Gerade war doch noch die Wiedervereinigung, viele Neuwagen sahen glubschig aus, Kunststoff zog übermäßig in die Cockpits ein und auf einmal… sind diese Autos cool? Ja! Und wie! Youngtimer gerade über oder kurz vor der Schwelle zum Klassiker haben eine Menge zu bieten, sie sind so viel mehr als nur alte Autos. Weil einzelne Modelle auch für die speziellen Tarife von Klassikerversicherungen interessant sind, weisen wir mit drei Vertretern aus dem letzten Jahrtausend einmal darauf hin.

Die 90er kommen - ein Gastbeitrag von Jens TanzKomfort kontra Sparmaßnahmen

Was habt ihr so in den 90ern gemacht? Diesem unruhigen Jahrzehnt, in dem der Automobilbau wieder einmal neue Wege einschlug? Wo habt ihr gewohnt? Was fuhrt ihr für ein Auto? Vor rund 30 Jahren (ja, so lange ist das alles schon wieder her) wurden in der Automobilindustrie Baukastensysteme optimiert, Sparmaßnahmen auferlegt und Recyclingmethoden ausprobiert. Umweltfreundliche Lacke auf Wasserbasis sorgten nur wenige Jahre später für unschöne Schlagzeilen, Kabelbäume mit recyclebaren Kunststoffummantelungen kompostierten sich unaufgefordert noch während des Autolebens selbst und Riesenrücklichter stritten sich mit Plastikplanken um den meisten Raum auf dem Blech.

Gleichzeitig zogen Dämmung, Teppich und der damit verbundene Komfort in die Limousinen, vernetzte Steuergeräte auf dem CAN-Bus und viele kleine elektronische Helferchen waren Segen des Neuwagenkäufers und sind Fluch des Youngtimerfahrers. Aber irgendwas ist ja immer.

Komfort? Ja, aber bitte mit BUMMS

Ja, auch Porschefahrer kommen in die Jahre und sehnen sich nach ein bisschen mehr Bequemlichkeit. Was mit dem 356 begann und mit dem ewigen 911 fortgesetzt wurde, war nach 40 Jahren schlicht ausgereizt. Mit dem neu konstruierten 964 verabschiedete man sich von der Drehstabfederung und stellte das neue Leichtmetallfahrwerk auf McPherson Federbeine vorn und Schraubenfedern hinten. Servolenkung und ABS wurden serienmäßig verbaut, der Boxer bekam Klopfsensoren und einen geregelten Katalysator. Die Form wurde grundsätzlich gewahrt, die bekannte Karosserie aus dem seit 1973 rumfahrenden G-Modell wurde aber überarbeitet und die Stoßstangen schmatzend in Heck und Front integriert.

Ein vollverkleideter Unterboden und ein automatisch ausfahrender Heckspoiler ermöglichten Geschwindigkeiten, die eher auf einen amerikanischen Salzsee als auf eine German Autobahn passten. Die Coupés, Cabriolets und Targas waren wieder echte, schnelle Sportwagen und boten trotzdem Mami und Papi mehr Fahrkomfort als ihre ruppigen Vorgänger. Unser nur 2000 mal gebauter Carrera RS ist sportliche 70 Kilogramm leichter als der „normale“ Porsche und macht definitiv Lust auf mehr!

Komfort? Ja, aber bitte etwas individueller. Und rot

Rot wie die Liebe, mit Reifen schwarz wie das Ebenholz und womöglich Leder, weiß wie Schnee? Nicht ganz. Aber schneewittchenaffine Autofans mit Hang zum italienischen Flair kommen mit dem Alfa Romeo ES 30 auf ihre Kosten, der auch langsam in den Club der Nicht-mehr-Young-sondern-bald-Oldtimer aufsteigt. Das (E)xperimental (S)portscar mit dem (3) Liter Motor (jetzt wisst ihr wie sich der Name zusammensetzt) ist nur vier Jahre lang in einer limitierten Stückzahl gefertigt worden und kommt als Coupé (SZ) oder Roadster (RZ) daher.

Man muss ihn mögen, und wenn man das tut ist der Auftritt mit AAAHHHs und OOOOOHs reichlich gewürzt. Ein ausgefallenes Design (allein diese vielen Scheinwerfer vorn…),  in der typischen Alfa Rossa-Farbe, kernige Motoren und straffes, sportliches Ledergestühl charakterisieren diesen seltenen Renner. Unser Fotomodell kommt von Auto Individuell Automotive GmbH in Paderborn, ihr findet es auch bei autoscout24.de im Angebot.

Komfort? Ja, aber ohne Kompromisse

„Macht ihn groß, und macht ihn besser als jedes andere Automobil auf diesem Planeten“. Der Nachfolger der Baureihe 126 von Mercedes-Benz zog als die wuchtigste Verbindung zwischen München und Sylt in die Geschichte ein. Vorausgesetzt, die Wagons der Deutschen Bahn waren breit genug. Die Baureihe 140 war das deutsche Überauto und damals für viele ein guter Grund zum Lästern. Aber aus heutiger Sicht definiert diese S-Klasse ein unerreichtes Maximum aus Luxus und Technik. Vor allem, wenn sie als 600er dahergleitet und mit dem M 120 genannten Zwölfzylinder nicht nur die Antwort an BMWs Zwölfer liefert, sondern auch alle Rekorde bricht. Vier Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder und ein Innenraum wie ein Herrenzimmer.

Wen stört da heute noch das damalige Unwort „Sozialverträglichkeit“? Die heute liebevoll „Helmut-Kohl-S-Klasse“ genannte Limousine vereint wie kaum ein anderes Auto Leidenschaft und Leidensfähigkeit, denn sie fällt zwar definitiv noch nicht in die Ära der Sparmaßnahmen – ist aber mit jenen CAN Bus vernetzten Steuergeräten gut bestückt und kompostiert ihre Kabelbäume leise, aber wirksam. Das hat wiederum ihren damaligen Gegenwert eines Einfamilienhauses auf den Preis einer soliden Gartenlaube schrumpfen lassen. Und wer da nicht ein bisschen mit dem Finger am Portemonnaie zuckt, der werfe das erste Steuergerät.

Komfort mit Alltagstauglichkeit

In den 90ern wurden Autos zu dem, was sie heute sind. Während in den 70ern und 80ern noch sehr unplüschige, raue Gesellen unterwegs waren (und auch das hat seinen Reiz), hat sich in den vergangenen 30 Jahren die Branche im Mittelklasse- und Oberklasse-Segment nicht komplett neu erfunden. Das macht die Youngtimer gerade über oder kurz vor der Schwelle zum Oldtimer heute absolut alltagstauglich, sofern sie sich in einem guten Pflegezustand befinden.

Mit aktuellen Wertgutachten und nachvollziehbaren Historien sind viele angehende Klassiker Ende 80er / Anfang 90er für Liebhaber interessant – und dann gern mit speziellen Versicherungstarifen für diese Zeitzeugen aus dem letzten Jahrtausend. Wer von euch schon einen hat und ihn hegt und pflegt, kann sich  die Spezialtarife von Hiscox anschauen. Und wer überlegt, sich einen anzuschaffen, natürlich auch. Lassen wir die gute alte Zeit aufleben, mit schrägem Euro Dance im Soundsystem und ehrlich verbranntem Superbenzin in den Adern.

Ein bisschen Autoquartett?

Hier sind die technischen Daten der drei gezeigten US-Cars und jeweils ein Versicherungsbeispiel von Hiscox.

Porsche 964 Carrera RS

Die 90er kommen: Porsche 964 Carrera RS
Baujahr:1991
Motor:Sechszylinder Boxer
Hubraum:3.600 ccm
Leistung:191 KW (260 PS)
Top Speed:260 km/h
Neupreis 1991:ca. 155.000 D-Mark
Hiscox Versicherungs-
beitrag:
ab 1.205 €/ Jahr inkl. Vst. für die Teilkasko, Vollkaskotarif ab 2.256 €/ Jahr bei 500 € Selbst-
beteiligung

Alfa Romeo ES 30

Die 90er kommen: Alfa Romeo ES 30
Baujahr:1989
Motor:V6
Hubraum:3.000 ccm
Leistung:143 KW (210 PS)
Top Speed:245 km/h
Neupreis 1989:ca. 102.000 D-Mark
Wert:55.000 Euro
Hiscox Versicherungs-
beitrag:
ab 186 €/ Jahr inkl. Vst. für die Teilkasko, Allgefahrentarif ab 370 €/ Jahr bei 500 € Selbstbe-
teiligung

Mercedes-Benz 600 SEL

Die 90er kommen: Mercedes-Benz 600 SEL
Baujahr:1992
Motor:V12
Hubraum:5.987 ccm
Leistung:300 KW (408 PS)
Top Speed:250 km/h (abgeriegelt)
Neupreis 1992:ca. 190.000 D-Mark
Wert:15.000 Euro
Hiscox Versicherungs-
beitrag:
zu günstigen Konditionen auf Anfrage versicherbar, z.B. im Rahmen einer Sammlung

Mehr Bilder gibt es im Original-Artikel zu sehen!

Classic Cars Blog Gastautor Jens TanzAutor dieses Beitrags:

Jens Tanz ist Motorjournalist und Social Media Manager und lebt leidenschaftlich die Autos der 70er aus dem Straßenbild seiner Kindheit. Im Netz ist er als „Sandmann“ unterwegs und schraubt und schreibt sowohl über die eigenen Erlebnisse mit seinen Oldtimern als auch markenübergreifend über andere Oldtimer und ihre Menschen.

Bilder: © Jens Tanz, Sandmanns Welt; Bild Alfa Romeo ES 30: Auto Individuell Automotive GmbH