Dieter Quester ist unter anderem durch seine Siege bei Tourenwagen-Europameisterschaften am Nürburgring und beim Formel 2-Rennen in Hockenheim berühmt geworden. Dem Motorsport – seiner großen Leidenschaft – ist er stets treu geblieben und ist auch mit seinem Vorkriegs-BMW bei Rallyes und Rennen aktiv!

Wir haben die Legende und spannende Persönlichkeit auf der Ennstal-Classic getroffen und geplaudert.

Welches Ereignis aus Ihrer Zeit als Tourenwagen- und Formel 2-Rennfahrer ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Dieter Quester: Definitiv das Formel 2-Rennen am Hockenheimring 1970! Hier habe ich meinen ersten Sieg in der Formel 2 eingefahren – und habe den leider schon verstorbenen und Top-Piloten Clay Regazzoni geschlagen, der damals dann zweiter wurde. In der Eingangskurve der letzten Runde wurde es kritisch für uns beide – sowohl für Clay Regazzoni als auch für mich: Wir hatten ungefähr 500 Meter vor der Zielflagge einen Unfall.

Unsere Fahrzeuge haben sich mit den Rädern berührt und kamen von der Rennstrecke ab. Ich bin wenige Zehntelsekunden schneller zurück auf die Strecke und habe mit nur 25 Metern Vorsprung gewonnen (schmunzelt). Ein Sieg in einem Formel-Auto ist immer etwas Besonderes. So gesehen zählt dieses Hockenheim-Rennen zu den wichtigsten Veranstaltungen meiner Laufbahn.

Es gibt noch ein zweites Rennen und zwar die DTM 1990 auf der Avus. Dieses Rennen war von der Dramaturgie her einzigartig! In der vorletzten Runde war ich an der dritten Position und Jacques Laffite direkt hinter mir. Ich wollte unbedingt den dritten Platz retten und bin etwas zu schnell in die letzte Kurve gefahren. Das Fahrzeug wurde am Heck ausgehebelt und überschlug sich. Jacques Laffite erschrak so sehr, dass er vom Gas ging. Derweil rutschte ich auf dem Autodach liegend die restlichen 150 Meter ins Ziel – und wurde auch als dritter Platz gewertet.

Passiert ist Ihnen hoffentlich nichts?

Dieter Quester: Nein (winkt lachend ab). Für den nächsten Lauf musste ich aber auf ein anderes Auto umsteigen.

Wie ist Ihre Liebe zum Motorsport entstanden?

Dieter Quester: Das ist eine lange Geschichte! Mit dem Motorsport startete ich zunächst am Wasser – bei Motorbootrennen. Einmal habe ich die Sportboot- und einmal die Rennboot-Europameisterschaften gewonnen. Langweilig war es zwar nicht – aber irgendwann sagte ich mir: „Das kann es nicht gewesen sein.“ Also sattelte ich um auf zwei Räder und fuhr ein oder eineinhalb Jahre lang Motorradrennen.

Dann stieg ich um auf Rennfahrzeuge. Eine Initialzündung gab es nicht – aber ich wusste schnell: Das will ich machen und nichts anderes. Die Floskel „Geht nicht“ gibt es in meinem Wortschatz nicht. Ich versuch, immer eine Lösung zu finden. Da waren sicher am Anfang viele Probleme. Aber ich habe mich durchgeboxt und irgendwann ist etwas daraus geworden…

Sie sind also von der Persönlichkeit her jemand, der Herausforderungen sucht?

Dieter Quester: Ja, sonst würde ich wahrscheinlich Bowling machen oder irgendeinen Sport betreiben, der völlig ohne ein Risiko ist. Ich lebe schon so lange mit dem Motorsport,
das Risiko nehme ich gar nicht mehr als so riesig wahr.

Was bewegt Sie auch heute noch dazu, im historischen Motorsport aktiv zu sein?

Interview: Dieter Quester über Motorsport
Dieter Quester am Rallye-Start in Gröbming. © Ennstal-Classic / Martin Huber

Dieter Quester: Auf den historischen Motorsport bin ich durch einen Zufall gekommen. Der Zufall war, dass mein Vater früher einen BMW 328 hatte und ein solcher vor circa 12 Jahren zu verkaufen war. Ein Freund von mir hat mir nahegelegt, das Auto zu kaufen. Das war damals noch weit entfernt von den Preisen, die heute für einen 328er zum Beispiel aufgerufen werden.

So hat sich das „Klassische“ bei mir hineingeschummelt – und ist, das kann ich ohne Weiteres sagen, zu einer Liebe geworden. Das ist ein tolles Gefühl und macht Spaß, mit Autos zu fahren, die in den 1940er Jahren bei Rennen im Einsatz waren.

2018 haben Sie sich viele große Programmpunkte an Rennen und Rallyes vorgenommen. Wir treffen Sie heute bei der Ennstal-Classic. Mit welchem Oldtimer starten Sie und was zeichnet das Fahrzeug aus?

Interview: Dieter Quester über Motorsport
Die Rallye führte Dieter Quester und seine Beifahrerin auch an den Wolfgangsee. © Ennstal-Classic / Martin Huber

Dieter Quester: Mit dem besagten BMW 328. Der 328er ist gerade für solche Veranstaltungen ein tolles Fahrzeug – vom Handling, der Motorleistung, der Übersichtlichkeit her. Hinzu kommt, dass ein Vorkriegsfahrzeug Reifen hat, die mit denen eines modernen nicht zu vergleichen sind. Auch die Bremsen, die Lenkung und so weiter.

So sitzt man in einem Baujahr 1937 anders als in einem modernen Sportfahrzeug. Aber das macht´s gerade aus und sogar liebenswert. Dass man mehrere hundert Rallye-Kilometer eben nicht in einem bequemen Auto fährt.

Zwangsweise muss man sich auf so ein Auto wie den BMW 328 und die Eigenarten eines Fahrzeugs von 1937 einstellen. Ich muss genau wissen, was ich der Lenkung zumuten kann, was ich den Bremsen zumuten kann.

Welche Vorbereitungen auf die Ennstal Classic haben Sie getroffen?

Dieter Quester: Normalerweise planen wir zur Vorbereitung auf eine Rallye, dass wir Lichtschranken fahren, Aufgaben trainieren gehen. Aber aus verschiedenen Gründen ist nicht gegangen – und so gab es kein Training für die Ennstal-Classic.

Ich hatte mit dem BMW 328 einen Unfall – nicht so dramatisch, aber ein Großteil des Fahrzeugs musste lackiert werden. Auch war ein leichter Fahrwerksschaden. Aber ein historisches Fahrzeug wie dieses lässt sich nicht wie ein modernes Auto in einer Woche fertigmachen. So gesehen dauerte die Reparatur dann länger, als ich angenommen hatte und das Fahrzeug wurde erst drei Tage vor der Ennstal-Classic fertig.

Aber ich kenne das Auto gut: Ich bin damit inzwischen rund 30, 40 Veranstaltungen gefahren. Im Schnitt fahre ich fünf bis sechs Veranstaltungen im Jahr – manchmal mehr, manchmal weniger. Auch die Ennstal-Classic kenne ich gut! Die Veranstalter sagten mir, dass ich jetzt zum 20. Mal dabei bin. Davon war ich auch fünf- bis sechsmal Teilnehmer der Racecar Trophy des gleichen Veranstalters, auch eine schöne Veranstaltung. 

Auf welche Motorsport-Highlights in diesem Jahr freuen Sie sich noch?

Dieter Quester: Ich freue mich sehr auf die Gran Premio Nuvolari heuer in Italien. Sie hat Mille Miglia Charakter – also typisch italienisch. Teilweise sind die Sonderprüfungen auf abgesperrter Strecke. Die meisten Straßenstücke werden auf normalen Verkehrsstraßen gefahren. Aber auch auf verschiedenen Rennstrecken wird gefahren – zum Beispiel im Autodromo Enzo e Dino Ferrari in Imola. Vom Charaktertyp her ist das eigentlich meine Lieblingsveranstaltung.
Auch fliege ich Ende Oktober in die USA und nehme an der 24h Classic Daytona teil. Da geht´s um was – das ist eine Rennveranstaltung mit historischen Autos.

Und allgemein: Gibt es einen Oldtimer, an dem Ihr Herz ganz besonders hängt – und warum?

Dieter Quester:Ich hänge an meinem 328er. Auch habe ich noch einen AC Bristol Le Mans Ausführung, ein wunderschönes sportliches Rennfahrzeug. Aber schon mit Straßenzulassung, Baujahr ist 1958.

Welche Unternehmungen machen Sie mit Ihrem Oldtimer privat am liebsten – Ausfahrten zum Beispiel?

Dieter Quester: Selten – hin und wieder mal bei wunderschönem Wetter – kommt es vor, dass ich ein Auto raushole, um vielleicht mit dem 328er Brötchen zu holen oder so. Urlaubsfahrten oder Ausflüge, Wochenendausflüge, nein; meistens sind die Oldtimer im Rallyeeinsatz.

Gab es mit Ihrem Oldtimer unterwegs auch Schrecksekunden?

Dieter Quester: Nein! Zum Glück habe ich noch keine Situation erlebt, in der ich mir gedacht habe, „Huh – das war aber jetzt knapp“ (lacht).

 

Herr Quester, vielen Dank für Ihre Zeit und das spannende Gespräch!

Autorin Barbara SchweigertDas Interview mit Dieter Quester bei der Ennstal Classic führte

Barbara Schinko
am ersten Zwischenstopp der Ennstal-Classic am Salzburgring. Im Anschluss hat sie die Sonderprüfung beobachtet und auch über die anderen Programmpunkte der berühmten Rallye durch die Steiermark berichtet.