Es ist der Alptraum jedes Oldtimer-Besitzers: das geliebte Fahrzeug könnte Feuer fangen. Wie sich ein Oldtimer-Brand vermeiden lässt und was im Extremfall zu tun ist, haben wir Marcus Stey und Matthias Diehl vom Sachverständigenbüro Diehl & Stey gefragt. Beide sind Kfz-Technikermeister und Sachverständige für Brandursachenanalyse an Gebäuden und Fahrzeugen aller Art – auch an Young- und Oldtimern – und erstellen auch für Hiscox Kunden Gutachten.

Risiko Oldtimer-Brand – was tun? Das rät der Brandgutachter
© Diehl & Stey Brandursachenanalyse GmbH

Wie können Besitzer einen Oldtimer-Brand vermeiden?

Marcus Stey: Komplett ausschließen lässt sich ein Fahrzeugbrand nie. Aber man kann gewisse Sicherheitsvorkehrungen treffen, um das Risiko zu minimieren:

  • Brandschäden, welche im Fahrbetrieb entstehen, sind oft im Vorfeld nicht ohne weiteres zu erkennen. Hier sollten Oldtimer-Besitzer, gerade bei Fahrzeugen, die länger abgestellt waren, vor Fahrtantritt einen Routine-Check durchführen, der eine Sichtprüfung beinhaltet.
    Im Fahrbetrieb sollte auch auf kleine Unregelmäßigkeiten geachtet werden. Ruckelt der Motor? Riecht es aus der Lüftung nach Kraftstoff oder verbranntem Öl? Liegen Ausfälle in der elektrischen Anlage vor? Treten ungewöhnliche Geräusche auf? Sollte der Fahrer nicht in der Lage sein, den Grund solcher Abweichungen vom normalen Betriebszustand zu erkennen, sollte es vorgezogen werden, die Fahrt zu unterbrechen und fachkundigen Rat einzuholen. Viele Brände entstehen dadurch, dass Fahrer zwar Probleme feststellen, aber trotzdem ihre Fahrt fortführen, da sonst der Wochenendausflug ins Wasser fallen würde oder das Fahrzeug abgeschleppt werden muss.
  • Wir empfehlen Oldtimer-Besitzern, „heiße“ Fahrzeuge unmittelbar nach dem Betrieb nicht in Gebäude zu fahren, sondern diese zunächst abkühlen zu lassen. Brände durch Austritte von Betriebsmitteln (Öle, Kraftstoff etc.) entstehen häufig unmittelbar nach dem Abstellen, da Komponenten des Abgassystems noch die nötige Zündtemperatur bereitstellen. Bei Hallen, die mehrere Oldtimer beherbergen oder bei in Wohngebäuden bzw. größere Gebäudekomplexe integrierten Garagen können so im Brandfall enorme Folgeschäden vermieden werden.
  • Bei längere Zeit abgestellten Fahrzeugen sollte die Fahrzeugbatterie abgeklemmt oder ausgebaut werden. Dadurch lässt sich vermeiden, dass es zu einem Defekt in der Fahrzeugelektrik kommt, der unter Umständen zu einem Oldtimer-Brand führt. Auch können Batterieladegeräte oder sogenannte Batterieerhaltungsgeräte zu Brandschäden führen. Daher ist es empfehlenswert, die Batterie abgeschirmt vom Oldtimer zu lagern bzw. aufzuladen.

Wie sollten sich Oldtimer-Besitzer verhalten, wenn sie ein Feuer feststellen?

Matthias Diehl:

  • Alarmierung absetzen (es geht um jede Minute!)
  • Bei Motorraumbrand nicht die Haube öffnen.
  • Wenn Feuerlöscher zur Hand, eigener Löschversuch, ohne sich in Gefahr zu begeben.

CO² Feuerlöscher sind klar zu bevorzugen – trotz des höheren Preises im Vergleich zu Pulverlöschern. Denn die Schäden durch Löschpulver sind oft höher, als der eigentliche Brandschaden. Dies gilt ebenso in Gebäuden.

Was raten Sie – Brand selbst versuchen zu löschen um zu retten, was zu retten geht, oder auf die Feuerwehr vertrauen?

Marcus Stey: Das ist situationsabhängig und kann so nicht pauschal beantwortet werden.
In der Regel kann man sagen: wenn ein Feuerlöscher zur Hand ist, sollte man ihn auch nutzen.

Gerade bei Brandschäden in der Fahrzeugelektrik stehen die Chancen sehr gut, das Feuer in der Brandentstehungsphase zu eliminieren bzw. die Brandausbreitung zu verzögern, bis die Feuerwehr vor Ort ist. Sollte es bei geringen Schmorschäden noch möglich sein, die Batterie abzuklemmen, kann dies ebenfalls zur Eliminierung des Schadens beitragen, denn aus einem einfachen Schmorschaden entsteht schnell ein Vollbrand.

Bei Bränden im Motorraum empfehlen wir, die Motorhaube geschlossen zu halten. Wenn ein Feuerlöscher zur Hand sein sollte und die Haube ohne Verletzungsgefahr entriegelt werden kann, sollte man diese nur einen Spalt öffnen, löschen und danach wieder schließen.

Können Sie anhand eines Falles schildern, wie Sie bei der Brandursachenermittlung bei Oldtimern vorgehen?

Matthias Diehl: Das ist so ohne Weiteres nicht möglich, da die Vorgehensweise sich aufgrund von verschiedenen Szenarien und Faktoren unterscheidet. Seitens der Brandsachverständigen wird aber nach dem Ausschlussverfahren gearbeitet, ergänzend kommen je nach Fall verschiedene naturwissenschaftlich-/ technische Analyseverfahren zur Anwendung. Zum Beispiel chemische Analysen, Röntgen, Computertomographie, Öl-/ Kraftstoffanalysen, elektrische Prüfungen oder auch Brandversuche.

Bei diesen Verfahren werden die subjektiven Anknüpfungstatsachen sowie die physikalischen und chemischen Spuren erfasst, dokumentiert und ausgewertet, um dann über das Ausschlussverfahren die Brandursache zu definieren.

Vielen Dank für das spannende Gespräch!

Autorin Barbara SchweigertDas Interview mit Marcus Stey und Mathias Diehl führte Barbara Schweigert.

Lässt Sie das Thema Oldtimer-Brand auch nicht mehr los? Wir haben den Brandgutachtern noch mehr Löcher in den Bauch gefragt und interessante Antworten erhalten. Lesen Sie mehr dazu in unserem Blogbeitrag Fahrzeugbrand-Experten im Interview: Oldtimer sind besonders gefährdet!


Über das Diehl & Stey Sachverständigenbüro

Diehl & Stey hat sich auf die Analyse von Brandschäden an Fahrzeugen, Industrieanlagen und Wohngebäuden spezialisiert, dieser Bereich wird von vier Sachverständigen abgedeckt. Drei weitere Sachverständige erstellen im Kundenauftrag Unfallgutachten sowie Wertgutachten und Restaurationsdokumentationen für Oldtimer und Youngtimer.

Im Bereich der klassischen Fahrzeuge arbeitet Diehl & Stey mit Classic Analytics als Kooperationspartner zusammen und betreut einen stetig wachsenden Kundenstamm mit zum Teil sehr großen hochwertigen Fahrzeugsammlungen in ganz Deutschland.