Wie ein Fahrzeugbrand entstehen kann, wie groß das Risiko für Oldtimer ist – all das haben wir Matthias Diehl und Marcus Stey vom Sachverständigenbüro Diehl & Stey gefragt. Sie sind Kfz-Technikermeister und Sachverständige für Brandursachenanalyse an Gebäuden und Fahrzeugen aller Art – auch an Young- und Oldtimern – und erstellen auch für Hiscox Kunden Gutachten.

Fahrzeugbrand-Experten im Interview: Oldtimer sind besonders gefährdet!
© Diehl & Stey Brandursachenanalyse GmbH

Wie häufig sind Fahrzeugbrände?

Matthias Diehl: Laut einer GDV-Studie waren es 2012 rund 15.000 Fahrzeugbrände im Jahr – mit einer Schadensumme von insgesamt 61 Millionen Euro. Allerdings beziehen sich diese Zahlen lediglich auf kaskoversicherte Kfz. Somit sind Fahrzeuge, die nicht kaskoversichert oder abgemeldet sind, nicht in der Statistik enthalten – es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

In Sachverständigenkreisen spricht man von 30.000 bis 40.000 Fahrzeugbränden pro Jahr. Zum Beispiel haben wir im Jahr 2016 circa 180 Fahrzeugbrände bearbeitet, darunter waren acht Young- bzw. Oldtimer.

Sind Oldtimer besonders brandgefährdet?

Marcus Stey: Ja! Speziell Oldtimer sind aufgrund der Alterungsprozesse von Bauteilen wie Dichtungen und Schläuchen gerade nach längeren Standzeiten besonders gefährdet. Auch ist eine Häufung von Bränden nach einer Restauration oder Werkstattaufenthalten zu verzeichnen. Dies ist leider häufig auf Montagefehler zurückzuführen.

Zudem werden Oldtimer häufiger als Alltagsfahrzeuge in Scheunen, Tiefgaragen oder Lagerhallen zusammen mit weiteren Fahrzeugen abgestellt. Oft befinden sich in größeren Gebäudekomplexen Hallenabschnitte, die zur Lagerung von Oldtimern genutzt werden – während angrenzende Gebäudebereiche zum Beispiel von Firmen gemietet oder Hobbywerkstätten sind. Das Gefahrenpotential, was Brände angeht, ist dementsprechend höher als in Hallen, die einzig zur Lagerung von Oldtimern genutzt werden.

Gibt es Oldtimer-Modelle, die häufiger betroffen sind?

Matthias Diehl: Das kann man aus unserer Sicht nicht sagen. Von Bränden sind alle Fabrikate und Fahrzeugtypen betroffen.

Was die Brandgefahr angeht, ist eher eine Differenzierung im Bereich der Historie der Fahrzeuge zu erkennen. Gerade bei niedrigpreisigen Fahrzeugen, die keine einwandfreie und nachvollziehbare Historie aufweisen und zum Teil aus sogenannten Bastlerwerkstätten kommen, kommt es vermehrt zu einem Fahrzeugbrand oder Schmorschäden.

Dies liegt dann häufig an „zeitwertgerechten“ Reparaturen, die in der Regel aus technischer Sicht nicht ausreichend sind. Auch Fahrzeuge, die nach langer Standzeit wieder in Betrieb genommen werden und nicht trocken gelagert wurden, sind vermehrt Opfer von Bränden, besonders durch elektrische Defekte und Abgasaustritte. Ein besonderes Augenmerk sollten alle Oldtimer-Besitzer auch auf den Zustand der Kraftstoffleitungen und Schellen legen. Durch Alterungsprozesse kann es hier schnell zu Undichtigkeiten kommen.

Wie kann ein Fahrzeugbrand entstehen?

Marcus Stey: Die Palette der Brandursachen ist vielseitig: von elektrischen Primärdefekten über Betriebsmittelaustritte, undichte Abgassysteme bis zu Brandschäden durch kinetische Energie. Auch Brandschäden als Folge eines Unfalls kommen immer wieder vor. Als häufigste Brandursache bei Oldtimern sind Betriebsmittelaustritte aufzuzählen, wie ein Kraftstoffaustritt durch poröse Kraftstoffschläuche oder Dichtungen sowie lockere Schellen – gefolgt von elektrischen Primärdefekten durch Verschleiß, poröse Kabelisolierungen und Feuchtigkeitseintritte (Korrosion, Kriechströme). Seltener kommt es zu schadenauslösenden Abgasaustritten und Bränden durch kinetische Energie, wie Bremsen- oder Lagerschäden.

Gerade bei einer Teilrestauration bleiben solche Mängel oft im Verborgenen. Natürlich kommt es auch immer wieder zu mangelhaften Arbeiten an unterschiedlichsten Fahrzeugsystemen, die gerade bei älteren Fahrzeugen häufig von Laien und in Eigenregie ausgeführt werden. Ratsam ist es hier, sich grundsätzlich Rat von Fachleuten zu holen und im Zweifelsfall Arbeiten von Fachwerkstätten ausführen zu lassen.

Wie hoch kann der Schaden eines Fahrzeugbrandes sein?

Matthias Diehl: Hierzu muss man sagen, dass es bei einem Oldtimer in der Regel keinen glimpflichen Verlauf gibt. Dies ist zum einen durch die verbauten Auskleidungsmaterialien, welche über keinen Flammschutz wie neuere Fahrzeuge verfügen, und zum anderen in der Ersatzteilbeschaffung, in dem Wertverlust durch Instandsetzung, durch Lackierung und somit durch Verlust des Originallackes zu begründen.

Selbst wenn man von einem Schmorschaden im Motorraum ausgeht, der in einer relativ frühen Brandentstehungsphase abgelöscht wird, muss der Motorraum komplett überholt werden, um den Gesamtzustand langfristig zu erhalten.Die bei einem Brand bzw. einem Schmorschaden entstehenden Rauchgasantragungen bzw. deren chemische Zusammensetzung sind hochgradig korrosiv und greifen somit alle metallischen Komponenten an.

Dies umso mehr, wenn der Brand mit einem Löschpulver eliminiert wurde. Das Löschpulver hat die Eigenschaften eines Salzgemisches und kann somit in Verbindung mit der Luftfeuchte zu starker Korrosion bzw. Korrosionsschäden führen. Diese Korrosionsschäden können erst nach mehreren Wochen oder sogar Monaten, je nach Witterung bzw. Luftfeuchtigkeit und angetragener Menge des Löschpulvers, entstehen.

Im schlimmsten Fall – dies sind in der Regel Brandschäden, welche durch einen Betriebsmittelaustritt entstehen – kommt es zu einem wirtschaftlichen Totalschaden des Fahrzeuges. Dies liegt an der schnellen Brandentwicklungsphase bei einem Betriebsmittelaustritt. Die in Rede stehenden Fahrzeuge stehen in kürzester Zeit im Vollbrand, sodass die Einsatzkräfte nur noch das Wrack ablöschen können.

Vielen Dank für das spannende Gespräch!

Autorin Barbara SchweigertDas Interview mit Matthias Diehl und Marcus Stey führte Barbara Schweigert.

Lässt Sie das Thema Oldtimer-Fahrzeugbrand auch nicht mehr los? Wir haben den Brandgutachtern noch mehr Löcher in den Bauch gefragt und interessante Antworten erhalten. Lesen Sie in unserem nächsten Blogbeitrag mehr dazu!

 


Über das Diehl & Stey Sachverständigenbüro

Diehl & Stey hat sich auf die Analyse von Brandschäden an Fahrzeugen, Industrieanlagen und Wohngebäuden spezialisiert, dieser Bereich wird von vier Sachverständigen abgedeckt. Drei weitere Sachverständige erstellen im Kundenauftrag Unfallgutachten sowie Wertgutachten und Restaurationsdokumentationen für Oldtimer und Youngtimer.

Im Bereich der klassischen Fahrzeuge arbeitet Diehl & Stey mit Classic Analytics als Kooperationspartner zusammen und betreut einen stetig wachsenden Kundenstamm mit zum Teil sehr großen hochwertigen Fahrzeugsammlungen in ganz Deutschland.