Pinterest für BusinessPinterest ist eine digitale Pinnwand für alle – ein soziales Netzwerk mit Schwerpunkt auf Fotos. Anfänglich schien die Plattform eher privat. Überwiegend wurde sie anfangs von Frauen genutzt. Die Idee hinter Pinterest (gegründet 2010 in Kalifornien) ist der gemeinsame Austausch über verschiedene Hobbys, Interessen und Einkaufstipps. Von Fashion über Food bis Fitness – das waren anfänglich dominierende Themen. Doch Pinterest hat sich weiterentwickelt – thematisch und in den Anwendungsbereichen. Erhöht hat sich inzwischen auch der Männeranteil.

Immer mehr deutsche Nutzer tummeln sich auf der Plattform. Das lockt auch Unternehmen an: Diese möchten Pinterest in ihre Marketingstrategie aufnehmen. Im Online Marketing sowie Social Media Marketing und im Bereich Public Relations gewinnt Pinterest immer mehr an Bedeutung. Bei Pinterest einzusteigen ist eine gute Idee, wenn das Unternehmen optisch ansprechende Produkte oder Motive hat, die es „verführerisch schön“ und inspirierend präsentieren kann. Entweder mit einer Verlinkung direkt zum Onlineshop oder auf redaktionelle Beiträge (Corporate Blog) mit emotionalen Bildern.

Doch wie geht das und für welche Unternehmen ist Pinterest sinnvoll?

Nutzen von Pinterest für Ihr Business

Pinterest ist keine Einbahnstraße, was das Verbreiten von Inhalten angeht. Der Gedanke bei Pinterest ist das Teilen von Inhalten – und dabei sind es eben nicht immer nur die eigenen Fotos beziehungsweise Pins. Man kommuniziert bei Pinterest in vielen Facetten. Interaktion ist möglich

  • über das Repinnen von Fremdcontent auf der eigenen Pinwand (Merken)
  • über Kommentare
  • durch Vergeben von Herzchen vergeben (Gefällt mir)
  • durch Markieren des Pin (also des Pinterest-Beitrags eines anderen Nutzers) als Ausprobiert.

Ziemlich viele Interaktionsmöglichkeiten. Doch wo kommen die Bilder und Texte bei Pinterest her?

Man kann über die App oder über die Pinterest Website ein eigenes Foto hochladen. Mobil kann man zusätzlich den Ort angeben. Anschließend lässt sich ein Link hinzufügen. Das kommt dann auf die passende eigene Pinnwand, von der man im Account meistens mehrere schon angelegt hat. Das sind sozusagen Kategorien: Man legt sie als Nutzer selbst an, und sie sind meist thematisch oder produktbezogen sortiert.

Der zweite Weg, einen Pin zu erstellen, ist das Teilen einer Webseiten-Adresse. Die trägt man in das Formular, das Pinterest anbietet, ein. Hierfür muss mindestens ein Artikelbild vorhanden sein, das dann automatisch als Pin (Foto plus Link als Quellennachweis) erscheint.
Pinterest Pin mit Bildauswahl Website

Hier ein Screenshot als Beispiel beim Pinnen meines Gadget-Artikels aus dem Hiscox Blog. Doch wie sieht das aus, wenn ich ein bestimmtes Foto pinnen möchte, etwa die blaue USB-Lampe oben rechts? Gar nicht so unkompliziert, denn es sind Urheberrechte zu beachten. Es geht um Bildrechte. Ich bin keine Rechtsanwältin, daher nur unverbindlich als Tipp von mir:

Vorsicht beim Hochladen von Fremdcontent auf Pinterest…

…und beim Pinnen von fremden Websites. Theoretisch würde ich sagen, dass ich hier den Gadget-Artikel von Hiscox mit jedem der vorgestellten Produkte (schauen Sie dafür mal in den Blogartikel Gadgets) pinnen könnte. Aber nur, weil im Blogartikel von Hiscox alle Produkte ordentlich mit Quellennachweis und Link zum Produkt versehen sind. Sollte dies nicht der Fall sein, würde ich auf einen Pin lieber verzichten. Besonders wichtig ist dabei, wenn ich Pinterest geschäftsmäßig nutze, ist die Gefahr noch größer, gegen Bildrechte zu verstoßen und abgemahnt zu werden.

Auf der sicheren Seite bei der Nutzung von Pinterest ist man, wenn man selber nur eigenen Content auf die Pinnwand stellt. Aber sogar bei eigenen Grafiken muss man darauf achten, dass man für die Bilder (zum Beispiel von Fotografen erstellt) die Nutzungsrechte für Social Media hat. In der heutigen Zeit sollte man von vornherein auf diese Nutzungsrechte bei allen „eingekauften“ Fotos und Grafiken bestehen. Sonst kann es teuer werden, wenn man die Fotos in Social Media Postings verwendet. Denn das kann ein Verstoß gegen die vereinbarten Lizenzbedingungen sein.

Bei fremdem Content ist wichtig, dass man ihn am besten von der Pinterest-Originalquelle direkt als Repin bei sich teilt. Doch ein Restrisiko bleibt. Denn die bisherige Rechtsprechung ist schwierig auf neue oder andere ähnliche Fälle übertragbar, so dass ich keine verbindliche Aussage treffen kann. Was wäre besser, sollte man die Produktseite direkt aufsuchen und von dort aus pinnen?

Ein guter Hinweis, dass ein Teilen erwünscht ist, sind Pinterest Buttons auf der Webseite des Ursprungspublizisten, diese sind im Artikel oder beim Bild befindlich. Dann kann man davon ausgehen, dass derjenige sein Wohlwollen hinsichtlich eines Pins damit ausdrückt. Dann kommt es sicherlich auch an, in welchem Kontext man ein Foto mit Link zur Quelle auf Pinterest teilt. Den komplexen rechtlichen Sachverhalt zum Pinnen und Repinnen kann Rechtsanwalt Thomas Schwenke fachlich viel besser und ausführlicher darlegen: Pinterest und die rechtlichen Grenzen beim Teilen und Verlinken.

Tipps für den Start auf Pinterest für Unternehmen

Wenn die Entscheidung für Pinterest gefallen ist, dann kann man erwarten, dass ungefähr drei Millionen aktive deutsche Nutzer (Contentproduzenten sowie Publikum) vorhanden sind. Dies ist eine Schätzung von Christian Buggisch, der allerdings noch nicht die aktuelle Gesamtnutzerzahl publiziert hat. Das wären 150 Millionen Pinterest Accounts, laut Futurebiz. Pinterest selbst verrät keine genauen Zahlen.

Pinterest eignet sich für Selbstständige und Freiberufler ebenso wie für große Marken. All diese beruflichen Nutzer können und sollten ein Unternehmensprofil anlegen oder ein vorhandenes Privatprofil dahingehend umwandeln. Was hinsichtlich des Unternehmensprofils (Stichwort AGB) zu beachten ist, beschreibt Pinterest ausführlich.

Vorteil eines Unternehmensprofils bei Pinterest

Um auf der sicheren Seite bei der kommerziellen Nutzung von Pinterest zu sein, empfehle ich von vornherein ein Unternehmenskonto anzulegen beziehungsweise ein vorhandenes Privatprofil möglichst bald umzuwandeln.

Screenshot Pinterest für Business

Was kann ein Unternehmen mit Pinterest erreichen?

Wenn Zielgruppen und Produkte sowie die Kommunikationsstrategie auf Pinterest abgestimmt sind, geht es zuerst um die Wahrnehmung der Marke. Stärken Sie Ihr Branding durch stilistisch einheitliche, aber durchaus vielfältige sowie unterhaltsame/interessante Fotos.

Das nächste Ziel ist, Traffic auf die Website oder den Onlineshop zu bringen. Wenn den Pinterest-Nutzern die Pins gefallen, dann speichern sie die Pins (Repin). Die Folge: Noch mehr Nutzer sehen diese und können ihrerseits interagieren.

Das Einbinden der Pinterest Buttons auf der eigene Website ist gleichzeitig die Erlaubnis und die Aufforderung, die Fotos auf einer Website zu teilen. Für WordPress empfehle ich das Plugin Shariff Wrapper, da dieses datenschutzkonform funktioniert. Für andere CMS, die keine Erweiterungen im Angebot haben, kann man die Einbindung des Pinterest Button auch „händisch“ erledigen. Jedoch sollte das ebenso datenschutzkonform erfolgen und erfordert gegebenenfalls weitere technische Maßnahmen. Lesen Sie die Datenschutzrichtlinien von Pinterest. Passen ihre eigene Datenschutzerklärung entsprechend an.

Zukunftsmusik sind die Pinterest Ads (zurzeit nur in USA, Kanada und GB verfügbar). Das Bewerben eines Pins muss in Deutschland leider noch warten. Aber wenn es soweit ist, sollten Sie bestenfalls einen schon aktiven Account vorzeigen können. Somit lohnt es sich auch vor dem Launch der Ads mit Pinterest zu starten.

Schon verfügbar, aber bisher noch relativ unbekannt, sind die Rich Pins. Auch hier sind technische Maßnahmen erforderlich, die sich für einige Unternehmen lohnen können. Es gibt sechs Arten von Rich Pins, nämlich Apps (iOS), Filme, Rezepte, Artikel, Produkte und Orte.

Der Rich Pin „Apps“ ist für alle App-Anbieter interessant. „Rezepte“ sehe ich bei Food-Anbietern (ohne Fast Food), denn die Zutatenliste ist dabei. Rich Pins für „Ort“ kann man im Bereich Travel (Destinationen) sehr gut einsetzen. Artikel-Rich-Pins eigenen sich für professionelle Publizisten, da die Pins beispielsweise eine Inhaltsangabe enthalten. Am spannendsten für Onlineshop-Besitzer sind garantiert die Produkt-Pins. Produkte, die über Shopify, Etsy, Teachers Pay Teachers und eBay eingestellt sind, enthalten diese Metainformationen schon. Apropos, ein wenig Aufwand (technisch und damit auch finanziell) beinhaltet die Einbindung der Metaangaben schon. Das ist nichts zum „Schnell-mal-ausprobieren“, das sollte sich schon lohnen. Mehr Info zur den Rich Pins gibt es bei Pinterest.

Wie startet man als Unternehmen auf Pinterest?

Man nehme eine Strategie, ein Budget (Zeit und Geld) sowie eine Prise Kreativität. Schon kann es losgehen. Wie oft man einen Pin veröffentlicht, liegt an der Verfügbarkeit des eigenen Contents. Jeden Tag einen eigenen Pin einzuplanen ist sicherlich nicht verkehrt gedacht. Für Onlineshops könnte ich mir eine höhere Frequenz vorstellen.

Im Fokus liegt der qualitative Content. Ein gutes Foto aus einem guten Artikel oder einem Onlineshop ist die Basis. Passend dazu kann man den Beschreibungstext ansprechender gestalten/ändern. Die Nutzung von Hashtags sollte inhaltlich stimmen und anzahlmäßig angemessen erfolgen. Viel hilft nicht viel! Eine gewisse Recherche vorab ist unverzichtbar.

Damit man nicht „allein bleibt“, ist es sinnvoll, dass man Follower gewinnt. Dafür muss man selbst aktiv werden – auch plattformübergreifend informieren, dass man nun auch bei Pinterest ist. Denkbar sind Blogartikel, Newsletter, Posts auf anderen Social Networks und Pressemeldungen. Die Vernetzung fördert man mittels Kommentar und „Gefällt mir“ auf anderen Pins – man macht auf sich aufmerksam und zeigt Kommunikationsbereitschaft. Trotz der erwähnten Risiken sollte man nicht auf ein Repin verzichten, wenn es passt.

Als Faustregel kann man sagen: Eigene Pins und Repins der Inhalte anderer Nutzer sollten sich etwa die Waage halten. Nicht jeder eigene Pin sollte offensichtlich werblich sein. Ich schlage vor, dass man höchstens jeden vierten eigenen Pin sehr produktbezogen gestalten sollte. Eher weniger. Pinterest ist ein Netzwerk, bei dem man nicht primär vertrieblich auftritt, sondern das Interesse am Kauf durch Emotionen wecken kann.

Sind Sie und Ihr Unternehmen bereit für Pinterest? Die passende Versicherung (Berufshaftpflicht), die Schutz gegen die Verletzung von Schutz- und Urheberrechten einschließt, sollten Sie dabei auf dem Schirm haben.

 

Nicole Y. JodeleitAutorin dieses Beitrags:

Nicole Y. Jodeleit ist Freiberuflerin für Online-Kommunikation und schreibt auf verschiedenen Corporate Blogs über unterschiedliche Themen. Auf dem eigenen Blog Auto-Diva hat sie ihr Interesse für Autos und Technik zur Passion gemacht.