Online Marketing Trends 2017 – wir nehmen sie kritisch unter der Lupe.
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4. Ist Live Video ein vielversprechender Trend im Online Marketing?

VideokameraJa und nein. Zweifellos wird Live Video ein Thema im Online Marketing. Wir haben 2016 gesehen, dass immer mehr Influencer Ereignisse live teilen. Erste Videostreams vom Strand aus dem Urlaub waren auf Facebook zu sehen.

Doch vor allem können Verlage und Medienhäuser davon profitieren, die Bewegtbild-Inhalte und Reporter vor Ort oder Agenturmaterial zur Verfügung haben. In den letzten Wochen waren hier beeindruckende Beispiele zu sehen: Live Video mit sehr hohen Reichweiten und enormer Interaktion seitens der Nutzer.

Bleibt die Frage, welcher Qualität die so erzeugte Interaktion ist und was die Urheber der Livestreams davon am Ende haben. Subjektiv betrachtet sind – je mehr es Richtung Massen-Reichweite geht – die Nutzerkommentare unter live übertragenen Bewegtbild-Inhalten von teilweise bedenklicher Tonalität und nicht unbedingt wünschenswert.

Vor allem ist Live Video über Social Networks im Moment ein weiterer Hype. Man ist eben begeistert davon, weil es jetzt möglich ist, angeboten und genutzt wird – und weil man als Agentur und Dienstleister Umsatz damit machen kann. Auch hier ist daher Vorsicht anzuraten und sind stets der ROI sowie der Reputations-Effekt mit zu bedenken.

5. Augmented Reality und Virtual Reality

Frau fährt Fahrrad mit Virtual Reality BrilleZwei Themen, die eher von der Unterhaltungselektronik getrieben sind. Im Online Marketing spielt beides eine kleinere Rolle, zumindest im Ergebnis. Oder haben Sie bereits zahlreiche wirklich nachhaltige Anwendungen im Bereich AR und VR gesehen, die Unternehmen tatsächlich mehr Leads, Conversions und Umsatz bringen?

Selbstverständlich werden sowohl AR und auch VR ihren Siegeszug fortsetzen. Doch nur, weil Entertainment, Adult und Gaming mit Brillen und Augmented Reality Apps konsumiert werden, müssen Sie dafür in Ihrem Online Marketing Budget keinen zusätzlichen Platz einräumen. Es sei denn, Sie arbeiten für eine wirklich große oder entertainment-affine Marke, die sich das leisten kann und möchte.

6. IoT Devices als Marketingvehikel

Männerarm mit Apple WatchEbenfalls nur für die großen Player geeignet – dazu noch mit Risiken behaftet: das Internet of Things. Dank diverser Hacker-Attacken war sein Ruf noch nie so schlecht wie heute. Träumte man vor zehn Jahren vom intelligenten Kühlschrank, so zittert man inzwischen. Dafür sorgen düstere Hacker-Filme und -Serien sowie ebenso erschreckende Meldungen aus dem echten Leben. So fürchten wir uns inzwischen eher vor den zahlreichen kleinen Geräten des Internet of Things. Es sind angeblich Geräte, die uns filmen, belauschen und auch ansonsten rund um die Uhr überwachen. Zu allem Überfluss können sie sich zu Botnets zusammenschließen und kritische Internet-Infrastrukturen angreifen. Die Grenzen zwischen berechtigter Skepsis und Panikmache sind fließend.

Um das Internet of Things positiv zu besetzen und für Online Marketing zu nutzen, muss man als Unternehmen sehr groß und sehr vertrauenswürdig sein. Man muss einen Grad an Mehrwert und Komfort bieten, den Nutzer nicht mehr missen möchten. Der sie dazu bewegt, Bequemlichkeit vor Privatsphäre-Ängste zu stellen. Man muss also sein wie Amazon, Apple, Google. Allerdings wie Amazon, Apple oder Google in den Augen von Kunden in den USA, nicht in Deutschland, wo alle als sogenannte Datenkraken gelten. Zudem muss man sich als solches Unternehmen im Zweifel öffentlichkeitswirksam gegen staatlichen Datenhunger verteidigen. Man muss sich, will man Glaubwürdigkeit und damit Marketing-Chancen erreichen, schützend vor seine Nutzer stellen und deren Privatsphäre verteidigen.

In Deutschland steht es um IoT Devices als Instrument im Online Marketing derzeit noch sehr schlecht. Zu groß ist die Angst um Privatsphäre, zu ausgeprägt die Doppelmoral in der Datenschutzpolitik, die festlegt: Der Staat darf in Sachen Datensammlung alles, Unternehmen dürfen nichts.

7. Mobile first – SEO last

SmartphoneGoogle verfolgt mit seinen Suchmaschinen-Algorithmen und Website Rankings jetzt den Ansatz: Mobil ist wichtiger als Schreibtisch-Rechner. Zudem verändert der Suchmaschinen-Riese seine Ranking-Faktoren und deren Gewichtung in so kurzer Folge, dass Suchmaschinenoptimierer, deren Handwerk schon in der Vergangenheit oft von solidem Halbwissen abhängig war, zunehmend verzweifeln. Best Practices ändern sich so häufig, dass man mit einem schweren Dampfer wie einer großen Website gar nicht mehr mithalten kann.

Doch ist das so? Resignation ist ein schlechter Ratgeber. Vielleicht ist grundsätzliches Umdenken gefragt. Unternehmen, die ihre Website-Inhalte in den Suchergebnissen sichtbar halten oder machen möchten, haben womöglich nur eine Chance: Sie sollten weniger auf technokratische SEO-Maßnahmen setzen als auf eine durchgängig perfekte User Experience, und zwar insbesondere auf Tablets, Smartphones und anderen künftigen Mobilgeräten. Eine solche Strategie ist das beste Investment in ein Online Marketing, das auch künftig von organischer Sichtbarkeit in Suchmaschinen profitiert und nicht nur von Kampagne zu Kampagne und der Höhe entsprechender Budgets lebt.

8. Suche nach neuen Kanälen für Online Marketing

Facebook Logo, animiertAnfang November hat Facebook hervorragende Quartalszahlen vorgestellt. Zugleich verkündete das Unternehmen, das Wachstum bei Facebook Ads sei natürlich begrenzt. Denn man könne die Nutzer ja nicht grenzenlos mit immer mehr Werbung konfrontieren. Seitdem kam der Facebook-Aktienkurs deutlich zurück. Er zuckelt zur Jahreswende 2016/17 immer noch vor sich hin.

Das zeigt, dass Investoren sich bereits einen Trend eingepreist haben, den Verantwortliche im Online Marketing eventuell erst im Laufe des Jahres 2017 spüren werden: Facebook ist gewillt, an den Stellschrauben für Qualität und Quantität von Ads noch weiter zu drehen. Facebook kann sich das aufgrund der hohen Nachfrage selbst dann erlauben, wenn Anzeigenkunden diese Stell- als Daumenschrauben empfinden. Wer sich Facebook Ads nicht mehr leisten kann – soll doch woanders werben.

Facebook-Werbung könnte teurer und komplizierter werden

Mögliches Szenario: Facebook-Werbung könnte noch teurer werden und bei der Buchung noch mehr Expertise und A/B Testing erfordern als schon bisher. Für operativ Kampagnen-Verantwortliche brechen also unter Umständen harte Zeiten bei der Buchung von Facebook-Kampagnen an.

Es ist also empfehlenswert, frühzeitig nach neuen Kanälen für effizientes Online Marketing zu suchen. Verantwortliche sollten sich nie zu sehr auf einen Distributionskanal verlassen. Kanäle, die man selbst unter Kontrolle hat – wie die eigenen Website und beispielsweise E-Mail-Verteiler – sollten mit hoher Priorität gepflegt und ausgebaut werden. Alternativen zu Platzhirschen wie Facebook (und auch Google) sollten Verantwortliche kontinuierlich evaluieren, testen und als einsatzbereite Kanäle griffbereit im Köcher haben. Denn Reichweiten bei Facebook & Co. können – mehr denn je – von heute auf morgen einbrechen, bei explodierenden Kosten.

Keine Silos bei Marketing Budgets

Fazit hier: Marketing Budgets sollten nie zu abgegrenzt und zweckgebunden sein. In Phasen, in denen Online-Kanäle saisonal, ereignisbedingt oder aus anderen Gründen schwierig zu bespielen sind, kann es sinnvoll sein, ein Budget einfach einmal spontan auf einen ganz anderen Kanal zu verschieben – und sei es Print. Das gilt natürlich auch umgekehrt.

9. Bots in Online Marketing und Kundenservice

Roboter, lächelnd, gezeichnetChatbots gab es schon vor zehn Jahren, und sie waren auch nicht viel schlechter als die Beispiele, die man Anfang 2017 sieht. Ihrer Nutzung als Instrument im Kundendialog und im Online Marketing gegenüber ist zumindest eine gewisse Skepsis angebracht.

2016 scheint ein kleiner Hype um Bots durch die Agentur- und Blogger-Welt gelaufen zu sein. Solche Hypes sind regelmäßig zu beobachten und führen oft zu falschen Marketing-Prioritäten bei Agenturen und Unternehmen.

Vier Fragen, die Sie sich vor einem Investment in Bots stellen sollten

Unternehmen, die mit dem Gedanken zu spielen, in Bots zu investieren, sollten überlegen:

  1. Kann die geplante Bot App einen Mehrwert liefern, der für Nutzer unwiderstehlich attraktiv ist?
  2. Sind Programmierung, Verfeinerung und kontinuierliche Pflege der Bot App ein wirklich exakt kalkulierbarer Aufwand?
  3. Fällt die Entscheidung „pro Bot“ gegebenenfalls unbeeindruckt von Fachbeiträgen und Beratungsgesprächen, die von aktueller Hype-Euphorie geprägt sind?
  4. Können Risiken aufgrund mangelhafter Qualität der Bot-Dialoge wirkungsvoll ausgeschlossen werden?

Wenn Sie diese vier Fragen uneingeschränkt mit einem Ja beantworten können, sollten Sie ein Bot-Projekt zumindest in Erwägung ziehen.

Welche Trends im Online Marketing sind 2017 am wichtigsten?

Fazit:

Der wichtigste Trend im Online Marketing ist, dass es immer komplizierter wird.

Daher:

  1. Investieren Sie in plattformübergreifendes, intelligentes Reporting, das Schwachstellen aufdeckt.
  2. Betreiben Sie Risiokostreuung bei Ihren Kanälen für Online Marketing. Setzen Sie nicht alles auf eine Karte.
  3. Optimieren Sie Ihre Kanäle mit A/B Testing.
  4. Keine Budget-Silos: Behalten Sie sich jederzeitige Umschichtungen zwischen Kanälen vor.
  5. Beobachten Sie neue Kanäle und testen Sie.
  6. Lassen Sie sich nicht von Hypes zu teuren Experimenten verführen.

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