Die Geschichte eines Wagens oder des Konstrukteurs zu recherchieren, deckt oft Interessantes auf! So auch bei dem Restaurationsprojekt, das wir mit unserem Hiscox Classic Cars Blog begleiten: Die Geschichte von Rennwagen-Konstrukteur Alfred Hartmann ist beeindruckend und motiviert Joachim Althammer und seine Helfer dazu, einen von ihm konstruierten Formel-Junior-Rennwagens von 1961umfangreich wiederherzurichten.

Wie Alfred Hartmann nach Berchtesgaden und zum Automobilbau gekommen ist

Alfred Hartmann wurde am 12. August 1910 in Spremberg geboren und war vor dem Krieg als Motorrad-Rennfahrer sehr bekannt – unter anderem wurde der gebürtige Sachse 1937 auf einer Ladepumpen-DKW Vierter in der Europameisterschaft. In den folgenden Jahren fuhr er auch mit DKW-Automobilen erfolgreich bei Zuverlässigkeits- und Alpenfahrten mit. Im Krieg verlor Hartmann durch einen Granatsplitter den linken Arm und nach der Genesung verschlug es ihn nach Berchtesgaden.

Nachdem er zwei Jahre bei VW-Händler Hans Buchwinkler als Autoverkäufer gearbeitet hatte, konnte er sich aufgrund der noch bestehenden Verbindungen zu DKW eine neue Existenz aufbauen. Im Nonntal eröffnete er 1954 eine Werkstatt und auch der Rennsport faszinierte ihn trotz seines Handicaps weiterhin. Im Jahr 1955 nahm er mit einem DKW F 91 an der Österreichischen Alpenfahrt und erreichte einen hervorragenden vierten Platz. Sechs Wochen vorher war er mit seiner „Sonderklasse“ schon in Italien bei der Mille Miglia gestartet.

Bei dem legendären Langstreckenrennen von Brescia nach Rom und wieder zurück gewannen in dem Jahr Moss / Jenkinson mit dem Mercedes 300 SLR überlegen in einer nie mehr erreichten Fabelzeit von 10:07:48 Stunden. Hartmann erreichte trotz eines Hubraum-Handicaps von 200 ccm in seiner Klasse den hervorragenden sechsten Platz.

Welche Fahrzeuge Alfred Hartmann in seiner Nonntal-Garage geschaffen hat

Geschichte von Kontrukteur Alfred Hartmann: Ein Rennmotor
Ein Rennmotor aus der Nonntal-Garage von Alfred Hartmann. © Sepp Seipel

Seine Erfolge sprachen sich herum und so wurde das Tunen von DKW Dreizylinder-Zweitaktmotoren ein lohnender Zweig der kleinen, aber feinen Nonntal-Garage. Über 70 Rennmotoren wurden im Laufe der Zeit in die ganze Welt verschickt.

1957 frisierte er einen wunderschönen Spyder der Firma Drews aus Wuppertal und nahm damit 1957 und 1958 sehr erfolgreich an verschiedenen Rennen teil – unter anderem gewann er damit seine Klasse beim ersten Roßfeldrennen.

In diesem Jahr startete auch die neu gegründete Formel Junior-Serie und Hartmann begann Anfang 1958 in der Nonntal-Garage mit der Entwicklung eines eigenen Rennwagens.

Geschichte von Kontrukteur Alfred Hartmann: Am Roßfeld
Alfred Hartmann mit dem Spyder 1958 beim Roßfeldrennen.
Geschichte von Kontrukteur Alfred Hartmann: In der Nonntal-Werkstatt
Jakob Lindner und Sepp Seipel in der Nonntal-Garage. Beide Fotos: © Heimatmuseum Berchtesgaden

Für den Fronttriebler wurde der Rahmen eines DKW F 93 abgeändert, als Antrieb kamen Motor und Getriebe aus einem 3=6 zum Einsatz. Durch den Frontmotor wurde das Fahrzeug aber vorne zu hoch und es gab große Probleme mit der Kühlung und dem Luftwiderstand. Alfred Hartmann ließ sich aber nicht entmutigen und begann im Herbst mit der Konstruktion des Typs 2. Hier wurden viele Details verbessert, die wichtigste Änderung war aber die Drehung der Antriebseinheit. Das Getriebe lag nun vorn und dadurch ergab sich eine wesentlich schnittigere Frontpartie.

Da der Platz in der Nonntal-Garage nun nicht mehr ausreichend war, mietete Hartmann in der Unterau einen alten Luftschutzbunker und baute diesen zur Rennwerkstatt aus. Hier entstanden in den Jahren 1959 bis 1961 etwa 15 Rennwagen, wovon im letzten Jahr mindestens drei Exemplare in das ehemalige Jugoslawien geliefert wurden. Hier betrieb Staatspräsident Tito in Novo Mesto einen eigenen Rennstall und hier haben auch die Überreste eines dieser Fahrzeuge überlebt, welches das Team um Joachim Althammer restaurieren möchte. Für die „Scuderia Hartmann Berchtesgaden“ fuhren bekannte Rennfahrer wie Eberhard Mahle, Walter Schatz und Kurt Ahrens Jun.

Alfred Hartmann übergab seinen Betrieb 1963 an Georg Köppl und verließ Berchtesgaden Richtung Innsbruck, wo er in der österreichischen Mineralölverwaltung arbeitete. 1989 ließ er sich in Lenggries nieder und starb am 6. Mai 2001 in Fürstenzell.

Wie Alfred Hartmann im Gedächtnis bleibt

Trotz des Abrisses der ehemaligen Nonntal-Garage im Jahr 2016 erinnern sich in Berchtesgaden aber immer noch viele ältere Leute an den charismatischen einarmigen Werkstattbetreiber und Rennfahrer – und vor allem an die unglaublich lauten Probefahrten mit den Rennwagen auf öffentlichen Straßen.

Joachim Althammer hat die Daten, Fakten und Erzählungen zu Alfred Hartmann und seinem Leben recherchiert und zusammengefasst.

Auch die zeitgenössischen Bilder hat er für seine Nachforschungen freundlicherweise zur Verfügung gestellt bekommen.