Einem Schreibfehler hat Dirk Matuszewski den Schnäppchenpreis seines Ford Capris zu verdanken, trotzdem war das Fahrzeug leider in einem desolaten Zustand. Aber aufgeben war keine Alternative. Was der Mann im Laufe der Zeit reingesteckt hat, übersteigt den Marktwert mehrfach, doch heute fährt er sportlich und zufrieden mit seinem extrem seltenen, leuchtorangen Traumwagen durch Schleswig-Holstein. Wir sind mal hinterhergefahren.

Verkaufe Ford Cabri.

Mit “b”. Der 2,0 Liter GT Vierzylinder fand nicht viele Mitbieter, wie denn auch bei diesem ungewollten Schreibfehler? Und plötzlich gehörte der Wagen Dirk Matuszewski. Das kam ein bisschen unerwartet. Aber der Kauf kam nicht ungelegen, schließlich bot der Mann nicht einfach aus Spaß. Nur der kleine Endpreis war ein wenig überraschend. Er recherchierte schon ein bisschen länger im Netz und bot hier und da bei interessanten Fahrzeugen mit, telefonierte und recherchierte. Zack. Nun war es also so weit.

Schon als Fünfjähriger saß Dirk im engen Fond von Papas taubenblauem Capri II, ein Sportcoupé mit niedrig verdichtetem 2-Liter Vierzylinder und 85 PS. Wir alle können ein Lied davon singen, dass uns Papas Auto geprägt hat und ab einem bestimmten Alter der Wunsch keimt, so ein Auto selbst zu besitzen. Fahrt ihr auch das Auto, was euer Vater fuhr? Seid ihr gut Oldtimerversichert? Falls Zweifel bestehen – klickt mal auf diesen Link zum Spezialversicherer Hiscox und vergleicht. Dirk hatte nun sowas wie das Auto seines Vaters, für lächerliche 179 Euro, da war noch finanzielle Luft nach oben. Er packte einen Kumpel und etwas Geld ein und ab ging es ins südliche Bremer Land. Nachdem die maroden Handbremsseile durchgekniffen waren und ein paar beherzte Schläge mit dem Hammer auf die hinteren Bremstrommeln die Achse freigaben – konnten die beiden mit dem Neuerwerb auf eigener Achse zurück nach Kiel reiten.

Nach Hause reiten

Ja, reiten. Ford Deutschland und Ford of Britain brachten 1968 ein zweitüriges europäisches “Pony Car” auf den Markt, was dem in den USA sehr erfolgreichen Ford Mustang nacheifern sein sollte. Man setzte auf ein ähnlich preiswertes Baukastensystem wie in Detroit, nahm das Fahrwerk vom britischen Cortina und die Motoren vom deutschen Taunus. Die Ford Werke in Saarlouis und Köln bedienten die Käufer aus allen Bevölkerungsschichten mit vordergründig variantenreichen Motoren und bestückten den Ur-Capri mit dem 1,3 Liter, 1,5 Liter und 1,7 Liter V4. Die rauen Krawaller waren aber antik und schon in vorangegangenen Baureihen völlig überfordert.

Den Titel der „Spitzenmotorisierung“ trug damals der 2,0 Liter V6, und auch diesen Fehler machten die Deutschen ihren amerikanischen Mustang Vor-Reitern nach. Die Masse wollte mehr Leistung. Schon 1969 legte man den 2300 GT mit 2,3 Liter Doppelvergaser V6 und den 2600 GT mit 2,6 Liter Doppelvergaser V6 nach, auf der Insel gab’s sogar den legendären 3,0 Liter Essex V6 mit immerhin 138 PS. Geht doch.

Facelift für den Millionär

1973 knackte der Capri die Millionen, 1974 kam die längst fällige Überarbeitung und machte aus dem Sportcoupé grundsätzlich das, was es bis zum Produktionsende sein sollte. Wie bei den Ford Modellwechseln dieser Jahre üblich blieb die Bodengruppe und alles rund um die B-Säule fast gleich. Die Bleche wurden sachlich geglättet und die Glasflächen vergrößert, womit man einem Hauptkritikpunkt der Unübersichtlichkeit begegnete. Dazu spendierte man noch eine riesige Heckklappe statt des winzigen Kofferraumdeckels, und in Verbindung mit den (in höheren Ausstattungsvarianten sogar einzeln) umlegbaren Rücksitzen wurde aus dem Zweitürer mit zwei Handgriffen ein geräumiger Fastback-Kombi. Dem weniger sportlich ambitionierten Klientel kam man noch mit einer weicheren Fahrwerksabstimmung entgegen und bot im Topmodell “Ghia” Plüsch, Holzimitat und Automatikgetriebe ab Werk. Passt.

Es gab nie einen Capri III

1978 zog man die Haube über die Doppelscheinwerfer und die Stoßstange um die Ecken. Der Grill und die Rücklichter wurden lamellig gestaltet, und ein kleines Spoilerchen verbesserte die Aerodynamik (und dämmte den Durst ein wenig). Diese stark überarbeitete, immer noch blattgefederte Variante mit hinterer Starrachse wird heute inoffiziell Capri III genannt, ist aber tatsächlich nur ein intern “Projekt Carla” und offiziell “Capri II ’78” genanntes Facelift. Ab 1981 debütierte die Benzineinspritzung. Den Capri III hat es nie gegeben. Und auch mit den anderen europäischen Pony Cars war in Deutschland 1984 Schluss, bis 1986 gab es noch rechtsgelenkte Modelle für die Insel, nach insgesamt 1.886.647 gebauten Coupés fiel die Klappe.

Zerlöchert wie ein Schweizer Käse

Hinter Dirks 179-Euro-Capri fiel zunächst auch die Klappe. Als das Kurzzeit-Kennzeichen nach 5 Tagen abgelaufen war (und die Begeisterung für den Sportler nicht weniger wurde) parkte er ihn in seinem Schrauberparadies: 500m² trockene Halle, zwei Hebebühnen, Schweißgerät und Werkzeug. Dort wurde der gesellschaftsfähige Sportler nach und komplett bis auf das Fahrwerk zerlegt und anschließend zum Sandstrahlen gegeben. Als der Kölner Sportler von dort wieder zurück kam sah er aus wie ein völlig zerlöcherter Schweizer Käse, aber aufgeben ist nicht an der Förde. Dirk ließ sich von einem Bekannten mit reichlich Blechen versorgen und zauberte dem Kölner in 5 Monaten feierabendlichem Dauerschweißen ein neues Kleid. Und die finale Färbung dieses Kleides sollte nicht irgendeine werden, denn im neuen Jahrtausend gab es schon genug schwarze, weiße und silberne Autos.

Ich baue meinen Traumwagen

RAL2004, ein original Ford Lack von 1978, sollte die metallenen Flanken künftig heller leuchten lassen als einen Rettungskreuzer auf der Kieler Förde. Landläufig könnte man diese Farbe als “orange” bezeichnen, nur irgendwie… ein bisschen krasser. Während der Lackierung nutzte Dirk die Zeit und machte sich auf die Suche nach einem adäquaten Motor, der den müden Vierzylinder ersetzen sollte. Am liebsten wäre es ein kräftiger und zuverlässiger Einspritzer, aber die originalen Capri-Motoren mit dem kleinen i hinten waren selten und teuer. Dirk fand einen V6 aus einem Scorpio, ließ ihn von einer Fachfirma zerlegen und neu aufbauen, lackieren, neu abdichten und mit Ventildeckeln aus Aluminium bestücken. Parallel kam per Luftfracht aus Australien ein Armaturenbrett aus gebürstetem V2A. So langsam begann eine Art Traumwagen vor Dirks Augen zu entstehen, der nun nur noch zusammengebaut werden musste.

Der Moment der Wahrheit

Nach 2,5 Jahren schweißen und schrauben und einer Investition von rund 12.000 Euro allein für die Ersatzteile steht der Capri im Jahr 2006 komplettiert, gelackt und hochglänzend auf dem Hof. Die Jungfernfahrt dauert genau 5 Kilometer und endet dampfend und zischend am Straßenrand. Das Kühlwasser kocht. Matuszewski holt den orangen Hecktriebler mit einem Trailer zurück in die Schrauberhalle und begibt sich auf die Fehlersuche. Der Motor hat das kochende Wasser aus dem Ausgleichsbehälter gedrückt, hat es vielleicht die angeblich neue Zylinderkopfdichtung zerlegt? Dem soll nachgegangen werden, also nehmen die Jungs die Ansaugbrücke und die Steuerkette ab und setzen die Knarre mit zölliger Verlängerung auf die erste Kopfschraube – der Kandidat ist nur handfest angezogen. Genau wie die anderen Schrauben auf beiden Köpfen. Das stellt ein wenig die Aussage “von einer Fachfirma neu aufgebaut” in Frage, erklärt aber andererseits, warum der Motor sofort sein Wasser ausgespuckt hat. Dirk planiert beide Köpfe, besorgt neue Dichtungen und Schrauben – und das ist es dann auch.

Die Treue schwören

Der Cabri (mit B) läuft heute rund und macht seit dem Neuaufbau einen Heidenspaß. 2010 wird das Auto seine persönliche Hochzeitskutsche, 2013 bekommt er mit allen zeitgenössischen Umbauten das begehrte H-Kennzeichen. Und die Oldtimer Spezialversicherung. Habt ihr euch schon das Angebot von Hiscox für euren Klassiker angeguckt? Heute fährt Dirk Matuszewski den Sportler immer bei gutem Wetter und bereut keinen einzigen Kilometer. Der Motorsound ist kernig und kraftvoll, das straffe Fahrwerk vom “großen” Capri 2.8i liegt satt und fest auf dem Asphalt und die Jahre ziehen ins Land, ohne dass auch nur irgendetwas kaputt gehen würde. Ach doch. Zwei klitzekleine Rostbläschen finden sich an der Fahrertür. Aber was ist schon ohne Makel in diesem Leben? Die Pickelchen werden in diesem Winter ausgebessert. Und wie er damals in der Hochzeitskutsche seiner Ehefrau die ewige Treue versprach ist er sich beim Capri irgendwie auch sicher: Der wird nicht mehr hergegeben.

 

Ford Capri Super GT

01 Panorama 22
Motor 02
Details 02
Baujahr:
1983
Motor:
V6
Leistung:
147 PS
Drehmoment:
222 Nm bei 3000 U/min
Höchstgeschwindigkeit:
> 210 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100:
8,2 s
Getriebe:
Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb:
Hinterräder
Hubraum:
2.900 ccm
Länge / Breite / Höhe:
4376 mm / 1698 mm / 1323 mm
Wert:
ca. 17.000 Euro

Classic Cars Blog Gastautor Jens Tanz

Autor dieses Beitrags:

Jens Tanz ist Motorjournalist & Social Media Manager und lebt leidenschaftlich die Autos der 70er aus dem Straßenbild seiner Kindheit. Im Netz ist er als „Sandmann“ unterwegs und schraubt und schreibt sowohl über die eigenen Erlebnisse mit seinen Oldtimern als auch markenübergreifend über andere Oldtimer und ihre Menschen.

Bilder: © Jens Tanz, Sandmanns Welt