Welche Fehlerquellen und Frühwarnsignale waren erkennbar?
Dieser Schaden entsteht nicht plötzlich, sondern durch ein Zusammenspiel aus fehlender Fristenkontrolle, unklarer Verantwortlichkeit und verspäteter Kommunikation.
Frühwarnsignale
- Verzögerungen im Projektverlauf ohne verbindliche Eskalation
- Keine klare Verantwortung für Fristenmonitoring
- Offene Kundenanforderungen nicht rechtzeitig geklärt
- Fristnachverhandlung erst kurz vor Termin angesetzt
Typische Fehlerkategorien
- Analysefehler: Auswirkungen einer Fristüberschreitung beim Kunden unterschätzt
- Planungsfehler: Terminplanung nicht belastbar abgesichert
- Kommunikationsfehler: Kunde zu spät über Verzögerung informiert
- Dokumentationsfehler: Projektstatus, Risiken und Entscheidungswege nicht nachvollziehbar festgehalten
Wie hätten Risikoanalyse und Risikomanagement den Schaden verhindert?
Der Schaden war vorhersehbar, weil ein zeitkritisches Kundenprojekt ohne konsequentes Fristen- und Eskalationsmanagement gesteuert wurde. Eine Risikoanalyse hätte früh sichtbar gemacht, dass die Lieferfrist geschäftskritisch für den Kunden ist.
| Erkennen | - Projekt als zeitkritischen Single Point of Failure identifizieren
- Worst Case definieren: Vertragsrücktritt wegen Fristversäumnis
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| Commitment | - Verbindliche Fristenkontrolle und Eskalationskette festlegen
- Entscheidungspfad klären: Wer verhandelt Friständerungen mit dem Kunden
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| Kontrollieren | - Regelmäßige Projektstatus-Reviews mit Terminprognose
- Frühwarnsystem bei Abweichung vom Zeitplan
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| Nachweisen | - Decision Notes zu Terminänderungen und Kundenabstimmungen
- Dokumentation von Projektfortschritt und Risiken
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| Routine | - Lessons Learned aus Terminabweichungen
- Standardprozess für Fristnachverhandlungen
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Wo lag der Graubereich bei Leistungsumfang und Verantwortung?
Der kritische Punkt war nicht nur die technische Verzögerung, sondern die unklare Verantwortung für Fristensteuerung und Vertragskommunikation.
Typische Graubereiche
- Wer überwacht vertraglich vereinbarte Lieferfristen
- Was ist geschuldet: Entwicklung der Software oder rechtzeitige Inbetriebnahme
- Wer führt verbindliche Fristnachverhandlungen mit dem Kunden
- Wer entscheidet bei absehbarer Verzögerung über Eskalation
- Wer haftet bei Vertragsrücktritt durch Fristversäumnis
Was hätte klar beschrieben sein müssen
- Leistungsumfang des IT-Unternehmens inkl. verbindlicher Liefertermine
- Zuständigkeit für Fristenmonitoring und Kundenkommunikation
- Eskalationsprozess bei Terminabweichung
- Regeln für Friständerungen und Nachtragsvereinbarungen
- Haftungslogik bei Projektverzug und Vertragsrücktritt
Was bedeutet das für Deckungssummen und Absicherung?
Der Fall zeigt, wie schnell bei projektbezogenen Vermögensschäden hohe Summen entstehen. Projektstillstand, Ersatzlösungen und Vertragsrücktritt erzeugen erhebliche Forderungen. Deshalb muss die Deckungssumme so gewählt werden, dass auch Verzögerungs- und Nichterfüllungsschäden ausreichend abgesichert sind.
Warum die Schadenhöhe schnell steigt
• Stillstandskosten beim Kunden
• Mehrkosten für Ersatzdienstleister
• Reputationsschaden und Folgeauftragsverlust
Wie Sie die Deckungssumme ableiten
• Worst Case pro Projekt kalkulieren: Kundenstillstand, Ersatzlösung, Vertragsfolgen
• Szenario Fristversäumnis: maximale Schadenhöhe bei Rücktritt
• Risiken priorisieren: zeitkritische Projekte, kundenseitige Abhängigkeiten
• Deckung regelmäßig prüfen bei größeren Projektvolumina
Fazit: Vom Fristversäumnis zum Vermögensschaden - Haftung durch fehlendes Fristenmanagement
Dieses Beispiel macht deutlich, wie eine Projektverzögerung ohne konsequente Fristensteuerung unmittelbar in ein haftungsrelevantes Ereignis mündet. Die Haftung entsteht durch die unterlassene Sicherung absehbarer Terminrisiken. Aus einer Projektverzögerung wird so ein beruflicher Vermögensschaden, für den das IT-Unternehmen in Anspruch genommen werden kann.