ein Fake gefunden, wird er sogar angegeben, so dass man sich den Account mal anschauen kann – und ihn gegebenenfalls (für den eigenen Instagram Account) blocken kann.

Was Fake Follower im Social Media Marketing bewirken

Instagress Meldung zur Sperrung - Fake Follower bekommt man hier nicht mehr.
Screenshot der geschlossenen Plattform Instagress

Nicht nur die eigenen gekauften Fake Follower sind schädlich für Ihr Unternehmen. Ebenso wirken sich Fake Fans und Follower von Social Media Influencern aus, mit denen Sie kooperieren. Bei Kooperationen mit Influencern, die Fans oder Follower gekauft haben, wird Ihr Unternehmen nicht die erwartete Reichweite erzielen, die Ihnen – anhand der Followerzahlen – versprochen wurde. Der Influencer, der sich Fake Follower gekauft hat, gaukelt allen etwas vor. Diese negative Reputation könnte – im schlechtesten Falle – sogar auf Sie abfärben. Einige Influencer im Bereich Fashion, Food und Lifestyle hätten ohne Fake Follower überhaupt keine Bedeutung. Sie stehen unter Druck, weil der zahlengetriebene Markt sie dazu veranlasst.

Die bekannte und vielfach genutzte Plattform Instagress zur (unerlaubten) Follower-Gewinnung auf Instagram ist neulich gesperrt worden. Instagram hat sich gegen das Geschäftsmodell von Instagress deutlich gewehrt, so dass die Fake-Follower-Plattform schließen musste. Die namentliche Übereinstimmung der ersten sechs Buchstaben tat bestimmt ihr Übriges.

Zu diesem Thema hat Katja Evertz, Digital Strategist bei FleishmanHillard ein Facebook Posting verfasst. Wir haben sie gleich zu ihrer Meinung befragt:

Welche Bedeutung haben Bots im allgemeinen und andererseits Fake Follower für die Firmen und was heißt das für Marketing und Monitoring?

Katja Evertz
Katja Evertz ist Digital Strategist bei FleishmanHillard und Autorin im MonitoringMatcher – dem Magazin rund um digitales Monitoring.

„In der Automatisierung mithilfe von Bots stecken durchaus Chancen für Unternehmen – z. B. durch unternehmenseigene Messenger-Bots im Kundenservice via WhatsApp oder Facebook Messenger. Doch gerade mit Blick auf die Interaktion in sozialen Netzwerken sind Fake Accounts und Bots inzwischen ein ernstzunehmendes Problem: Interaktionen wie Kommentare, Klicks oder selbst Likes zeigen zwar, dass die Inhalte von den Fans wahrgenommen werden und sie sich damit beschäftigen.

Für viele Unternehmen ist damit endlich die Interaktionsrate – statt der lange Zeit favorisierten Reichweite – ein wichtiger Gradmesser für den Erfolg der eigenen Maßnahmen geworden. Wenn diese Interaktionen aber durch die Unterstützung von Bots automatisiert erfolgen, was sind sie dann für Unternehmen noch wert? Auch beim Monitoring von Unternehmens- oder auch Themenerwähnungen im Social Web verzerren Bots und Fake Accounts immer wieder das Meinungsbild und suggerieren ein Interesse an bestimmten Themen, das real oft gar nicht vorhanden ist.“ (Zitat Ende)

Fazit: Besser keine Fake Follower / Fake Fans gewinnen

Auf keiner Kommunikations-Plattform macht es Sinn, dass man mit Fakes die eigenen Social-Media-Zahlen aufhübscht. Hinter der vermeintlichen Erfolgsmaske von beeindruckend hohen Zahlen steckt in Wirklichkeit nur ein „armes Gesicht“. Wenn ein hübsches Foto nur einsilbige – und dazu womöglich noch fremdsprachliche – Kommentare bekommt, dann hält das auch die eigentlichen Freunde, Fans und Follower ab, sich dort in die Kommentare und Likes einzureihen. Die Folge: Noch weniger echte Interaktion und damit kommt man in die Versuchung, noch mehr Fake Kommentare zu kaufen. Ein Teufelskreis. Bald unterhält man sich nur noch mit Fakes. Das schadet der Reputation mehr, als die Statistikwerte aussagen.

Die Gefahr, dass das eigene Unternehmenskonto bei der Benutzung dieser illegalen Tools gesperrt wird, ist sehr hoch. Ebenso abzuraten ist von Drittanbieter-Tools, bei denen der Login nicht über eine Instagram-Maske geschieht, sondern die eigenen Login-Daten als direkte Eingabe erforderlich sind. Tools, die automatisch zu Instagram posten, sind da besonders kritisch zu sehen.

Für Plattformen wie Facebook und Twitter gibt es ebenso offizielle Schnittstellen (API). Für Twitter gibt es sogar einige Follower-Verwaltungstools (tweepi), die hilfreich sein können. Doch auf allen Social-Media-Kanälen sollte man sich nie in die Hände eines Anbieters begeben, der einem viele neue Fans und Follower in kürzester Zeit verspricht. Das ist unseriös und kann größeren Schaden als Nutzen hervorrufen.

Es ist also an der Zeit, die Jagd nach den höchsten Zahlen innerhalb kürzester Zeit aufzugeben. Lassen Sie sich genügend Zeit, um echte Follower und Fans aufzubauen und glänzen Sie mit wertvollen echten Interaktionen, die Sie für Ihren hochwertigen Content von echten Menschen bekommen.

 

Nicole Y. JodeleitAutorin dieses Beitrags:

Nicole Y. Jodeleit ist Freiberuflerin für Online-Kommunikation und schreibt auf verschiedenen Corporate Blogs über unterschiedliche Themen. Auf dem eigenen Blog Auto-Diva hat sie ihr Interesse für Autos und Technik zur Passion gemacht.