Opel Kadett C – der treue Einstieg ins Hobby

31.07.2023 von Jens Tanz

In den 1970er Jahren waren Entscheidungen noch klar und deutlich. Capri Eis oder Nogger? Heino oder Deep Purple? VW Käfer oder Opel Kadett? Opels untere Mittelklasse war an Variantenreichtum kaum zu überbieten, gleichzeitig war der C-Kadett der letzte kompakte Opel mit längs eingebautem Motor und angetriebener Hinterachse. Originale Exemplare sind heute rar. 

Opel Kadett C: Bilder, Infos, Tipps
Opel Kadett C: Oldtimer in der Seitenansicht

Ein T-Car für die ganze Welt

Bei Opel und General Motors dachte man Anfang der 70er Jahre groß. Die GM T-Plattform sollte die Grundlage für den Nachfolger des sehr erfolgreichen Kadett B liefern. Der Kadett C wurde von Anfang an als „Weltauto“ geplant und nicht nur als Chevette bei Vauxhall produziert, sondern lief auf dem gesamten Globus in dieser Form von den Bändern. Mit dem seit 1965 millionenfach bewährten Reihenvierzylinder, einer Starrachse plus Doppelquerlenker-Vorderachse an Schraubenfedern galt er als robust, einfach zu reparieren und begründete nachhaltig Opels Ruf der epischen Zuverlässigkeit. 

Opel Kadett C Varianten

Wenn man heute noch einen Opel Kadett C sieht, ist es meistens eine Limousine oder ein Coupé. Dabei ließ die T-Plattform sehr viel mehr Varianten zu. Die klassische Stufenhecklimousine, schon damals eine in der Mittelklasse eher aussterbende Form, gab es mit zwei oder vier Türen. Der „City“ war eine zweitürige Schräghecklimousine, die noch ein Jahr vor der Präsentation des VW Golf herausgebracht wurde. Das schicke Coupé hatte genauso zwei Türen wie der Kombi, der bei Opel traditionell „Caravan“ genannt wird. Extrem selten sind die zwischen 1976 und 1978 bei Baur in Stuttgart aufgeschnittenen „Aero“ Modelle, die offene Targa Dachhälften und eine herausnehmbare Heckscheibe hatten. Hiervon wurden nur ein paar mehr als 1300 Stück gebaut. Ein Cabriolet gab es ab Werk nicht. 

Opel Kadett C: Blick in den Motorraum

Die Technik des Opel Kadett C

Der gute alte OHV Reihenvierzylinder mit kettengetriebener, seitlicher Nockenwelle ist antiquiert, aber stoisch zuverlässig. Selbst mit minimaler Pflege machen die Maschinen weit mehr als 200.000 Kilometer. Die dicker motorisierten CIH Modelle GT/E und „Rallye“ haben eine obenliegende Nockenwelle mit Duplexkette und werden statt des Fallstromvergasers mit einer ebenfalls problemlosen Bosch L-Jetronic versorgt. Jeder über 40 wird das sonore, irgendwie beruhigende schraddeln eines vorbeifahrenden C-Kadett im Ohr haben.

Für die millionenfach produzierten Motoren und auch für die einfach konzipierten Achsen und Bremsen gibt es viele Ersatzteile, die den Einstieg in die Oldtimerei leicht machen. Hier kann auch ein nur mäßig handwerklich begabter Besitzer selbst Hand anlegen und Erfolge im selbst Reparieren verbuchen!

Opel Kadett C Ausstattungen und Farben

So vielfältig die Karosserieformen waren, so verschieden die angebotenen Ausstattungen und Farben. Allein die Farbe „blau“ gab es für den Opel Kadett C in den Tönen regattablau, pastellblau, kosmosblau, signalblau, saphirblau, kristallblau und monzablau! Neben der spartanischen Grundversion konnte der Kunde – ja nach Karosserievariante – auch die Ausstattungen Luxus, Berlina/Berlinetta, Rallye und GT/E wählen. Das für alle Modelle verfügbare SR Paket bot beispielsweise ein Vierspeichenlenkrad, Drehzahlmesser, Zeituhr und Zusatzinstrumente und machte den Wagen so wesentlich „sportlicher“. 

Opel Kadett C: Innenansicht

Opel Kadett C und der Rost

Wie fast alle Fahrzeuge der 70er Jahre war auch die Rostvorsorge bei Opel aus heutiger Sicht ungenügend. Der C-Kadett rostet allerdings im Vergleich nicht so stark wie seine Mitbewerber, trotzdem dürfte es nur noch wenige komplett ungeschweißte Originale geben. Und wenn schon einmal „geflickt“ wurde, dann oft dem damaligen Zeitwert entsprechend. Also pfuschig. Betroffen ist der gesamte Vorderwagen, die Stehbleche und Lampentöpfe, die inneren und äußeren Schweller und A-Säulen.

Endspitzen und Radläufe sind genau so angegriffen wie nach porösen Scheibendichtungen die Rahmen und der Boden unter den Teppichen. Wer also einen Opel Kadett C kaufen möchte, muss klassisch überall nachschauen. Viele Exemplare wurden in dritter Hand noch heftig „getunt“ – auch das hat später den Autoverwerter früher als gewollt auf den Plan gerufen.

Spannendes zum Opel Kadett C

Wann wurde der Opel Kadett C gebaut?

Der Nachfolger des B-Kadett wurde von 1973 bis 1979 gebaut.

Wie viel kostet ein Opel Kadett C?

Die Zeit der 300€-Gurken mit einem halben Jahr TÜV ist schon lange vorbei. Unter 5.000€ bekommt man heute nur noch Modelle, die nach viel Liebe rufen. Die meisten C-Kadett rangieren zwischen 5.000€ und 10.000€, darüber bekommt man Top-Modelle mit Historie oder seltene Caravan oder City. 

Wie viele Opel Kadett C wurden gebaut? 

Von allen Karosserievarianten zusammen wurden etwas mehr als 1.7 Millionen C-Kadett gebaut.  

Bis wann wurde der Opel Kadett C gebaut?

Seit 1979 gibt es den Opel Kadett D als Nachfolger mit quer eingebautem Motor und Frontantrieb. Bis 1982 wurde aber die Opel Chevette sowohl als Limousine mit zwei und vier Türen, als Schrägheckvariante und Caravan parallel zum Opel Kadett D als preisgünstigstes Fahrzeug in Deutschland angeboten. Vauxhall produzierte die Chevette noch bis 1984, an anderen Standorten in der Welt lief die lokale Produktion bis in die zweite Hälfte der 90er Jahre!

Opel Kadett C: Oldtimer mit schöner Schlichtheit

Der Preis der Schlichtheit

Unser 1977er Fotomodell gehört Torsten Rönnau aus Meldorf im Norden der Republik. Torsten hat den Viertürer in brillantocker 426 (noch so eine wundervolle Farbe) seit 1997 und wird ihn wohl auch nicht wieder hergeben. Man erkennt das Facelift nach der Modellpflege 1977 an den seitlich neben den Scheinwerfern angebrachten Blinkern, vorher waren sie unter der Stoßstange. Der 55 PS Opel ist in diesem Zustand vielleicht einzigartig in Deutschland und fährt sich wie ein Jahreswagen. Bei 139 km/h ist Schluss, aber wer braucht heute schon mehr?

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Torsten packt derweil schon seine sieben Sachen in den Kofferraum. Im August kommen noch ein paar schöne Ausfahrten, da will er mit seinem Opel Kadett C auf jeden Fall dabei sein. Vielleicht seht ihr ihn ja?

Opel Kadett C Fahrzeugdaten im Überblick

Bauzeitraum:1973 – 1979
Motor:Vierzylinder Reihe
Hubraum:1,0 – 2,0 Liter
Leistung:40 – 115 PS  
Getriebe:Viergang Schaltung, Dreigang Automatik
Antrieb:Hinterräder
Leergewicht:770 - 960 kg
Stückzahl: ca. 1,7 Millionen

Opel Kadett C Bilder

  • Opel Kadett C: Innenraum

    Innenraum

    Der Innenraum des Opel Kadett C zeichnet sich durch seine funktionale und nüchterne Gestaltung aus, die typisch für die 1970er Jahre ist, mit klaren Linien, robusten Materialien und einer übersichtlichen Anordnung der Bedienelemente, die eine unkomplizierte und fahrerorientierte Handhabung ermöglichen.

  • Opel Kadett C: Armaturenbrett

    Armaturenbrett

    Das Armaturenbrett des Opel Kadett C bietet mit seinen einfachen, runden Instrumenten und der zurückhaltenden Verwendung von Dekorelementen eine klare Sicht auf alle wichtigen Anzeigen und unterstreicht den funktionalen Charakter des Fahrzeuginnenraums.

  • Opel Kadett C: Kofferraum

    Kofferraum

    Der Kofferraum des Opel Kadett C ist überraschend geräumig für die Kompaktklasse seiner Zeit und besticht durch eine praktische, flache Ladefläche, die den Alltagsanforderungen mit ausreichend Stauraum für Gepäck und Einkäufe gerecht wird.

Jens Tanz, Gastautor

Gastautor: Jens Tanz

ist Motorjournalist & Social Media Manager und lebt leidenschaftlich die Autos der 70er aus dem Straßenbild seiner Kindheit. Im Netz ist er als „Sandmann“ unterwegs und schraubt und schreibt sowohl über die eigenen Erlebnisse mit seinen Oldtimern als auch markenübergreifend über andere Oldtimer und ihre Menschen. Hier geht es zu Jens´ Blog: 

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