
Als 1976 der neue Audi 100 C2 (interne Bezeichnung Typ 43) vorgestellt wurde, ließ er die Konkurrenz sprichwörtlich alt aussehen. Viele gibt es fast 50 Jahre später nicht mehr. Wir beleuchten Audis mutigen Schritt vom altbackenen Lehrerimage zum modernen Technologieträger.
Vier Ringe, fünf Zylinder!

Die automobile Welt hielt den Atem an, als die Audi NSU Auto Union AG ihren aktuellen Wurf in der gehobenen Mittelklasse präsentierte. Der Vorgänger Audi 100 C1 galt als „Prokuristen-Mercedes“ oder „Oberlehrerauto“ und festigte das Markenimage der Langeweile. Seinerzeit fuhr man 123er, Granada oder Rekord. Das waren solide Autos, die aber als Neuwagen alle ebenfalls ein wenig bieder daherkamen.
Und 1976 das! Schlanke Keilform, Frontantrieb, durchdachte passive Sicherheit und rund 200kg leichter als die Mitbewerber. Und es gab im Audi 100 C2 diesen genialen Motor von Technikvorstand Piëch. Nicht vier Zylinder, das wäre zu schwach. Nicht sechs wie bei Opel in Reihe oder Ford im V, das wäre zu lang. Im Audi 100 Typ 43 bekam der Kunde auf Wunsch einen Fünfzylindermotor! So einen wollte mein Papa damals haben, und ich wurde mit den vier Ringen infiziert.
Ablösung von VW K70, 411 und Ro 80

Der komplett neu konstruierte Audi 100 Typ 43 sah im VW-Käfer Deutschland kantig und futuristisch aus. Er trat ein wenig in die Fußstapfen des eingestellten und ursprünglich von NSU konstruierten VW K70, ersetzte die antike Luftboxer-Baureihe 411 und schloss auch die Lücke, die das andere NSU Kind Ro 80 mit Wankelmotor ab 1978 hinterlassen sollte. Designer Hartmut Warkuß gestaltete eine zeitlose Karosserie, die auch heute nicht altbacken aussieht. Tatsächlich gab es die Limousine des schlanken Technikwunders sogar als Zweitürer, der aber sehr selten geordert wurde.
Claus Luthe entwarf das Interieur und gestaltete gemeinsam mit dem Architekten Paolo Nestler gewagte, plüschige Farbpaletten für den Audi 100 Typ 43. Heute herrlich retro anmutende Farbkombinationen bis hin zu durchgefärbten Armaturenträgern und Lenkrädern. Papas Fünfzylinder war außen limagelb und innen hellgrün mit dunkelbraunem Kunststoff.
Audi 100 C2 Varianten: Ein Avant und ein 200 Turbo

Ein Jahr nach seiner Präsentation wurde die in Neckarsulm und Ingolstadt gebaute Limousine um eine „Avant“ genannte Schrägheck-Variante ergänzt. Ebenfalls ab 1977 leistete der 2,1 Liter Fünfzylindermotor mit mechanischer K-Jetronic sagenhafte 136 PS und trug die Bezeichnung 5E. 1979 fand eine Modellpflege statt, der Audi 100 Typ 43 bekam große Rückleuchten, umlaufende Stoßstangen, weiße Blinker und ein schon in die 80er Jahre weisendes Interieur. Auch die Rostvorsorge wurde erheblich verbessert.

Die Topmodelle hießen fortan Audi 200 und Audi 200 Turbo und ebneten den Ingolstädtern einen ersten Schritt in die Oberklasse. In der Variantenreichheit ist der Audi 100 C2 mit seinen Motoren (auch ein Fünfzylinder Diesel war im Programm), einem Schalt- und einem Automatikgetriebe, den Ausstattungen vom nackten L bis hin zum CD mit Zierkissen war das technisch robuste und ausgereifte Modell damals interessant und wäre es uneingeschränkt noch heute – wenn der Rost nicht ganze Arbeit geleistet hätte.
Rost-Problem: Gut erhaltene Audi 100 Typ 43 sind rar
Teils minderwertige Bleche, nur marginale Rostvorsorge und die Unsitte der 70er Jahre, im Winter tonnenweise Salz auf die Straßen zu werfen sorgten beim Audi 100 Typ 43 vor allem in der ersten Serie schon nach wenigen Jahren für durchgerostete Radläufe, Türen, Scheibenrahmen und Schweller. Schon in den 80er Jahren überschritten die Kosten für Blecharbeiten meist den Zeitwert der noch jungen Fahrzeuge – und sie wurden entsorgt. Audi 100 Typ 43 Ersatzteile wurden schnell knapp, heute bekommt man beim Hersteller fast nichts mehr.
Wer im Jahr 2023 einen Audi 100 Typ 43 kaufen will, bekommt entweder top gepflegte Ersthandfahrzeuge, sauber restaurierte Exemplare im fünfstelligen Bereich – oder völlig durchgerostete Wracks, die noch auf irgendwelchen Hinterhöfen entdeckt wurden. Dazwischen gibt es nicht mehr viel. Handgeschaltete Fünfzylinder mit gutem Interieur in Wunschfarbe (limagelb, innen grün…?) sucht man entweder sehr lange oder vergeblich. Dabei ist die Technik grundsätzlich robust, die Fünfzylinder klingen nicht nur toll, sie gelten als nahezu unverwüstlich!
Wie sieht das bei euch aus?
Habt ihr euren geliebten Klassiker schon versichert, oder denkt ihr drüber nach? Klickt euch doch mal unverbindlich durch den Hiscox Beitragsrechner und lasst euch vom Leistungspaket begeistern. Und jetzt steigen wir wieder in den Audi 100 C2 ein.
Das Auto der Kindheit

Warum fasse ich das subjektiv zusammen? Nach dem limagelben 5E meines Papas kam lange nichts. Als ich selbst erwachsen war, fuhr ich erst einen resedagrünen Audi 100 Typ 43 mit 85 PS, dann einen 5E Automatik im Jahreswagenzustand. Sowas bekam man in den 90ern noch für 1000 Mark. Vor 10 Jahren lief mir noch ein 2.0 Vierzylinder (der auch im Porsche 924 eingebaut wurde) als LS mit Vinyldach zu. Und nachdem ich endlich anerkannte, dass mich dieses Auto nicht loslässt, steht heute ein Audi 100 GL 5S trocken in der Halle. Er läuft, er fährt und bremst – aber er ist sagenhaft rostig. Da kommt noch ein Haufen Arbeit auf mich zu. Aber hey – er ist innen grün!
Nicht nur seine Seltenheit, auch so viele verliebte Details machen das Fahrzeug heute zu so einem begehrenswerten Klassiker. Piëchs von links nach rechts durchgehende Lüftungsleiste (sogar unter dem Lenkrad) gibt’s immer noch im Phaeton. Optionale Ausstellfenster, die ganze optische Anlehnung an den legendären Ro 80 und die Alltagstauglichkeit der Technik machen den Audi 100 Typ 43 zum perfekten Herzauto – zumindest für die Leidensfähigen, die ihm verfallen sind.
Audi 100 C2 (Typ 43) Bilder & Fahrzeugdaten im Überblick
Modell: Audi 100 C2 (Typ 43) | Motor: Vierzylinder, Fünfzylinder Reihe | Getriebe: Viergang Schaltung, 4+E, Dreigang Automatik |
Bauzeitraum: 1976-1982 | Hubraum: 1,6-2,1 Liter | Antrieb: Vorderräder |
Stückzahl: 902.408 (inkl. Audi 200) | Leistung: 85-136 PS | Leergewicht: 1100-1200 kg |