Welcher Freelancer kennt das nicht: Nach dem schwierigen Pitch ist ein neues Projekt an Land gezogen und schon wartet die erste Hürde: der Kunde verlangt den Nachweis einer vorhandenen Berufshaftpflicht-Versicherung. In dem Moment schießen Ihnen die bekannten Versicherer durch den Kopf: „Die werden sicherlich auch eine passende Versicherung für mich haben, denn schließlich haben sie ja alle möglichen Versicherungen. Und die großen Versicherer werden meine Kunden kennen, das ist dann seriös.“

Doch welche Versicherung ist tatsächlich die Richtige und wie finde ich im Dschungel des Versicherungsfachchinesisch heraus, welche genau auf meine spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten ist? Und welche zahlt im Schadensfall tatsächlich und sucht nicht nach Gründen den Schaden abzulehnen á la „der Versicherte hat den Schadensfall grob fahrlässig herbeigeführt, deswegen ist das kein Versicherungsfall“? Und ist es tatsächlich besser auf den Namen eines bekannten Versicherers zu setzen, nur weil er alles mögliche versichert, sich aber dafür auf keinem Fachgebiet spezialisiert hat? Wenn Sie zu einem guten Italiener gehen, würden Sie auch nicht wollen, dass er gleichzeitig auch Schnitzel und Pommes anbietet, oder?

Zurück zu der Ausgangsposition des Freelancers: Er braucht eine Berufshaftpflicht-Versicherung und nach einer kurzen Recherche im Internet sind ihm vor allem die Begriffe Vermögensschadenhaftpflicht, Berufshaftpflicht, Betriebshaftpflicht oder Gewerbeversicherung buchstäblich über den Bildschrim gelaufen. Es stellt sich die Frage: wo ist der Unterschied und welche Versicherung ist die Richtige?

Gewerbeversicherung

Gewerbeversicherungen sind ein Oberbegriff für alle gewerbliche Versicherungen. Darunter fallen Risiken, wie Personen und Sachschäden im beruflichen Kontext (Betriebshaftpflicht-Versicherung), Vermögensschäden (Berufshaftpflicht-Versicherung) sowie Betriebseinrichtungversicherungen, die im Gegensatz zu den beiden genannten Versicherungen keine Haftpflichtversicherungen sind, sondern das Equivalent für Hausratversicherungen im beruflichen Kontext (Sachversicherung).

Betriebshaftpflicht-Versicherung

Die Betriebshaftpflicht ist die Versicherung, die die meisten Unternehmer abschließen und glauben damit genügend Deckung zu haben. Sie ist vergleichbar mit der Privathaftpflicht-Versicherung aber für das Unternehmen, denn die Privathaftpflicht-Versicherung kommt nur für Schäden im privaten Umfeld auf. Die Betriebshaftpflicht-Versicherung kommt in der Regel für Haftungsschäden auf, die aus Personen- und Sachschäden resultieren, die Sie als Unternehmer oder einer Ihrer Angestellten einer Person oder einer Sache hinzugefügt haben. Hierunter fallen Schäden in den Räumlichkeiten des Kunden sowie Personen und Sachschäden Dritter. Das klassische Beispiel hierzu ist der Laptop Ihres Kunden, den sie runterfallen lassen. Des Weiteren sind auch Schäden, die in Ihren Räumlichkeiten (also in Ihrem Betrieb) stattfinden versichert, bspw. wenn ein Kunde über ein freiliegendes Kabel stolpert.

Ein weiteres klassisches Beispiel für einen Schadenfall, der durch die Betriebshaftpflicht-Versicherung gedeckt wäre, ist es wenn jemand vor Ihrem Büro ausrutscht und sich verletzt, weil im Winter der Schnee nicht ordentlich geräumt wurde.

Berufs- oder Vermögensschaden-Haftpflicht-Versicherung

Die Berufs- oder Vermögensschaden-Vaftpflicht-Versicherung deckt dagegen keine Personen und Sachschäden ab, sondern rein finanzielle Schäden, die aus dem unternehmerischen Handeln unwillentlich hervorgerufen werden können. Am besten kann man sich die Vermögensschäden anhand von folgenden Beispielen vorstellen:

Ein freiberuflicher Webdesigner wurde durch eine Agentur beauftragt, für den Kunden der Agentur das Design für die Webseite zu gestalten. Der Freiberufler lieferte zwei Bilder für die Webseite, die urheberrechtlich geschützt waren. Der Kunde der Agentur wurde daraufhin als Domain-Inhaber verklagt und musste zudem Betriebsunterbrechungs- und Reputationsschäden in Kauf nehmen, die er von der Agentur bzw. vom Freiberufler zurückforderte.

Auch als IT-Freiberufler ist man nicht vor Fehlern gewappnet: Ein IT-Freiberufler schließt mit einem mittelständischen Unternehmen einen Software- Wartungsvertrag ab, um die Sofware in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren. Bei einem Update läuft etwas schief und die gesamten firmeneigenen Daten werden gelöscht. Darunter auch die Buchhaltungsdaten der vergangenen Jahre. Das zuvor erstellte Backup ist unbrauchbar. Das Unternehmen muss nun alle diese Daten manuell in das System eingeben. Die gesamten Kosten der Datenwiederherstellung und dem möglichen Ertragsausfall kann das mittelständische Unternehmen dem IT-Unternehmen in Rechnung stellen.

Auch als Berater kann man von seinem Auftraggeber haftbar gemacht werden. Zum Beispiel bei einer fehlerhaften Stadortanalyse: Ein Unternehmensberater wird von einer Backshop-Kette mit der Standortanalyse beauftragt. Hierbei übersieht dieser, dass in unmittelbarer Nähe ebenfalls eine neue Bäckerei eröffnen wird. Dies fällt erst auf, als die Konkurrenz Ihre Werbeschilder montiert. Natürlich ist der Auftraggeber nicht darüber erfreut, dass die Konkurrenz quasi direkt vor der eigenen Tür steht. Der Auftraggeber macht den Unternehmensberater dafür verantwortlich und fordert von diesem Schadensersatz.

In all diesen Fällen würde eine Berufhaftpflicht-Versicherung, wie die von Hiscox, greifen und dafür sorgen, dass die Kundenbeziehung trotz des Schadens unversehrt bleibt.