Mit einem kleinen Spielzeugauto der Firma SIKU in einer wahrhaft seltsamen Farbe ging alles los. BMWs Sechser Coupé aus den 70ern weckte damals Begehrlichkeiten, heute weckt es Erinnerungen. Großer Reihensechser vorn längs, Heckantrieb, zwei Türen mit vier Plätzen und eine zeitlose, sportlich gedrungene Karosserie. Die Haifischnase hat es Ferenc Kempermann aus Hamburg seit seiner Kindheit angetan. Und endlich hat er sie in 1:1, in der gleichen Farbe wie damals sein SIKU Auto

Endlich Träume erfüllen

Kennt ihr das nicht auch? In einem ruhigen Moment stöbert man in den Autobörsen des Internets, ohne feste Kaufabsicht und ohne konkreten Suchauftrag. Und da tauchen sie auf, die Autos, die man schon immer einmal haben oder mindestens einmal fahren wollte. Oft sind das die, die Mama und Papa fuhren, als man selbst noch ein Kind war. Oder es ist das erste eigene Auto, später verschrottet und heute vermisst. Was wäre ein Klassiker für uns, wenn mit ihm keine Erlebnisse und persönlichen Gefühle verbunden wären? Ich verbringe viele Stunden pro Woche mit Reisen durch die Angebote der käuflichen Zeitkapseln und bin beim Recherchieren auf einen Hamburger Jung‘ gestoßen, der eines dieser Coupés im Alltag bewegt, die ich schon immer wunderschön fand. Also hin da!

Was für eine Farbe!

Auf dem Asphalt vor den Großmarkthallen in Hamburg wabert die Luft. Umgeben von Betonarchitektur und Glasflächen schleicht ein grüner Hai grollend über die Parkflächen. Die Farbe schreit mich an, dieses… Grün? Gelb? Ist das schön oder schlimm? Die Frage ist schnell beantwortet: Das ist EXTREM cool. Wir alle hatten einen BMW in genau dieser Farbe in unserer Matchbox- und SIKU-Autosammlung, im Wohnzimmer oder draußen in der Sandkiste, damals in den 70ern. Ich auch. Ferenc Kempermann auch. Der 48 Jahre alte Freiberufler hält die sonor schnorchelnde Haifischnase an, öffnet die holmlose Fahrertür und steigt aus. Damals, bei dem Auto in der Sandkiste, schien die Farbe normal. Jetzt, hier, im Maßstab 1:1 hat man entweder das Gefühl, als Schrumpfmensch neben eben diesem SIKU Auto zu stehen – oder guckt sich argwöhnisch um, ob nicht irgend jemand die Reaktion filmt. Hinter Kempermann, im Inneren, ist noch mehr Grün. Farngrün nennt sich diese Lederfarbe, um genau zu sein.

BMW 630 CS mit und ohne i

Die Haifischnase ist ein amazonitgrüner BMW 630 CS, eines der seltenen Vergasermodelle der sehr erfolgreichen Baureihe E24. Von 1975 bis 1989 liefen von dem am längsten gebauten BMW Coupé 86.219 Stück von den Bändern, davon aber in den ersten vier Jahren nur 3.972 Stück mit dem Vergasermotor. Der Einspritzer, der mit dem i hinter dem CS, war sparsamer. Aber wer will denn schon sparen, wenn er sich ein Auto in so einer Farbe kauft? Außerdem hatte Ferenc vor rund 10 Jahren schon einen 635 mit dem i hinten dran. Der war in einem perfekten Zustand, aus erster Hand gekauft nach 13 perfekt eingemotteten Jahren. Die stilvolle Kombination aus elegantem Cruiser und rassigem Sportler erschien dem Hamburger perfekt, der Reihensechser hatte diesen sensationellen Klang, und das nach vorn geneigte „Haifischmaul“ stand als mutige Ikone für BMWs Design der 70er und 80er Jahre. Das Modell aus der zweiten Baureihe (CS/1) verkörperte allerdings wie kaum ein anderes die kühle Eleganz der 80er Jahre. Es fehlte ihm der Charme, den die etwas fröhlicheren 70er mehr oder weniger ungewollt mitbrachten.

Wenig Arbeit, viel Grün überall

Und vor einem Jahr schrie er ihm dann förmlich in die Augen. Der Amazonitgrüne. Im E24 Forum, bei den Verkaufsgesuchen. Da waren die 70er wieder, in der supercoolen Coupéform, aber nicht mit dieser grauen Kühle im Charakter. Grüner Lack, grünes Leder und ein grüner Teppich, außerdem mit dem nicht ganz so seidenweichen und irgendwie nicht perfekten (und deshalb so sympathischen) Vergasermotor M30B30. Ferenc kam, sah und kaufte. Er ersetzte den durchgerosteten Tank, überarbeitete die korrodierten Bremsleitungen, kaufte einen neuen Auspuff und spendierte neue Felgen und Reifen. Fertig war der Traumwagen, und er sieht exakt so aus wie sein überlebendes Modell von SIKU aus Kindertagen.

Gebaut in Dingolfing

Spricht man über klassisches deutsches Automobildesign, fallen fast immer die Namen Luthe und Bracq. Letzterer hatte auch beim Sechser seine kreativen Finger im Spiel und neigte das avantgardistisch gestaltete Cockpit noch ein wenig mehr in Richtung Fahrer. Der 1976 vorgestellte 6er verkaufte sich vom Start weg gut und deutete schon das Design des erst ein Jahr später erscheinenden 7ers an. Ursprünglich wurden die kompletten Fahrzeuge bei Karmann in Osnabrück gefertigt, da die Qualitäten allerdings stark schwankten verlagerte man die Produktion 1977 ins Traditionswerk nach Dingolfing, wo die Firma Glas ihre Autos bis 1967 fertigte. Eine große Modellpflege 1982 und eine weitere 1987 beließen den E24 lange quasi aktuell, und seine robuste, schnittige Form machte ihn zum gern genommenen Objekt der offiziellen Tuner und Veredler. Von Schnitzer, Alpina und Hartge haben nicht wenige Fahrzeuge bis heute überlebt.

Anders als jeder Neuwagen

Ferencs CS ist ungetunt und unverspoilert. Es sitzt sich straff und bequem auf dem farngrünen Gestühl, und einer seiner ersten Sätze bleibt in der Nase hängen: „Er riecht so gut“. Stimmt. Dabei lässt sich gar nicht genau umreißen, wonach genau der Wagen innen eigentlich riecht. Ein bisschen Teppich, ein bisschen Motoröl, ein bisschen Leder? Irgendwie so. Jedenfalls wohnlich, voll 70er und ganz anders als jeder sterile Neuwagen. Und er fährt sich auch anders als jeder Neuwagen. Autos aus den 70ern, und mögen sie noch so gut von kompetenten Ingenieuren entworfen und abgestimmt worden sein, benötigen immer ein bisschen Feingefühl. Der Vergaser verschluckt sich mal, ein Gang hakelt, die Kupplung kommt nicht aus dem Quark. Diese Autos müssen erfahren werden, und erst nach einiger Zeit sind Fahrer und Fahrzeug eine Einheit und bewegen sich souverän durch die Lande.

Der drei Liter dicke Reihensechser dreht so, wie man das von einem BMW erwartet. Der leicht turbinenartige Sound ist legendär und wird durch keinen Katalysator gedämpft. Mit runtergelassenen Fenstern cruisen wir straff durch die City und den Hafen. Überall heben Autofahrer den Daumen. Irgendwie macht das freundliche Interesse der fremden Umstehenden ja auch Spaß. Immerhin wird man mit einem Sechser Coupé nicht automatisch in eine klischeebehaftete Schublade gesteckt, wie das bei anderen Typen der Fall ist. Der BMW ist einfach objektiv schön (falls sowas geht), und er ist wie ein Sechser im Lotto. Klasse, aber am liebsten nicht viel drüber reden. Also weiterfahren, der Sonne entgegen.

Habt ihr auch einen Oldie, den ihr hegt und pflegt? Dann schaut euch doch mal die Spezialtarife von Hiscox an. Und wer wie ich schwärmend im Netz unterwegs ist überlegt, sich einen lang ersehnten Klassiker anzuschaffen, kann natürlich auch mal schauen, was der ihn denn kosten würde. Das sind oft Überraschungen dabei, keine Überraschung wiederum ist der Versicherungsbeitrag für eine Hiscox Oldtimer-Versicherung (denn den kann man vorher erfragen). Wir sehen uns auf der Landstraße!

Mehr Bilder gibt es im Original-Artikel zu sehen!

BMW 630 CS (E24) von 1978

20190802-jens-tanz-bmw-sharknose-scheinwerfer
20190802-jens-tanz-bmw-sharknose-motor
20190802-jens-tanz-bmw-sharknose-heck
Motor:
Sechszylinder Reihe
Getriebe:
Viergang Schaltung
Beschleunigung:
0-100 km/h: 8,9 s
Hubraum:
2.966 ccm
Antrieb:
Hinterräder
Top Speed:
210 km/h
Leistung:
136 KW (185 PS) bei 5800 1/s
Länge/Breite/Höhe:
4.755/1.725/1.365 mm
Wert:
ca. 22.000 Euro
Max. Drehmoment:
260 Nm bei 3500 1/s
Leergewicht:
1.450 kg

Classic Cars Blog Gastautor Jens Tanz

Autor dieses Beitrags:

Jens Tanz ist Motorjournalist und Social Media Manager und lebt leidenschaftlich die Autos der 70er aus dem Straßenbild seiner Kindheit. Im Netz ist er als „Sandmann“ unterwegs und schraubt und schreibt sowohl über die eigenen Erlebnisse mit seinen Oldtimern als auch markenübergreifend über andere Oldtimer und ihre Menschen.

Bilder: © Jens Tanz, Sandmanns Welt