Das im Juni beschlossene Konjunkturpaket soll die Wirtschaft in und nach der Corona-Krise stabilisieren. Hierfür nimmt die Bundesregierung rund 130 Milliarden Euro in die Hand. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Punkte des Konjunkturpakets für Sie als Selbstständiger oder Freelancer relevant sind und was genau hinter den geplanten Maßnahmen steckt.

Umsatzsteuersenkung

Konjunkturpaket (Kontist-Gastbeitrag)Seit dem 1. Juli 2020 gilt ein gesenkter Umsatzsteuersatz. Dazu müssen Sie Folgendes wissen:

  • Der reguläre Umsatzsteuersatz wurde von 19 % auf 16 % gesenkt.
  • Der ermäßigte Umsatzsteuersatz, der zum Beispiel für Grundnahrungsmittel gilt, wurde von 7 % auf 5 % gesenkt.
  • Die Umsatzsteuersenkung gilt voraussichtlich bis Ende des Jahres.

Die Umsatzsteuer, auch Mehrwertsteuer genannt, ist eine Endverbrauchersteuer, das heißt sie wird von Endverbrauchern bezahlt und von Unternehmen lediglich abgeführt. In Geschäften ist die Umsatzsteuer bereits im Preis enthalten, auf Rechnungen meist separat aufgeführt.

Was bedeutet die Senkung konkret für Sie? Seit Juli müssen Sie 16 % bzw. 5 % Umsatzsteuer berechnen. Die Bundesregierung wünscht sich, dass die Steuersenkung in Form von niedrigeren Preisen an die Konsumenten weitergeben wird, um Konsum- und Kaufkraft anzukurbeln. Sie sind allerdings nicht dazu verpflichtet, Ihre Preise anzupassen.

Übrigens: Wenn Sie von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen, sind Sie von der Umsatzsteuer befreit. Die Senkung betrifft Sie in diesem Fall nicht.

Die Senkung der Umsatzsteuer birgt leider einige Unklarheiten und Gefahren. Vorsicht ist insbesondere bei unklaren Leistungszeiträumen, Gutscheinen und Umtausch geboten. Wenden Sie sich an einen Steuerberater, um auf der sicheren Seite zu sein!

Degressive Abschreibung

Ein aus der Mode gekommenes Prinzip, das in der Krise ein Comeback erlebt: Durch die degressive Abschreibung können Sie größere Anschaffungen wie einen Firmenwagen so mit Ihrem Gewinn verrechnen, dass Sie in der Krise Steuern sparen.

Das steckt dahinter: Werden Investitionen linear abgeschrieben, werden sie über mehrere Jahre gleich-verteilt mit dem Gewinn verrechnet. Die degressive Abschreibung hingegen ermöglicht es Ihnen, in den ersten Jahren einen höheren Prozentsatz des Preises abzuschreiben. Dadurch können Sie Ihren Gewinn, beispielsweise in diesem und im nächsten Jahr, auf dem Papier reduzieren und müssen weniger Steuern zahlen. In den darauffolgenden Jahren können Sie dann jedoch nur noch einen kleineren Anteil abschreiben und zahlen somit mehr Steuern.

Aufgepasst! Degressive Abschreibung ist nur vorübergehend und lediglich für bewegliche Güter möglich. Besprechen Sie sich auch in diesem Punkt unbedingt mit Ihrem Steuerberater.

Steuerlicher Verlustrücktrag

Die Möglichkeit des steuerlichen Verlustrücktrags ist keine Neuerfindung. Im Rahmen des Konjunkturpakets ist das Prinzip aber erweitert worden.

Zunächst eine allgemeine Erklärung: Schreiben Sie in diesem Jahr rote Zahlen, können Sie diese Verluste mit den Gewinnen im nächsten Jahr verrechnen. In der Praxis sparen Sie somit im nächsten Jahr Steuern.

Welche Änderungen gelten während der Krise? Sofern Sie Ihre Steuererklärung für 2019 noch nicht abgegeben haben, können Sie Verluste aus 2020 bereits mit Ihrem Gewinn von 2019 verrechnen.

Konkret sieht das so aus: Sie machen in diesem Jahr voraussichtlich Verluste. Da das Jahr noch nicht vorbei ist, dürfen Sie schätzen, wie hoch diese Verluste sein werden. Diesen Betrag rechnet Ihr Steuerberater auf Ihren Gewinn aus dem letzten Jahr an. Das Ergebnis: Sie müssen für 2019 weniger Steuern nachzahlen. Auch hier gilt: Ihr Steuerberater hilft Ihnen weiter.

Überbrückungshilfen

Als Fortführung der Soforthilfen laufen nun sogenannte Überbrückungshilfen an. Grundsätzlich gelten folgende Rahmenbedingungen:

  • Antragsberechtigt sollen Unternehmen sein, deren Umsätze aufgrund der Corona-Krise im April und Mai 2020 verglichen mit April und Mai 2019 mindestens 60 % niedriger gewesen sind und deren Umsätze zwischen Juni und August 2020 noch immer mindestens 50 % niedriger sind als im Vorjahr
  • Die Hilfen können für die Monate Juni bis August verwendet werden
  • Der Verwendungszweck der Überbrückungshilfen ist klar geregelt: Bis zu 50 % der fixen Betriebskosten oder in extremen Fällen bis zu 80 % der fixen Betriebskosten sollen erstattet werden
  • Der maximale Betrag liegt bei 9.000 Euro für Unternehmen mit bis zu 5 Beschäftigten und bei 15.000 Euro für Unternehmen mit bis zu 15 Beschäftigten
  • Anträge können bis zum 31.08.2020 eingereicht werden

Im Gegensatz zu den ersten Soforthilfen des Bundes müssen die Daten dieses Mal von einem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer bestätigt werden. So soll Missbrauch verhindert werden.

Kurzarbeitergeld

Kurzarbeitergeld kann dann für Sie infrage kommen, wenn Sie Mitarbeiter haben und diese wegen der Krise nicht mehr in vollem Umfang beschäftigen können. In diesem Fall springt der Staat ein und zahlt einen Teil der Differenz zwischen regulärem Nettolohn und dem reduzierten Lohn. Details zu den Voraussetzungen sowie zum Antrag erfahren Sie hier.

Im Zuge des Konjunkturpakets wurde nun eine vorübergehende Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf 70 % (für Beschäftigte mit Kind auf 77 %) ab dem vierten Monat beschlossen. Ab dem siebten Monat erhalten Angestellte 80 % (mit Kind 87 %) Kurzarbeitergeld, das heißt zusätzlich zu ihrem reduzierten Lohn 80 % der Differenz zum normalen Lohn.

Prämien für Ausbildungsplätze

Ausbilden in Krisenzeiten lohnt sich! Zum einen wird die Übernahme von Auszubildenden aus insolventen Ausbildungsbetrieben belohnt. Zum anderen erhalten Sie für die Schaffung neuer Ausbildungsplätze 3.000 Euro pro Ausbildungsvertrag. Auch wenn Sie genauso viele neue Auszubildende wie in den letzten drei Jahren einstellen, bekommen Sie eine Prämie in Höhe von 2.000 Euro pro Vertrag.

Grundsicherung

Gerade für Soloselbständige ist es ein Problem, dass sie mit Hilfsgeldern wie der Soforthilfe lediglich betriebliche Kosten decken dürfen. Private Mieten, Versicherungen und alltägliche Kosten müssen alleine gestemmt werden – oder über die Grundsicherung gedeckt werden.

Die Grundsicherung wird auch Hartz 4 oder Arbeitslosengeld II genannt. Um den Zugang während der Corona-Krise zu vereinfachen, gibt es derzeit unter anderem keine Vermögensprüfung und die Wohnkosten werden komplett übernommen. Diese Änderungen wurden nun bis zum 30.09.2020 verlängert.

Weitere Informationen zur Grundsicherung erhalten Sie hier oder über die Hotline des Jobcenters (0800 4555523).

Insolvenzrecht

Die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen wurde bereits unter bestimmten Voraussetzungen ausgesetzt. Nun gibt es auch im Bereich der Privatinsolvenz Neuerungen: Das Entschuldigungsverfahren, das heißt der Zeitraum, in dem man seinen Gläubigern verpflichtet ist und nur einen bestimmten Betrag des verdienten Geldes für sich behalten darf, soll von bisher sechs auf drei Jahre verkürzt werden.

Dieser Artikel sollte Ihnen einen ersten Überblick über das Konjunkturpaket und die für Sie relevanten Maßnahmen geben. Weitere Beschlüsse und Möglichkeiten wie die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer wurden an dieser Stelle nicht behandelt, da sie für die meisten Selbstständigen und Freelancer nicht von Bedeutung sind. Für aktuelle Informationen besuchen Sie die Seite des Bundesfinanzministeriums.

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Business Blog Autorin Caroline Sensen

Gastautorin: Caroline Sensen

schreibt zu Themen rund um Selbstständigkeit und Community. Ihre Artikel erscheinen regelmäßig auf dem Blog von Kontist, einer Bank exklusiv für Solo-Selbstständige und Freelancer.