Noch ein Blick auf die App: Es soll regnen. Der Blick nach oben: Jetzt noch nicht. Oliver Donath ist sich noch nicht ganz sicher, ob das Hardtop runter kann oder lieber nicht. Die immer wieder herausguckende Sonne siegt (noch) gegen den norddeutschen Regen, er startet seinen Achtzylinder und rollt in Bruno Saccos „Skulptur“ durch die Hamburger Hafen City zu neuen Ufern. Er polarisierte damals, er polarisiert heute. Der silberne, knurrende Mercedes-Benz SL 500, Sportschwabe, Ikone und echter klassischer Roadster.

Traumhaft und teuer

Die Baureihe 129 ist kein Roadster für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel, weder damals noch heute. Das Triebwerk grummelt seine Zündfolgen in die hanseatische Luft, während sich die Köpfe der Passanten und der Touristen nach ihm verdrehen. Damals wie heute. Ein klassisch längs eingebauter V8 Motor, der die Haube entsprechend lang ausfallen lässt. Eine Menge Abwärme wird von großen Lüftern unter den Radkästen rausgedrückt. Rund um die Jahrtausendwende gab es ein paar Autos, die teuer waren. Die aber auch wirklich traumhaft waren, zumindest in den Augen derer, die noch träumen konnten. Damals wie heute.

Mit der Marke verbunden

Oliver fragt mich, ob ich beim Hardtop abbauen kurz mit anfassen können. Selbstverständlich, das feste Dach ist wirklich gar nicht so leicht. Nach zwei Minuten steht es zärtlich aufgebahrt neben der alten Lagerhalle, der SL ist nun nach oben offen. Sky is the limit. Der Mann guckt etwas verliebt erst zu seinem Wagen, dann noch einmal auf die Wolken am Himmel, dann noch einmal auf den Wagen.

Donath ist die Markenaffinität quasi in die Wiege gelegt worden. Die Eltern des 49 Jahre alten Hamburgers arbeiteten beide bei Mercedes-Benz. Dass in diesem Zusammenhang jedes Jahr ein neues Auto vor der Tür stand prägte den kleinen Oli damals nachhaltig. Nach seinem Erstauto Ford Taunus kam der Wechsel zu der Marke aus Stuttgart wie von selbst. Ein W 123 war der Beginn einer Reihe von E-Klassen verschiedenster Baujahre. In die Welt der Achtzylinder wollte er ursprünglich mit einem Porsche 928 eintauchen, aber weder in Deutschland noch in Japan oder den USA fand er vernünftige Exemplare. In Beverly Hills stolperte er bei einem Händler dann unerwartet über einen SL 500, klassisch in Brillant Silber lackiert und Schwarz beledert. Dazu üppig und sportlich ausgestattet mit dem amerikanischen original AMG Paket und der ziemlich sportlichen AMG Mischbereifung. Der Zustand war einzigartig, der Preis war okay. Am Heilig Abend des Jahres 2010 macht er sich selbst das schönste Weihnachtsgeschenk – er kaufte den Wagen und beauftragte eine Spedition mit der Abholung.

Die Skulptur des Bruno Sacco

Der schnelle Schwabe wurde vor 30 Jahren mit gutem Gespür für die Kundenwünsche genau zur richtigen Zeit präsentiert. Allerdings war 1989 immer noch sehr spät, bedenkt man, dass die Entwicklung des R 129 in Ablösung des R 107 schon in den 1970ern begonnen hatte. Weil die Prioritäten aber auf der Entwicklung der Limousinen W 124 und W 201 lagen, kam man irgendwie erst in den 1980ern dazu, das einst angefangene weiter voranzutreiben.

Den Antrieb und das „Gesicht“ nahm der Roadster der zwei Jahre später erscheinenden S-Klasse der Baureihe 140 vorweg. Die Mehrlenkerhinterachse und der Überrollbügel, der sich bei einem Überschlag in nur 0,3 Sekunden aufrichtet – technisch interessant und schmackhaft! Ein Mercedes-Benz SL, zumal wenn es ein 500er mit diesem sagenhaften M 113 Achtzylinder ist, trotzt jedem Image. Das heute so schlicht und klar wirkende Blechkleid aus der Feder von Bruno Sacco ist zeitlos, er selbst sagte damals, „eine Skulptur“ erschaffen zu haben. Heute denkt man weniger an Goldkettchen oder Tennis spielende Gutverdiener, heute assoziiert man eher einen robusten, ausgereiften Roadster mit Alltagstauglichkeit und Wertzuwachs. Wie die Zeiten sich ändern…

Ein V8, ein Kofferraum, maximal zwei Personen

Als er da geduckt mit offener Motorhaube an der Elbe steht – da stellen sich schon ein paar Nackenhärchen auf. V8, kein Dach, zwei Sitze und Heckantrieb. Dieses Modell wurde um die Jahrtausendwende gebaut, ein Kind des Millenniums und noch immer eine sehr spezielle Erscheinung. Der 500 SL schrummelt im Standgas eher dezent und verspricht ab 3000 Umdrehungen mehr.

Ein Auto, nur gebaut, um von maximal zwei Personen genossen zu werden. Wenig Gepäck dabei (obwohl der Roadster durchaus etwas hat, was man selbstbewusst „Kofferraum“ nennen kann), als Ziel vielleicht ein gemütliches Hotel am Gardasee oder eine Hütte in den Bergen. Und immer kann man den Wind und die Weite der Welt spüren! Roadtrips unter einem grenzenlosen Himmel. Ach, und überhaupt Himmel. Ein paar Tröpfchen fallen aus den Wolken über den Hafenkränen. Wir klicken das Hardtop wieder auf den Schwaben. Auch geschlossen sieht er gut aus. Sehr gut sogar.

Alles Gute zum 30. Geburtstag, R 129!

Oliver hupt bei der Abfahrt noch und hebt die Hand zum Gruß. Die breiten Reifen spritzen Wasser aus den Pfützen hoch. Es riecht ein bisschen nach verbranntem Benzin. Kennt ihr das auch? Da beschäftigt man sich mit einem Auto, und anschließend stellt man sich die Frage, warum man nicht irgendwann schon mal selbst einen solchen hatte? Vielleicht ist jetzt ja ein guter Zeitpunkt. Die ersten R 129 werden in diesem Jahr runde 30 Jahre alt, die letzten haben noch nicht einmal Youngtimerstatus. Nicht, dass man es dem Wagen ansehen würde, er ist tatsächlich in Ehren gealtert. Und er macht sich sicherlich phantastisch mit H-Kennzeichen und Oldtimerversicherung. Vielleicht sollte man es einmal wagen…

Und falls ihr so ein Wagnis vorhaben solltet oder schon einen Youngtimer oder Oldtimer habt, den ihr hegt und pflegt – dann schaut euch doch mal die Spezialtarife von Hiscox an. Und wer überlegt, kann natürlich auch mal schauen, was das Traumauto ihn denn kosten würde. Denn den Versicherungsbeitrag für eine Hiscox Classic Cars Versicherung kann man vorher unkompliziert erfragen. Wir sehen uns auf der Landstraße!

Mehr Bilder gibt es im Original-Artikel zu sehen!

Mercedes-Benz SL 500

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20191106-mercedes-youngtimer-gastbeitrag-heck
Baujahr:
ab 1989
Max. Drehmoment:
460 Nm bei 4.250 1/min
Leergewicht:
1.910 kg
Motor:
V8 24V
Getriebe: 5-Gang-AutomatikBeschleunigung 0-100 km/h:
6,5 Sek.
Hubraum:
4.966 ccm
Antrieb:
Hinterradantrieb
Top Speed:
250 km/h (abgeriegelt)
Leistung:
225 KW (306 PS) bei 5.600 1/min
Länge/Breite/Höhe:
4.470 / 1.812 / 1.293 mm
Wert:
ca. 28.000 Euro

Classic Cars Blog Gastautor Jens Tanz

Autor dieses Beitrags:

Jens Tanz ist Motorjournalist und Social Media Manager und lebt leidenschaftlich die Autos der 70er aus dem Straßenbild seiner Kindheit. Im Netz ist er als „Sandmann“ unterwegs und schraubt und schreibt sowohl über die eigenen Erlebnisse mit seinen Oldtimern als auch markenübergreifend über andere Oldtimer und ihre Menschen.

Bilder: © Jens Tanz, Sandmanns Welt