Alles ist Comic. Beep Beep. Dem erfolgreichen Roadrunner von Plymouth setzte Dodge Ende der 60er Jahre einen echten Konkurrenten ins Reservat. Die Super Biene schwirrte zwar im Schatten des Laufvogels, brummt aber heute mindestens genauso gut und ist (noch) nicht ganz so teuer. Wir sind mit einer pflaumenfarbenen Matching Numbers Original-Biene über die Sumpfdotterblumenwiese geflogen und haben den Stachel gespürt.

Super Bee in Crazy Plum

Vor rund 49 Jahren gab es auf der anderen Seite des großen Teiches mal ein Auto mit dem Namen einer Biene und (in diesem Fall) in der Farbe einer verrückten Pflaume. „Crazy Plum“ hieß der originale Lack des Coupés von Manfred Wieck, tatsächlich rollt man auf vier Rädern kaum kraftvoller und bunter. Als Beweis greift der Industriekaufmann aus der Residenzstadt Bad Arolsen zum pistolenartigen Hurst-Shifter. Als der Schaft da liegt wo er hin soll donnert die Biene brüllend nach vorn, der Fotoapparat rutscht auf den Rücksitz, Anwesende werden in die Sitze gedrückt und der Respekt vor diesem Wagen wächst schneller als die Zahlen auf dem Tacho. Das ist mehr als eine Biene, das ist eine SuperBiene.

Dicker Motor in Normalkarosse

Was ist das für ein Ding? Kann man das auch als Oldtimer versichern? Ja natürlich, beim Spezialversicherer Hiscox, klickt euch mal rein. Aber ich erinnere am Ende vom Artikel noch einmal dran. Jetzt erstmal ein wenig Bienenhistorie: In den späten 60er Jahren, als man in den USA in normale Butter-und-Brot Coupés dickere Motoren, festere Dämpfer und bessere Bremsen pflanzte und sie mit bunten Streifen beklebte gelang Chrysler mit dem Plymouth Roadrunner ein Meisterstück. Er basierte auf dem Mittelklasse B-Body und war trotzdem leichter als der Barracuda, weil alles weggelassen wurde, was man nicht brauchte. Teppiche zum Beispiel. Auch wenn die Marken zum gleichen Konzern gehörten, den Erfolg konnte man bei Dodge nicht unkommentiert lassen. Ebenfalls 1968, nur ein bisschen zeitversetzt wertete man den biederen Coronet mit dem 6,3 Liter Magnum oder dem 7 Liter Hemi V8 auf, setzte ein Sportfahrwerk drunter und gab dem Coupé einen an den B-Body angelehnten Namen: Die Super „B“(ee). Vieles war im Marketing jetzt durchdachter als beim Roadrunner, der viele bunte Aufkleber mit dem teuer erkauften Zeichentrickhelden auf den Flanken trug. Das gelb/schwarze Stacheltier hingegen war eine gebührenfreie Eigenkreation und wurde von Anfang an als wertiges Metallemblem auf den Body geklebt. Ab 3000 Dollar durfte man die Biene lenken.

Im Schatten des Roadrunner

Das „Wettrüsten“ war in vollem Gange, die prinzipiell besser ausgestattete Biene bekam erst die Ramcharger Hutze auf die lange Haube und hatte damit, anders als viele andere zeitgenössische Muscle Cars, eine tatsächlich funktionierende Ansaugeinrichtung und keine Attrappe zu bieten. Anfang 1969 schob man für die Kunden, die keine Lust auf den fast 1000 Dollar teureren Hemi hatten noch das “Sixpack” nach. Eine gewaltiger 7,2 Liter V8 mit drei! Doppelvergasern, bis zum Speed Limit fast genau so stark wie der Hemi, aber für den halben Preis. Und preiswerte Fahrzeuge waren damals das A und O in der meist jungen Muscle Car Gemeinde. Viel Honig hat das aber nicht in die Kassen gespült. 84.420 verkauften Roadrunnern in 1969 standen nur 27.800 SuperBees gegenüber. 1970 zierte die SuperBee an der Nase ein zweigeteilter Grill mit einem Mittelsteg in Wagenfarbe, der als „Bumble Bee Wings“ (Hummelflügel) angeboten wurde und irgendwie nicht den Geschmack der Käufer traf. Heute mag man das anders sehen, genau so wie den Über-Plymouth, den 1970er Superbird. Rasantes Plastikstyling und ein unfassbar großer Heckflügel sehen etwas übertrieben aus, gehören heute aber zu dem Hochpreisigsten, was die Szene zu bieten hat.

Good bye, Biene

Im letzten Jahr der Biene lief es nicht mehr so blumig. 1971 gab es die Plattform des Coronet nur noch als Sedan oder Kombi, deshalb baute man das Coupé nun auf den Rahmen vom Charger. Den gab es zwar bereits als Hochleistungssportler R/T, der war allerdings für Normalsterbliche nicht zu bezahlen. Nur ein paar mehr als 4000 Superbienen verließen den Bienenstock, und die Imker beschlossen das Aus für das Sondermodell.

Fliegen im Mopar Himmel

Wir fliegen! Manfred Wieck ist am Steuer sichtlich beschäftigt. Seine Biene in dieser wirklich abgefahrenen Farbe ist der Honig aus dem letzten Modelljahr, vom Zustand her grundehrlich und sehr oldschool. Während wir an der ersten Ampel kurz zum Luftholen kommen zählen wir für die Mopar-Folks mal ein paar Köstlichkeiten auf: Loopy Racing Camshaft, Edelbrock polished intake manifold, Holley 750cfm 4bbl Carburetor, Hooker Competition Headers mit Dual Flowmaster Rohren hinten raus. MSD Pro Billet Distributor, Performance Plugs und Wires, Deep Sump Oil Pan, Finned Aluminum Valve Covers und Air Cleaner. “Eigentlich ist der mir viel zu hochgezüchtet, läuft aber super, also was soll’s…” skandiert der Mann, während er mit dem Pistolengriff wieder das Getriebe knechtet und auf einer langen Gerade aus Bad Arolsen raus nachhaltig das Lebensgefühl vermittelt, den junge Amerikaner damals an lauen Sommerabenden auf der Quartermile gespürt haben müssen. Das Auto ist laut und böse, mehr Wespe als Biene, mehr Wildkirsche als Pflaume. Crazy.

Kein zu böses Erwachen

Der Charger ist von einer fast klassischen Import-Story gezeichnet. Nachdem Wieck 2005 selbst einen Nissan 300 ZX Z32 aus den USA importierte und sichtlich Spaß am Kauf, der Verschiffung und dem „eindeutschen“ hatte wuchs die Begeisterung für US Cars. Das Import-Handling hatte er ja nun drauf. Nach jahrelangem, ruhigem Suchen tauchte die SuperBee im Netz ohne Mindestpreis auf, und er bot mit. Und war Höchstbietender. Bis auf einen Orkan auf dem Atlantik verlief die Verschiffung ab New York reibungslos, und in Rotterdam gab es die Verzollung und das Oldtimergutachten. Bei der Begutachtung in einer Werkstatt in Essen tauchten dann (wie bei fast allen auf Fotos makellos aussehenden US Cars) ein paar Macken auf. Der Lack war nicht mehr so gut, der Unterboden und die Schweller durchgerostet. Okay, das Auto kommt aus Michigan, nicht jeder US-Import kann ein sonnenverbranntes California Car sein. Also halb so wild. 2013 kam die Biene dann fertiggestellt nach Hause. Eine wunderschöne Form, ein brutaler Vortrieb, ein Höllenlärm und – vier Trommelbremsen. Bremsscheiben gab’s damals als Option, aber der Erstbesitzer wollte wohl fahren und nicht bremsen. Wenn die fast zwei Tonnen mal energisch zum Stehen gebracht werden müssen geht das ganz schön ins Bein…

Kein Muscle Car für jeden Geschmack

Es war Liebe auf den zweiten Blick, aber diese Liebe hält nun. Die Superbee ist nicht perfekt, aber kerngesund. Das spürt und hört man. Und sie ist ein Original. Das beweisen die Nummern auf dem Fender Tag und Wiecks offizielle Aufnahme in die Superbee-Registry, wo er mit seinem Auto als einer der ganz wenigen Europäer namentlich gelistet ist. Und egal ob euer eigenes Auto auch so selten ist oder noch weiter verbreitet – schaut euch mal die Spezialtarife der Oldtimer-Versicherung von Hiscox an. Und fragt einfach mal, was euer Schatz euch in der Classic Cars Versicherung im Jahr kosten würde. Hier auf dem Asphalt am Rand der Wiese, auf der tatsächlich Sumpfdotterblumen wachsen ist die B-Body-Biene laut, bunt und präsent. Sie ist ein brummender Ausgleich für die Tiefschläge des Lebens und den nicht immer fröhlichen Alltag, auch wenn die Kombination aus diesem Crazy Plum und den donnernden Auspuffrohren manchmal ein paar zu viele begeisterte Menschen versammelt. So wie die Bienen eben von einem leckeren Pflaumenkuchen angezogen werden, das ist dann eben so.

Dodge Charger Superbee 1971

20200904-gastbeitrag-dodge-superbee-front
20200904-gastbeitrag-dodge-superbee-biene
20200904-gastbeitrag-dodge-superbee-scheinwerfer
Baujahr:
1971
Max. Drehmoment:
556 Nm
Leergewicht:
1.850 kg
Motor:
V8 Big block
Getriebe: Viergang SchaltungBeschleunigung 0-100 km/h:
0-100 km/h: 7,6 s
Hubraum:
6.286 ccm (383 cui)
Antrieb:
Hinterräder
Top Speed:
201 km/h
Leistung:
246 KW (335 PS)
Länge/Breite/Höhe:
5260/2010/1325mm
Wert: ca 30.000 Euro

Classic Cars Blog Gastautor Jens Tanz

Autor dieses Beitrags:

Jens Tanz ist Motorjournalist und Social Media Manager und lebt leidenschaftlich die Autos der 70er aus dem Straßenbild seiner Kindheit. Im Netz ist er als „Sandmann“ unterwegs und schraubt und schreibt sowohl über die eigenen Erlebnisse mit seinen Oldtimern als auch markenübergreifend über andere Oldtimer und ihre Menschen.

Bilder: © Jens Tanz, Sandmanns Welt