Die eigene Website schneller machen: So geht’s

Vorweg: Ratschläge zur Beschleunigung der eigenen Website können im Rahmen eines einzelnen Blogpostings nur an der Oberfläche kratzen. Das Ganze ist ein kompliziertes technisches Vorhaben, das viel Geduld, Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Kompromissbereitschaft voraussetzt, und vielleicht auch ein bisschen Leidenschaft. Leidensbereitschaft allemal.

Nicht für jede Website lohnt jeder Aufwand – und erst recht nicht für Website-Besucher überall auf der Welt bis hin zum weitest entfernten Atoll in der Südsee.

Dennoch – hier einige Hinweise:

Webhosting: Wieviel Leistung muss es sein?

  • Meiden Sie billiges Shared Webhosting mit vielen konkurrierenden Websites (die Sie im Einzelnen gar nicht kennen) auf dem gleichen Server. Was bringen Ihnen einige gesparte Euro pro Monat, wenn Sie aufgrund zu langer Ladezeiten oder gelegentlicher Ausfälle immer wieder Leads und Kunden verlieren?
  • Ziehen Sie in Erwägung, ein sogenanntes CDN (Content Delivery Network) zu nutzen. Damit lagern Sie einen Teil Ihrer Inhalte, insbesondere die statischen wie Bilder und andere große Dateien, auf einen externen Zwischenspeicher aus, das sogenannte Content Delivery Network. Leistungsfähige CDN verfügen über Server-Standorte in aller Welt. Das heißt: Ihre Inhalte müssen bei Abruf häufig kürzere Wege zurücklegen, wenn sie von einem CDN-Server in der Nähe Ihres Website-Besuchers bereits zwischengespeichert werden. Schon gewusst? Sogenannte Anycast-Systeme halten etliche Server an unterschiedlichen Orten unter ein und derselben IP-Adresse bereit. Wird diese IP-Adresse angesprochen, so antwortet der nächste bzw. schnellste Server.
  • Serverbasierte Optimierung: Fragen Sie Ihren Business Webhoster, was er in Sachen Speed-Optimierung anbieten kann. Manche Hoster bieten beispielsweise Google Mod PageSpeed. Dabei handelt es sich um ein Skript, das Ihre vorhandenen Inhalte aktiv auf Geschwindigkeit trimmt und zwischenspeichert (ohne ressourcenhungriges Plugin im CMS). Einrichtung und richtige Einstellung erfordern allerdings einige technische Kenntnis.
  • Ballast reduzieren: Verwenden Sie nach Möglichkeit kein übermäßig mächtiges Content Management System, sondern eine Software, die zu Ihren Anforderungen passt. Prüfen Sie, welche Plugins innerhalb Ihres CMS Sie überhaupt verwenden bzw. verwenden müssen. Jedes Plugin bremst potentiell die Performance. Das gilt, welche Ironie, teilweise auch für sogenannte Cache-Plugins. Längst nicht jeder dieser vermeintlichen Website Booster macht auch einen guten Job. Mache bringen mehr Schaden als Nutzen. Welche? Das lässt sich schwer pauschal sagen – denn es kommt, wie immer, auf den konkreten Anwendungsfall und auf die Kompabilität mit anderen Plugins an.

Inhalte: Was lässt sich verkleinern?

Skizze mit Website Layout verdeutlicht Notwendigkeit der Optimierung von Inhalten für mehr Geschwindigkeit
Die Optimierung Ihrer Bilddateien, Videos und Skripte ist nur ein Schritt
auf dem Weg zur schnelleren Website.
  • Wenn Sie sich den Quelltext Ihrer Website anschauen: Was sehen Sie? Wimmelt es dort nur vor überflüssiger Kommentare? Hat sich ein Entwickler mit ASCII Artwork im Quelltext verewigt? Schleppen Sie Skripte oder (besonders oft der Fall) CSS-Definitionen mit, die Ihre Website überhaupt nicht benötigt? Falls ja: Lassen sich diese Relikte oder Redundanzen mit vertretbarem Aufwand eliminieren oder zumindest reduzieren?
  • Komprimierung und Priorisierung von Skripten: Javascript und CSS lassen sich häufig um bis zu 20, 30 oder mehr Prozent komprimieren – ohne negative Folgen. Der oben genannte Test “Page Speed Insights” von Google verrät zudem, ob Ihre Skripte in einer sinnvollen Reihenfolge geladen werden oder wie Kraut und Rüben vom Server purzeln und damit den Seitenaufbau unnötig verzögern.
  • Komprimierung von Bildern: Etwa 90 Prozent der Bilddateien, die ich in meinem geschäftlichen Alltag erhalte oder herunterlade, lassen sich massiv komprimieren, und das ohne wahrnehmbaren Qualitätsverlust. Manchmal sind 80 Prozent und mehr drin. Testen Sie mal, beispielsweise bei www.tinypng.com. Faustregel: Je ruhiger das Motiv, desto höher ist das Komprimierungs-Potential. Kleine Falle dabei: Häufig legen Content Management Systeme nach dem Hochladen bis zu einem Dutzend Größen-Varianten jedes Bildes an. Obwohl die ursprüngliche Datei komprimiert war, sind es die neu berechneten kleineren Varianten dann wieder nicht. Hier hilft nur erneutes Komprimieren der Derivate, entweder manuell oder mit einem (vorzugsweise vollautomatischen) Skript (das in der Regel kostet). Vorsicht: Wer Bilddateien nachträglich komprimiert, riskiert einen temporären Ranking-Verlust in der Google-Bildersuche (images.google.com). Allerdings ist dies nur relevant, wenn die Bilder-Spezialsuche anteilig viel zum gesamten organischen Traffic aus Suchmaschinen beiträgt. Das ist meist nicht der Fall. Und da schnelle Ladezeiten sich wiederum positiv auf das allgemeine Ranking auswirken, kann es opportun sein, den Rankingverlust in der reinen Bildersuche zunächst hinzunehmen – eine Interessenabwägung, aber man muss sich dessen eben bewusst sein.

CDN: Der letzte Schliff

  • Content Delivery Network – das klingt zunächst nach Lösung für die ganz Großen. Aber das täuscht. Auch Betreiber kleiner Websites können von Content Delivery Networks profitieren, die ihre Dienste häufig zum kleinen Preis oder sogar gratis anbieten. Weiterer Vorteil: Bei wirklich coolen CDN-Anbietern gibt’s die Firewall für die eigene Website gegen Hackerangriffe gleich dazu. A propos: Gegen Cyber-Risiken können Sie sich auch versichern.

Haben Sie weitere Tipps, Anregungen und Fragen rund um die Beschleunigung von Websites? Dann freue ich mich auf Ihre Kommentare.

Bernhard JodeleitAutor dieses Beitrags:

Bernhard Jodeleit berät in Sachen Digitalstrategie, Online Marketing und Krisenkommunikation. Zudem erstellt, optimiert und betreibt er mit seiner 2011 gegründeten Agentur Websites und Corporate Blogs für Unternehmen.