Social Networking für SelbstständigeSie sind selbstständig und möchten mit ihrem Unternehmen aktiv in den Social Media sein? Selbstständige, die nicht mehr nur privat, sondern auch beruflich posten möchten, fragen sich oft, ob sie etwas an ihrem Kommunikationsstil ändern sollten. Ich habe ein paar Gedanken zum beruflichen Engagement in Social Networks und Social Media für Sie zusammengestellt.

Social Networking ist beinahe wie eine Party

Was machen Sie, wenn Sie auf eine Party gehen, auf der Sie wenige oder gar keine Leute kennen? Drücken Sie jedem eine Visitenkarte in die Hand? Laufen Sie wild Fähnchen schwenkend durch die Gegend, damit jeder Ihren Firmennamen mitbekommt? Versuchen Sie allen Leuten sofort etwas zu verkaufen, bevor man Sie überhaupt richtig kennenlernen kann? Was für einen Eindruck haben Sie von so einer Person? Sie denken nun wahrscheinlich: „Was ist das bloß für ein komischer Zeitgenosse, der sich unmöglich aufführt und nur an’s Geschäft denkt?“

Genau so oder ähnlich verhalten sich aber einige Menschen beim Social Networking, sobald sie beruflich etwas posten. Privat nett, aber wenn es beruflich wird, beinahe nicht auszuhalten. Wenn sie etwas veröffentlichen, dann nur über sich und ihre Produkte oder eigene Dienstleistungen. Wenn sie bei anderen kommentieren, dann möglichst mit viel Selbstbeweihräucherung und besserwisserisch. Kommt das gut an? Nein, diese „Art von Vertriebler/Verkäufer“ werden in den Social Networks meist skeptisch betrachtet. Das nagt an der Online-Reputation, kann sich sogar geschäftsschädigend auswirken. Solches Verhalten beim digitalen Networking irritiert. Bestimmt kennen Sie auch solche „Methoden“ und Ihnen fallen sofort ein paar schlechte Beispiele ein.

Wie wirkt man beim digitalen Networking sympathisch selbstständig?

Was sollte man stattdessen tun? Wie kann man sein Image aufbauen? Wie wird man auch digital sympathisch? Wie schafft man eine gute Gesprächsbasis in den Social Networks?

NetworkingFühren Sie sich nochmal das Beispiel von der „Party“ vor Augen. Was machen Sie, wenn Sie in dieser Situation sind? Richtig, Sie schauen sich als erstes um. Sie lassen die Atmosphäre auf sich wirken, beobachten die Leute und stellen sich vielleicht irgendwo am Stehtisch mal dazu. Sie schauen freundlich interessiert und hören eine Weile zu, bevor Sie sich ins Gespräch bringen. Ihre Kommentare gehen auf das Thema ein, das gerade aktuell ist. Sie reißen nicht das Gespräch an sich, sondern tragen zum Gespräch bei. Sie liefern hilfreiche Kommentare und stellen interessierte Fragen.

Das digitale Networking ist nicht unbedingt anders als das im realen Leben. Es gibt nur ein paar Besonderheiten, denn Sie verständigen sich nicht in gesprochenen Sätzen, sondern schriftlich. Man hört Sie nicht, man liest Sie! Das bedeutet, dass sämtliche Ausdrucksformen wegfallen, die sonst ein Gespräch beleben. Sie müssen beim digitalen Networking ohne die Sprachmelodie und Betonung durch Ihre Stimme auskommen und ohne Gestik beziehungsweise Mimik.

Wenn Sie sich also aktiv beruflich in den Social Networks einbringen möchten, schauen Sie sich erstmal um. Was machen die anderen? Wie kommunizieren die Leute untereinander? Wie ist der Umgangston? Gibt es Dinge, die man beachten sollte? Lesen Sie die FAQ, wenn es welche gibt. Stellen Sie lieber keine Frage, die schon gefühlt einhunderttausend Mal gestellt wurde, benutzen Sie lieber erstmal die Suche oder googeln Sie vorab, ob Sie nicht selber die Antwort finden.

Welches Social Network nutzt mir beruflich?

Wenn ich diese Frage gestellt bekomme, antworte ich grundsätzlich: „Das kommt drauf an.“ Ich gehe hier auf die bekannteren Plattformen ein, die ich auch selbst nutze. Ausnahmen kann es immer geben: So kann für einige Selbstständige beispielsweise die Teilnahme in einem Fach-Forum wichtiger sein als auf Twitter Präsenz zu zeigen. Das kann man jedoch recherchieren.

Hier die Social Networks, die sich für erste berufliche Aktivitäten anbieten:

XING – Karriere-Networking für Angestellte und Plattform für Selbstständige

Auf Xing bin ich seit 2005. Anfangs habe ich sehr stark die Gruppenfunktionalität genutzt. Diese Kontakte, die ich dort geschlossen habe, habe ich heute noch. Sie sind primär aus regionalen Kontakten vor Ort entstanden. Doch für ein spannendes Networking auf Xing kann man auf der Plattform auch gezielt nach passenden Themen suchen. Das gilt für berufliche wie private Themen. Es ist wir im Offline-Leben: Mit einem Sportkameraden kann man – nach einer Weile – gegebenenfalls auch beruflich ins Gespräch kommen. Ein persönliches Basis-Profil genügt (das muss auch kein Premium Account sein), weiterhin kann man Businessseiten sowie ein Unternehmensprofil anlegen.

LinkedIn – internationales Business Network

Für LinkedIn gilt Ähnliches wie für Xing. Ich habe LinkedIn etwas später entdeckt, daher bin ich nur in wenigen Gruppen Mitglied. LinkedIn ist auf internationales Networking ausgerichtet und auf jeden Fall sinnvoll für diejenigen, die über Deutschland hinaus kommunizieren möchten. Oft wird auf Englisch kommuniziert. Sie können hier ein persönliches Profil (kostenlos/Premium) sowie eine Unternehmensseite einrichten.

Twitter – Networking mit kurzen Nachrichten

Twitter kenne ich seit 2007 und bemerke immer wieder, dass es gar nicht mal so einfach ist, mit einem ganz neuen Twitter-Konto schnell Fuß zu fassen. Hier muss man einiges an Zeit investieren, wenn man ins Gespräch kommen möchte. Hilfreich sind die Recherche und das Nutzen der richtigen Hashtags. Fangen Sie vielleicht erstmal mit einem persönlichen Profil an und schauen Sie, ob Sie ein weiteres berufliches Twitter-Profil benötigen.

Facebook – Präsenz mit einem Profil, in Gruppen und der Facebook Page

Facebook wurde erst ab Dezember 2011 interessanter. Denn seit diesem Zeitpunkt gibt es die eigene Chronik, sprich: das Profil mit allen eigenen Einträgen. Mit einem Profil kann man auf Facebook private Dinge posten, aber auch – als Person wahrgenommen – berufliche. Mit dem Profil kann man auch in Gruppen posten, jedoch nicht mit einer Facebook Page. Die Page ist gar nicht mal so einfach aufzubauen, es gilt einiges zu beachten, um Fans zu gewinnen. Vorteil einer Page: Man kann Werbung schalten, sowohl für die Reichweite mit Klicks oder Reaktionen als auch für die Fangewinnung. Mein Tipp für Selbstständige, die eher als Person in Erscheinung treten: Mit einem Profil ist man erstmal gut bedient. Alles andere kann man aufbauen. Bei einem Unternehmen (kein Einzelunternehmer) ist die Page als Pflicht zu sehen, denn nur eine Page darf von mehreren Leuten administriert werden.

Was ist wichtig bei einem Profil?

Wenn man mit einem Profil in Erscheinung treten möchte, ist es wichtig, dass viele Informationen für mögliche Interessenten vorhanden sind. Man sollte das Profil komplett ausfüllen, was die beruflichen Daten angeht. Der echte Name (keine Phantasienamen und nicht der Firmenname) plus Profilbild der eigenen Person sollten selbstverständlich sein. Dazu gehört auf jeden Fall ein Link zum Impressum, sobald man nicht nur privat postet. Sinnvoll ergänzend zu erwähnen sind immer der Firmenname und eine passende Kurzbeschreibung des Firmenangebots.

Hilfreich kann es sein, wenn man sich ähnliche Profile von anderen Freiberuflern und Selbstständigen anschaut und sich inspirieren lässt – aber nicht kopiert.

Networking mit dem eigenen Profil

Nun gehen Sie natürlich nicht einfach los und fragen jeden um Kontakt an, der Ihnen über den Weg läuft. Da wird man schnell zum spammigen Kontaktesammler herabgestuft. Schauen Sie zuerst, ob Ihre echten Kontakte auf den jeweiligen Plattformen sind.

Danach beobachten Sie, welche Ihrer Kontakte spannende Beiträge posten. In vielen Social Networks kann man auch Kontakte „abonnieren“: Man verfolgt dann deren öffentliche Beiträge, muss dazu aber keine Freundschaftsanfrage stellen. Man spricht hier auch von „folgen“ (following). So wird Ihre Startseite bunter. Wenn Sie mit jemanden toll diskutiert haben und das Gefühl haben, sie möchten sich gegenseitig gern öfter lesen, fragen Sie auch ruhig die gegenseitige digitale „Freundschaft“ an, wenn die Plattform das vorsieht. Ein wenig Fingerspitzengefühl ist hier notwendig. Das bekommen Sie mit der Zeit heraus. Doch lassen Sie zwischen der Begegnung und der Anfrage nicht viel Zeit vergehen. Viele vergessen sonst, woher sie Sie kennen. Nett ist auch, wenn man eine kleine Nachricht schickt, warum man sich gern vernetzen möchte.

Was postet man am besten?

Natürlich möchte man seine eigenen Blogartikel und Statusmeldungen „loswerden“. Gut ist eine Mischung aus verschiedenartigen Postings. Nehmen Sie auch fremde Links auf, die Ihnen gut gefallen und teilen Sie sie mit einem entsprechendem Text. Nie ohne eigenen Postingtext teilen, es ist wichtig zu wissen, warum dieser Artikel empfohlen wird.

Sie können auch schöne berufliche Momente teilen, etwa, wenn Sie auf Reisen sind oder auf einem (berufsbezogenen) Event. Oder Sie teilen einfach auch einmal etwas Persönliches. Aber vermeiden Sie wirklich Privates. Das gehört nicht in den beruflichen Kontext. Außer, Sie spielen bewusst damit.

Kommentieren Sie beim digitalen Networking auch auf externen Plattformen. Verteilen Sie Likes, Favs, Herzchen, wie auch immer: Zeigen Sie Wertschätzung und Lob den anderen gegenüber. Verzetteln Sie sich jedoch nicht und verbringen zu viel Zeit auf den Plattformen. Das passiert schnell.

Wenn Ihre Kontakte Beiträge zu einem Thema posten, dann platzieren Sie nie einfach Ihren Link zu eigenen Inhalten dazu in die Kommentare. Viele Nutzer empfinden das als unhöflich. Schreiben Sie lieber, dass Sie das Thema interessant finden und neulich schon selber etwas dazu geschrieben haben. Meistens werden Sie dann sogar darum gebeten, dass Sie Ihren Link im Kommentar platzieren. Es ist besser, darauf zu warten oder zu fragen, als sofort zu aufdringlich zu sein.

Aus Erfahrung sind Gruppen (insbesondere auf Facebook), in denen nur Links geteilt werden, nicht sehr zielführend. Es gibt Nutzer, die all ihre Links zu eigenen Blogartikeln undifferenziert in etliche Gruppen posten. Nehmen Sie lieber nur ein oder zwei wirklich passende Gruppen und posten Sie mit zeitlichem Abstand. Auf Xing und LinkedIn können Sie Ihre Links auch sehr gut platzieren. Vergessen Sie nicht, auch immer selber zu lesen, was die anderen posten und reagieren Sie auf andere Postings.

Die Kür besteht darin, in einem Blogartikel einen Kommentar zu hinterlassen. Auf allen Plattformen sind Ihre Bemerkungen schnell wieder aus der Sichtweite verschwunden. Auf einem Artikel in einem anderen Blog bleibt Ihr Kommentar bestehen.

Sozial in Social Networks

Noch ein Wort zum Verhalten in der Diskussion sowie in Gruppen: Geben Sie hilfreiche Tipps, kommentieren Sie und stellen Sie erst Fragen, nachdem (!) Sie bemerkt haben, dass Sie nirgendwo anders eine Antwort finden. Zeigen Sie Interesse an den Personen, die Ihnen digital begegnen. Haben Sie Freude daran, den anderen etwas zu geben und zeigen Sie Dankbarkeit, wenn Ihnen geholfen wird. Beobachten Sie Postings genau, wenn Sie sich an einer Diskussion beteiligen oder sie initiiert haben. Bleiben Sie am Ball.

Ganz wichtig: Wenn Sie eine selbst gestellte Frage ohne Hilfe lösen konnten, vergessen Sie nie (!) die Lösung auch unter Ihre eigene Frage zu kommentieren. Und noch etwas: Meckern Sie nicht so viel herum, wichtige Kritik äußern Sie bitte nur konstruktiv. Zeigen Sie, dass Sie ein toleranter Mensch sind, verständnisvoll und empathisch. So, wie man sich einen zukünftigen, kompetenten Geschäftspartner vorstellt.

Viel Spaß – und vor allen Dingen Erfolg – beim Aufbau der eigenen Online-Reputation in den Social Networks.

 

 

Nicole Y. JodeleitAutorin dieses Beitrags:

Nicole Y. Jodeleit ist Freiberuflerin für Online-Kommunikation, Blogger Relations und schreibt auf verschiedenen Corporate Blogs über unterschiedliche Themen. Auf dem eigenen Blog Auto-Diva hat sie ihr Interesse für Autos und Technik zur Passion gemacht.